Erdogan will sein Kurdenproblem nach Europa auslagern

Aus gutem Grund fordert Erdogan Visafreiheit für seine Türkischen Landsleute, auch wenn ihm diese egal sind. Aber Kurden in der Türkei sind ebenfalls Türken

Bild: kurds want peace turkey erdogan / AK Rockefeller / flickr / CC BY-SA 2.0

Bild: kurds want peace turkey erdogan / AK Rockefeller / flickr / CC BY-SA 2.0

Kommentar – Seit seiner ersten Amtszeit war Erdogan darum bemüht, die Türkei näher an Europa zu rücken. Der Türkei tat dies gut. Sie blühte wirtschaftlich auf durch die neuen, Europäischen Standards, was Erdogan fortan die Zustimmung seiner Landsleute und somit ein dauerhaftes Präsidentenamt eintrug. Sein Ziel war neben besseren Handelsbeziehungen zu Europa vor allem Visafreiheit für Türken und letztlich die Aufnahme in die Europäische Union. Es muss demütigend für Ihn gewesen sein, dass er sich von Europäischen Politikern eher stiefmütterlich behandeln und stattdessen mit einer ‚Privilegierten Partnerschaft‘ abspeisen lassen musste. Nun scheint es ganz so, als hätte sich die bisherige Zielsetzung Erdogans binnen der letzten fünf Jahre verschoben.

Die bislang guten Beziehungen zu den Europäern interessieren ihn heute nicht länger. Stattdessen richtet sich sein Blick nun zusehends auf die Erdölfelder im Nordosten Syriens, unweit der Grenze zur Türkei und im angrenzenden Nordwesten des Iraks. Mittels dieser Ressourcen, die dem geschwächten Irak und Syrien leicht zu entreißen wären, könnte Erdogan die Vormachtstellung der Türkei im Nahen Osten deutlich ausbauen. Damit wäre die Türkei nicht länger von Europas Gnaden abhängig und könnte von einem Nehmerland zu einem Geberland aufsteigen. Es gibt nur ein Problem mit den Öl- und Gasfeldern unmittelbar südöstlich der Türkei. Dort wohnt bereits jemand, nämlich die Kurden.

Diese hatten es in der Vergangenheit alles andere als leicht. Zuerst von Saddam Hussein mit Europäischem Giftgas dezimiert, wurden sie in den Jahren nach dessen Tod immer wieder aufs Neue von türkischen Luftstreitkräften angegriffen und bombardiert. Dass türkische Kampfflieger sich dabei ein ums andere mal über die Grenze in den benachbarten Irak wagten, um dort Kurdengebiete zu bombardieren, interessierte im Westen niemanden. So blieb den Kurden nichts anderes übrig, als sich in den Autonomen Kurdengebieten zu einer wehrhaften Gruppe zusammenzuschließen und auch Ableger in der Türkei wie die PKK zu auszutreiben, um den ständigen Angriffen etwas entgegensetzen zu können. Auf politischer Ebene ist ihnen dies sogar gelungen, als sie im vergangenen Jahr mit der pro- kurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) einen erstaunlichen Wahlsieg in der Türkei für sich verbuchen konnten, bevor Erdogan diese Partei zerlegte, indem er deren Mitglieder ihrer Immunität beraubte und sie durch eine korrupte Justiz verfolgen ließ. Zugleich nahm er vor Wut bebend zur Kenntnis, dass die Kurden ihre angestammten Gebiete in Syrien und im Irak mit erstaunlichem Erfolg gegen seine Lieblingsterroristen vom IS verteidigten. Damit nahm das heutige Unheil seinen Lauf, als hinter Erdogans flacher Stirne ein Plan sich abzuzeichnen begann.

