Kolonialismus wird Auslaufmodel

Nur in zweiter Linie geht es um Öl, Gas und Rohstoffe bei den Konflikten dieser Tage. An erster Stelle hingegen steht die Fähigkeit der reichen Welt, die arme auch weiterhin ausbeuten zu können. Diese ihrerseits wehrt sich dagegen mit zunehmender Stärke und zunehmendem Erfolg

Armer Mann und reicher Mann, standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: „Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“
Berthold Brecht

colonialismDie junge Britin Rebecca Gallagher aus Wales staunte nicht schlecht, als sie ihr neues Sommerkleid genauer inspizierte. Gekauft hatte sie es zum Billigpreis von etwa 12 Euro bei dem Textildiscounter Primark. Als sie die Waschanleitung auf dem Etikett studierte, fiel ihr dort eine eingenähte Botschaft auf, die sich als verzweifelter Hilferuf entpuppte: „Gezwungen zu langer, harter Arbeit.“ Es war der hilflose Versuch einer unbekannten Textilarbeiterin, ihrem Sklavendasein zu entfliehen. Eine von Millionen weltweit, die allesamt unter dem selben Phänomen zu leiden haben, dem Kolonialismus. Zugleich weisen Anzeichen darauf hin, dass dieses ‚Geschäftsmodel‘ auf seine Endphase zusteuert.

Begonnen hatte das kolonialistische Zeitalter im 15. Jahrhundert. Zuvor hatte die adelige Obrigkeit gemeinsam mit der Kirche ihr eigenes Volk versklavt und ausgebeutet. Nun jedoch, mit dem Aufkommen der Hochseeschifffahrt, konnten sie die Mächtigen ihren Einfluss auf die ganze Welt ausdehnen, was sie auch umgehend taten. Nachdem Südamerika zum Raub der spanischen und portugiesischen Krone geworden war, eroberten vom Leben enttäuschte nordeuropäische Auswanderer den nordamerikanischen Kontinent. Dabei wurden nach der Schätzungen von Historikern mehr als 20 Millionen Ureinwohner getötet. Anschließend wurden im Verlauf von nahezu 400 Jahren (1500 bis 1870) etwa 13 Millionen schwarze Einwohner auf dem afrikanischen Kontinent entführt und als Arbeitssklaven in die Neue Welt jeseits des Atlantiks verschleppt. Bis heute werden Afroamerikaner in den USA schlechter behandelt, als Weiße. Sie sitzen weitaus häufiger in der Todeszelle und sind in weiten Teilen sozial benachteiligt.

Einfach war es nicht, ausgerechnet zu Zeiten der Aufklärung die europäische Bevölkerung auf Eroberung, Unterwerfung und Ausbeutung fremder Nationen einzustimmen. Ein neues Menschenbild musste her. Das des minderbemittelten, ungebildeten Menschen zweiter Klasse. Des Untermenschen, wie der Faschismus des 3. Reiches gegenüber Juden, Kommunisten, Sinti, Roma, Behinderten und Oppositionellen zu verstehen gab. Menschen, deren Leid nicht zählte, weil sie so primitiv seien, dass sie dieses Leid garnicht als solches zu erfassen in der Lage seien. Auch Angler behaupten, der Fisch spüre weder den Haken, noch die Angst, da er so unglaublich dumm sei, dass er kein Erinnerungsvermögen habe. Mit dieser unmenschlichen Ideologie im Gepäck, konnten europäische Truppen nun in aller Welt ihr verheerendes Werk beginnen.

