Wulffs letzte Karte

Eine ausgezeichnete Satire von WiKa (QPress) zu Wulffs Abgesang. Lesenswert.

Bellevue: Schöne Aussichten für den Donnerstag. Die ganze Nation zerreißt sich das Maul beim Gedanken an die Zeremonie oder diesmal doch besser „Zerre-Monie“ die es standardmäßig für alle rechtskräftig vom Amt geschiedenen Präsidenten des Bundes gibt. Was für gewöhnlich wenig Anlass zur und für Kritik bietet, gerät jetzt, nach den bisherigen Darbietungen des letzten gewesenen Bundespräsidenten, zum handfesten Politikum. Und letztmalig zieht Wulff einen Joker aus dem Ärmel damit ihn die Nation wenigstens für den Zeitraum eines Liedes oder doch „Leides“ länger erdulden soll. 

Wie der Spiegel-Online hier zu berichten weiß, hat er sich statt der drei üblichen Liedchen doch glatt ein Viertes gewünscht, er will partout eine Zugabe. Oder ist das Vierte möglicherweise als eine Hommage an die „Vierte Gewalt“ zu verstehen, die ihn doch nach seinen Vorstellungen so richtig BILD-lich vergewaltigte? So eine Frechheit aber auch. Unter den gewünschten musikalischen Darbietungen soll unter anderem auch die „Ode an die Freude“ den Götterfunken nochmals so richtig überspringen lassen, nur zu einem Blitzschlag wird der wohl nicht ehr werden. Die „Ode an die Vernunft“ kennt offensichtlich gar niemand.

Der nächste Eklat steht auch schon vor der Tür. Die ganze „Haute Creme“ hat schon scharenweise die Teilnahme abgesagt oder will zur Vertretung nur die Lehrlinge entsenden. So etwas kann aber für das Amt gar nicht gut sein und von der Wiederherstellung irgendwelcher Würden und Ehren desselben kommen wir damit immer weiter ab. Inzwischen weiß man schon gar nicht mehr wer jetzt peinlicher ist, die Kollegen Politiker oder der frisch vom Amt Geschiedene? Wer um Himmelswillen denkt endlich mal an das Amt, das schöne Schloss und an einen anständigen Grüß-August vor dieser noblen Tür, den an sich zwar keiner braucht, den aber unsere Parlamentarier gar nicht missen wollen. Immerhin, die Kanzlerin wird ihm wohl an diesem denkwürdigen Tag letztmalig die Stange halten, wie all ihren verflossenen Männern die an ihrer Kanzler-Klippe strandeten oder auch an ihrer Front zerrieben wurden.

Ordensverdächtig? Nein, das wird bis heute mit einer präsidialen Rente von 199.000 Euro pro Jahr und 280.000 Euro Aufwandsentschädigung (auch p.a.) vergoldet, das muss reichen und Wulff hat schon signalisiert, dass es mit weniger kaum zu machen sei. Zurück zum Dilemma und dem großen Zapfenstreich. Wenn schon der Streit um die Liedchen entbrennt und die Teilnahme an der Veranstaltung ein Politikum ist, dann müssen wir wohl mal wieder von der Basis aus für Lösungsvorschläge sorgen, wenn schon allen Beteiligten der klare Blick abhanden gekommen ist.

Also, wie kommen wir jetzt aus dieser Zwickmühle zwischen großem Festakt und ungewollter Peinlichkeitssteigerung wieder heraus? Ganz einfach: Wulff müsste nur hergehen und seine Teilnahme an diesem Festakt absagen. Wäre dann also so etwas wie eine posthume Veranstaltung zu seinen Ehren und man könnte statt seiner einen Papp-Grüß-August vor den Kompanien auf und abziehen. Dazu sollte man ihm durchaus noch ein fünftes Lied spendieren, vielleicht „Shame on you“ oder alternativ „Enough is enough“. So wären Burgfrieden und Gesichter gewahrt. Zur Erhaltung und Wiederherstellung der Würde des Amtes dürften sich so alle Würdenträger ganz würdig versammeln können, ohne dem unwürdigen Wulff bei dieser Veranstaltung begegnen zu müssen. Komisch, dass unsere Politkasper nie auf die einfachsten Lösungen kommen … immer muss es teuer und peinlich werden. Und ja, wenn Sie zu diesem Termin auch in Berlin sein wollen, sich also nicht vertreten lassen, dann nehmen sie doch noch einige Sätze abgelatschter Schuhe mit. Selbige können sie dort relativ kostengünstig und mit einer geeigneten Wurftechnik bestens in Richtung Schlossgarten entsorgen, sofern nicht Christian Wulff bis dahin diesen Artikel erblickt hat und den guten Rat in die Tat umsetzt.

Quelle:

Mit freundlichem Dank an QPress

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