Zuerst reagierte er auf die neue, Kurdische Konkurrenz so, wie er immer darauf reagiert. Es begann, soviele Kurden wie möglich in der Türkei zu ermorden. Die Städte Cizre, Silopi und Şırnak wurden von türkischen Truppen mehr oder weniger dem Erdboden gleich gemacht. Die Angriffe auf die dortige Zivilbevölkerung dauern bis heute an und hatten bereits tausende Tote zur Folge. Rigide Ausgangssperren verhindern, dass die Menschen dort sich mit Lebensmitteln versorgen können. Das Elend in diesen Regionen ist unbeschreiblich. Kinder sterben durch Hunger und Erschöpfung. Schwerverletzte müssen sich tagelang schinden, bevor sie, medizinisch komplett unversorgt, vom Tod erlöst werden. Es herrscht akuter Wasser- und Nahrungsmangel. Die einstigen Häuser sind heute nurmehr einsturzgefährdete Ruinen. Der Tod ist ein Meister auch aus der Türkei.

Da Erdogan nicht so einfach im Irak und in Syrien einmarschieren kann, benötigt er für diese Aufgabe den Islamischen Staat (IS) und andere Terrororganisationen wie die al-Nusra Front, die Freie Syrische Armee (FSA) oder Dschaisch il-Islam, kurzum das gesamte, mittlerweile als Daesh bekannte Terrorkonglomerat. Dieser Daesh soll Syrien und den Irak derart vewüsten, dass dort eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen schlichtweg nicht mehr möglich ist. Mit dem stattdessen ebenda gegründeten Kalifat würde er sich, so sein Plan, mit dem IS die Öl- und Gasfelder teilen und so zum alleinigen Herrscher einer Kernmacht in der Levante werden. Und dann kamen die Russen. Diese hatten vor Beginn ihrer Offensive gegen den IS gewarnt, sich aus den Kampfgebieten rauszuhalten. Wie soll man auch Terroristen angreifen, wenn sich darunter zahlreiche Militärs aus der Türkei, Amerika und Großbritannien befinden? Diese dachten jedoch nicht daran, den Platz zu räumen, wähnten sich stattdessen sicher, da sie dachten, die Russen würden nur bluffen. Als ob diese jemals geblufft hätten. Also wurden alle vernichtet, darunter auch eine Reihe Türkischer und wohl auch westlicher Offiziere, die den IS ausgebildet und mit Waffen versorgten hatten, was bis heute schamhaft vertuscht wird. Dies mag wohl einer der Gründe dafür gewesen sein, dass die Türkei anschließend einem Russischen Kampfbomber, einer Suchoi Su-24, auflauerte und diesen abschoss.

In Europa war unsere Bundeskanzlerin derweil nicht untätig geblieben und tat das ihre, um Syrien möglichst massiv zu schaden. Auch Frau Merkel ist an den Ölressourcen in den Kurdengebieten mehr als interessiert und sähe es daher sehr gerne, wenn ganz Syrien dem Raub der Flammen zum Opfer fiele. Aus diesem Grund hatte die Bundesregierung auch beschlossen, die Kurdische Peschmerga zu bewaffnen, wohlwissend, dass große Teile dieser Lieferung letztlich beim IS oder al-Nusra landen würden. Zugleich versuchte sie, Syrien demographisch auszubluten. Nach dem vorangegangenen Braindrain, bei dem vor allem Akademiker und Menschen mit höherer Schulbildung aus dem Land gesaugt worden waren, sollten nun noch möglichst viele, junge Männer im wehrfähigen Alter folgen. So sollte Assads Syrisch Arabische Armee solange ausgeblutet werden, bis der IS, der seinerseits ständig neuen Nachschub an Kämpfern erhält, diese vernichtet hätte. Dieser Plan ging noch viel weniger auf, als der von Erdogan.