Kolonialismus finanziert Imperialismus

US- KolonialismusDie Weltmacht wechselte in den folgenden Jahrhunderten mehrfach den Besitzer. Der spanischen und französischen Krone folgte die englische. Nach dem ersten und zweiten Weltkrieg hatte sich das Britische Empire so verausgabt, dass die USA als lachende Dritte den führenden Weltmachstatus an sich reißen konnten. Seither hat sich das Gesicht des Kolonialismus‘ verändert. Nach wie vor geht es um die Plünderung fremder Rohstoffe und billige Arbeitskräfte. Aber die Strategie ist mittlerweile eine andere. Denn heute sind es keine Staaten, sondern internationale Konzerne, Banken und Investmentfonds, welche die Länder der südlichen Erdhalbkugel ihrer Zukunft berauben, in dem sie deren eigenständige Entwicklung in ihre eigenen Taschen fließen lassen. Um ihre Raubzüge erfolgreich fortsetzen zu können, bedienen sich diese Kreise eines völlig überblähten, amerikanischen Militärapparates. Derzeit sind militärische Kräfte der USA aktiv oder stationiert in Afghanistan, Pakistan, Dschibuti, auf den Philippinen, im Jemen, in Somalia, Uganda, in der Zentralafrikanischen Republik, in Kolumbien, Kenia, Europa, Südkorea und Japan. Seit dem Wegfall des eisernen Vorhangs zerstörte diese Militärmacht 1992 den Irak, 1999 den Kosovo, 2001 Afghanistan, 2003 erneut den Irak, 2011 Libyen und jetzt Syrien. Die Ukraine wird gerade zerstört, nicht zuletzt durch amerikanische Söldner.

Dass westliche Staaten jederzeit dazu bereit sind, ihre hegemonialen Interessen auch mit militärischer Gewalt durchzusetzen, zeigte bereits der Falklandkrieg. Wegen einiger Felsbrocken vor der argentinischen Küste, in deren Nähe Großbritannien Ölvorkommen vermutete, kam es 1982 zum Krieg zwischen England und Argentinien. Obwohl mehr als 11.000 Kilometer zwischen London und Buenos Aires liegen, beansprucht London die südatlantisch Inselgruppe, die auch unter dem Namen Malvinen bekannt ist, bis heute als britische Kolonie. Kaum hatte der Staat Argentinien territoriale Ansprüche auf die Inseln direkt vor seiner Haustür bekundet, schickte Maggie Thatcher ihre Kriegsschiffe los, um Argentinien erneut zu unterwerfen. Die dabei zum Einsatz gekommenen Exocet- Raketen soll damals, so munkeln böse Zungen, der Vatikan geliefert haben. Ungefähr 1000 Menschen mussten wegen dieses kolonialistischen Ausfallschrittes ihr Leben lassen. Ein gutes Beispiel für schlechte Diplomatie.

Seither hat die Welt sich weitergedreht. Die Völker von heute sind nicht mehr so einfach zu unterjochen, wie noch vor 30 Jahren. Der Griff Amerikas nach dem Kosovo 1998/99 fügte dem makelosen Selbstbildnis der USA bereits erste Risse zu. Der Überfall auf Afghanistan wurde angesichts des Grauens, welches 9/11 zurückließ, gerade noch stillschweigend hingenommen. Der durch dreiste Lügen entfachte Krieg gegen den Irak 2003, machte der Welt bereits unmissverständlich deutlich, dass Washington auf Konflikte setzt und nicht auf Verständigung. Als die US- Army dann wie ein geprügelter Hund aus dem Irak und größtenteils aus Afghanistan abziehen musste, begann die Welt zu erkennen, dass die USA sich als globaler Aggressor zu erschöpfen begannen. Der NATO- Überfall auf Libyen rief in der ganzen Welt Abscheu und Entsetzen hervor. Insbesondere, nachdem herauskam, dass Muamar al Gaddafi seinem damaligen Busenfreund Nicolas Sarkozi den Wahlkampf finanziert und ihm damit die Präsidentschaft ermöglicht hatte. Was dieser dann zum Anlass nahm, seinem Mäzen den Dolch in den Rücken zu stoßen.