Erdogan witterte seine Chance, endlich das ihm so verhasste Kurdenvolk elegant loszuwerden. Die UN halfen ihm dabei. Angetrieben durch die massive Verknappung an Lebensmitteln in den Flüchtlingslagern, waren abertausende Menschen dazu bereit, aufzubrechen und ihr Glück andernorts zu versuchen. Durch die Halbierung der monatlichen Hilfsleistungen von etwa 30 Dollar auf 16 Dollar monatlich infolge des Ausbleibens der Gelder für das UN- Flüchtlingshilfswerk, war es nun ein Kinderspiel, die Menschenmassen in Richtung Europa in Bewegung zu setzen.

CIA nahe NGOs wie die Ayn Rand Corporation, aber auch George Sorros und Co. taten das ihre zur Unterstützung dieser neuzeitlichen Völkerwanderung. Die Bilder von Merkel, die sich gemeinsam mit Flüchtlingen auf Selfies ablichten ließ, gingen um die Welt. Ebenso die Bilder von blumengeschmückten Empfangskomitees an den Bahnhöfen, auf denen die Züge, voll mit Flüchtlingen, einliefen. Mittlerweile treffen in Europa Flüchtlinge aus Karibikstaaten wie Jamaika oder der Domenikanischen Republik ein, solch eine Wirkung haben diese Bilder weltweit entfaltet.

Durch den massiven Zuzug sollten die Europäischen Staaten, allen voran Deutschland, dazu gezwungen werden, näher an die Wünsche Erdogans heranzurücken. Zahlungen von Europa an die Türkei wurden vereinbart, auf dass diese die Flüchtlinge zurückhalten möge. Derzeit steht eine Summe von insgesamt sechs Milliarden Euro im Raum, die jedoch noch nicht transferiert wurde. Zugleich drängt Erdogan massiv darauf, endlich die Visafreiheit in der EU für seine Türkischen Mitbürger einzuführen. Das ist der wichtigste Teil seines Planes.

Sollte dies geschehen, so dass sich Türkische Staatsbürger ungehindert zwischen der Türkei und der EU hin- und herbewegen können, kommt Erdogans Joker zum Einsatz. All die Kurden, die derzeit den Ostteil seines Reiches bevölkern, könnten, mit Türkischen Pässen versehen, in die EU ausgelagert werden und damit zugleich eines seiner größten Probleme. Die Kurden ihrerseits hätten die Wahl, sich entweder von islamistischen Terrorgruppen abschlachten zu lassen, oder von der Türkischen Armee. Als letzte Option bliebe ihnen nur noch die Flucht mit türkischem Pass ins reiche Europa. In den ehemaligen Heimstätten der Kurden könnte er dann seine Terrorkollegen vom IS ansiedeln, so dass diese von dort aus ständig aufs Neue in Syrien einfallen könnten, um dort zu morden und zu brandschatzen.

Für diese Sauerei würde Erdogan auch noch mit EU- Geldern in Höhe von sechs Milliarden Euro belohnt werden, wie im Vorfeld besprochen. Dann, und erst dann, böte sich Erdogan die Möglichkeit, die autonomen Kurdenregionen mitsamt den verlockenden Kohlenwasserstofflagern in Syrien und Irak zu übernehmen und sein erträumtes, Neoosmanisches Großreich auferstehen zu lassen. Dass ihm dies gelingt, darf durchaus bezweifelt werden. Sind doch nicht zuletzt die Amerikaner ganz erpicht auf das Öl und Gas in syrischem Boden und, off shore, im Schelf vor der Syrischen Küste. Und dass die Russen Assad werden fallen lassen, ist mehr als unwahrscheinlich. Das Rad der Geschichte wird sich weiterdrehen und Erdogan, diesen armseeligen, kleinen Despoten, hingebungsvoll zerquetschen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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3 Antworten zu Erdogan will sein Kurdenproblem nach Europa auslagern

  1. regentraum schreibt:

    Hat dies auf textblätter rebloggt.

  2. Die Sendungen zum Thema! Was gesagt werden muss, muss gesagt werden!





    ALLEMALACHE..

  3. Helga Müller schreibt:

    Das bricht unser Land.
    Das erbricht die EU.
    Das zerbricht endlich die Nähe zu den USA.

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