Ab diesem Augenblick begann das Blatt sich zu wenden. Der durch radikalislamische Terrorfanatiker in Syrien versuchte Vorstoß kam ins Stocken. Schließlich verloren die Terrorbanden, die Washington, London, Doha und Riad in ihrem ‚Kampf gegen den Terror‘ finanziert, ausgebildet und bewaffnet hatten, mehr und mehr an Boden gegenüber der regulären syrischen Armee. Ein syrischer Obrist bekannte damals: „Die armen Kerle sollen nach Hause gehen. Wir haben hier bald keinen Platz mehr, um sie zu vergraben.“ Als nach zwei gescheiterten Resolutionen im UN- Sicherheitsrat die USA das kleine Syrien trotz chinesischen und russischen Vetos mit Kriegsschiffen angreifen wollte, sagte der Kreml erstmals in seiner Geschichte laut und deutlich: „NJET!“

Russische Zerstörer und Fregattenkreuzten kreuzten plötzlich gemeinsam mit dem chinesischen Amphibienschiff Jinggangshan zwischen den US- Streitkräften und der syrischen Küste. Dies ließen keinen Zweifel daran, dass sie im Falle eines Angriffs erbittert gegen die amerikanischen Streitkräfte im Mittelmeer zurückschlagen würden. Zwei Missiles, die ein US- Zerstörer auf Syrien abfeuerte, wurden von russischen Schiffen durch Störsender unschädlich gemacht, die deren Zielpeilung außer Gefecht setzten. Die Raketen fielen unverrichteter Dinge ins Meer. Zugleich begann es in der US- Army zu murren und zu prostestieren. Als der erste Angriffsbefehl des Pentagons auf das Mittelmeerland erfolgte, wurde er auf Generalstabsebene verweigert. US- Soldaten, vor allem Marines, ließen sich ablichten mit Schildern, auf denen zu lesen stand: „I don’t fight vor Al Kaida.“ Eine überdeutliche Anspielung auf die Al Kaida nahe stehende Al Nusra Front, die verheerend unter der syrischen Zivilbevölkerung wütet.

Der militärische NATO- Schlag gegen Syrien musste schlussendlich abgebrochen werden und die Welt stellte interessiert fest: „Aha, soso? Sollte der weiß- rot- blaue Stern etwa am Sinken sein?“ Immer klarer wurde deutlich, dass die Tage der USA als Weltmacht gezählt sind. Umso verzweifelter erscheinen daher die Anstrengungen Washingtons, zuerst Russland in die Knie zu zwingen um sich anschließend China erneut als Kolonie einverleiben zu können. Das findet die Regierung in Peking ziemlich blöd und schließt sich daher politisch, wirtschaftlich und militärisch näher an Russland an. Der schlimmste Schock für die Kriegstreiber in Washington war jedoch der Umstand, dass seine europäischen Vasallen allmählich unruhig werden. Die Europäer haben seit dem Fall des eisernen Vorhangs ein recht entspanntes Verhältnis zu Moskau. Russland versorgt uns mit lebenswichtigen Rohstoffen und erwieß sich in der Vergangenheit stets als äußerst zuverlässiger Geschäftspartner, der seine Verträge getreulich erfüllt. Europäische Unternehmen haben in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden an Euro investiert in stabile Geschäftsbeziehungen zu russischen Firmen. Daher drücken sie sich vor Sanktionen gegen Russland, wo immer sie können. Es wäre nur zu ihrem eigenen Schaden. Das transatlantische Bündnis beginnt erste Risse zu zeigen.

Inzwischen wird das wichtigste Machtwerkzeug der US- Eliten abgewrackt. Der US- Dollar sieht bereits am Horizont sein Ende als Weltreservewährung nahen. So haben die allermeisten russischen Firmen sich bereits vom Dollar verabschiedet. Sie lösen ihre Konten in westlichen Staaten auf und eröffnen diese in Asien. Zugleich stellen sie ihre Exportverträge um auf asiatische Währungen wie den Yuan oder den Hong Kong Dollar. Zudem gründen Russland und China gerade eine eigene Rating- Agentur, um nicht länger politisch vorgefärbten Falschbeurteilungen westlicher Prägung ausgesetzt zu sein. Agenturen wie Standad & Poor, Moodys oder Fitch werden bald schon Konkurrenz bekommen, die nicht bereit sein wird, die US- Staatsverschuldung von mehr als 17 Billionen (engl. Trillions – N*1012) Dollar zu ignorieren. Kein Land weltweit ist stärker verschuldet, als die USA.

Darüber hinaus hat der führende russische Energiekonzern Gazprom mit 90 Prozent seiner europäischen, baltischen und kaukasischen Abnehmer vereinbart, dass künftige Zahlungen nur noch in Rubel, Euro und Yuan vorgenommen werden. Und da Washington wieder und wieder mit Sanktionen gegen Russland gedroht hatte, haben russische Unternehmen ganz schnell ihr gesamtes Kapital aus dem Westen zurückbeordert. Dass dies empfindliche Löcher in westliche Kapitaldecke gerissen hat, steht außer Frage.

Setz dich hin, halt die Klappe und hör zu

Washingtons Eliten werden umdenken müssen, wenn sie überleben wollen. Die Wahrscheinichkeit, dass es ihnen gelingen wird, ist jedoch verschwindend gering, da deren Arroganz nachgerade krankhafte Züge trägt. Daher rasselt die untergehende Superweltmacht weiterhin laut mit dem Säbel, genauer gesagt, mit ihren Atombomben. Kann ein nuklearer Präemptivschlag gegen Russland Wirklichkeit werden? Es gibt zweifelsohne Gruppierungen in Washington, die darauf hinarbeiten. Beispielsweise rechtslastige Hardliner wie John McCain, Dick Cheney oder diverse zionistische Falken in den Reihen des Kongresses. Allerdings dürfte es schwer werden, den Senat davon zu überzeugen, dass dies gelingen könnte, ohne sich selbst dabei auszurotten. Insgesamt sind weltweit mehr als 16.000 Atomsprengsätze dazu bereit, der Menschheit einen Jahrzehnte währenden nuklearen Winter zu bescheren, in dessen Gefolge die gesamte globale Landwirtschaft zum Erliegen käme. Auch wenn viele übergewichtige Amerikaner und Europäer eine ganze Weile lang von ihrem Blubber leben könnten, wäre dies wohl kaum in deren Sinn.

Die einzige Möglichkeit der USA, ihren Wohlstands- und Weltmachstatus beibehalten zu können, besteht in einem Vernichtungskrieg gegen Russland auf europäischem Boden. Die neuesten Zündeleien der ISIS- Brigaden im Irak und in Jordanien dienen vor allem dem Zweck, einen Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten zu entfachen, um die russische Basis Tartus in Syrien von der irakischen Ölversorgung abzuschneiden und zudem Europa in einen Krieg gegen Russland und China hineinzutheatern. Daran könnten amerikanische Konzerne sich trefflich gesund stoßen. Das werden jedoch weder Russland, noch China so einfach hinnehmen, deren mit nuklearen Mittelstreckenraketen bestückte U- Boote jederzeit vor der amerikanischen Küste auftauchen können. Zudem beginnt sich in Europa sehr allmählich eine erste Verweigerungshaltung zu bilden gegenüber dem Hegemonialherren im Westen. Alle, von Madrid bis Hong Kong, wollen dasselbe. Nämlich Ruhe, Frieden, Stabilität und gute Geschäfte. Notfalls eben auch ohne die USA.

Quellennachweis und weiterführende Links:

Über denkbonus

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4 Antworten zu Kolonialismus wird Auslaufmodel

  1. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Weltpolitik rebloggt und kommentierte:
    Kolonialismus

  2. sw schreibt:

    >Zwei Missiles, die ein US- Zerstörer auf Syrien abfeuerte, wurden von russischen Schiffen durch >Störsender unschädlich gemacht, die deren Zielpeilung außer Gefecht setzten. Die Raketen fielen >unverrichteter Dinge ins Meer.

    Da würde mich die Quelle interessieren.

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