Obama ermordet Großmutter

Momina Bibi, eine 67-jährige Großmutter und Hebamme, starb im pakistanischen Wasiristan durch einen Drohnenangriff, während sie im Garten arbeitete und während Präsident Obama behauptet, Drohnen zielten nur auf Terroristen

Von Rafiq ur Rehman

DronebamaLebend sah ich meine Mutter Momina Bibi zum letzten Mal am Abend vor dem Opferfest. Sie richtete die Kleidung meiner Kinder und zeigte ihnen, wie man „Sewaiyaan“, eine traditionelle Süßspeise aus Milch (und Reis) macht. Sie pflegte immer zu sagen: „Das Schönste am Opferfest ist die Freude der Kinder.“ Im letzten Jahr durfte sie diese Freude nicht mehr erleben. Am 24. Oktober 2012, dem ersten Tag des Opferfestes, wurde sie von einer US- Drohne, die Feuer auf sie herabregnen ließ, bei der Arbeit in ihrem Garten getötet.

Niemand konnte mir bisher erklären, warum meine Mutter an diesem Tag von einer Drohne ins Visier genommen wurde. Einige Medien berichteten, der Angriff habe einem Auto gegolten, aber am Haus meiner Mutter führt überhaupt keine Straße vorbei. Andere meldeten, ein Haus sei getroffen worden. Die Rakete schlug aber in einem nahe gelegenen Feld und nicht in ein Haus ein. In allen Berichten war von fünf getöteten Kämpfern die Rede. Es wurde aber nur eine Person getötet – eine 67-jährige Großmutter von neun Enkeln.

Meine drei Kinder – der 13-jährige Zubair, die 9-jährige Nabila und die 5-jährige Asma – spielten in der Nähe, als ihre Großmutter umgebracht wurde. Sie wurden alle drei verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Waren meine Mutter und meine Kinder die „Kämpfer“, die in den Pressemeldungen erwähnt wurden? Vielleicht waren es auch die Kinder meines Bruders? Die waren nämlich auch dabei. Sie waren damals 3, 7, 12, 14, 15 und 17 Jahre alt. Die vier Ältesten waren gerade aus der Schule gekommen, kurz bevor die Rakete explodierte.

Vielleicht wissen die Regierung und die Bürger der USA ja auch noch nicht, was uns passiert ist. Bisher hat nämlich noch niemand danach gefragt, wer an diesem Tag getötet und verletzt wurde – weder die Regierung der USA, noch meine eigene Regierung. Niemand ist gekommen, um Nachforschungen anzustellen, und bisher wurde auch noch niemand (für den Mord) verantwortlich gemacht. Dafür scheint sich überhaupt niemand zu interessieren. Aber ich will wissen, warum das geschehen ist, und meine Familie und die Menschen in meinem Dorf wollen das auch wissen. Wir wollen verstehen, warum eine 67-jährige Großmutter eine Bedrohung für einen der mächtigsten Staaten der Welt darstellte? Wir wollen verstehen, warum neun auf einem Feld spielende Kinder, von denen einige gerade aus der Schule gekommen waren, die Sicherheit von Menschen bedroht haben sollen, die auf einem anderen Kontinent leben, der zudem noch durch einen Ozean von unserem getrennt ist?

Vor allem wollen wir aber verstehen, warum Präsident Obama, wenn er gefragt wird, wen er mit Drohnen umbringen lässt, immer antwortet, nur Terroristen würden getötet. Meine Mutter war keine Terroristin. Meine Kinder sind auch keine Terroristen. In unserer ganzen Familie gibt es keinen einzigen Terroristen. Meine Mutter war Hebamme, die einzige Hebamme in unserem Dorf. Sie war bei der Geburt hunderter Babys in unserem Dorf dabei. Jetzt haben wir niemand mehr, der gebärenden Frauen helfen könnte. Und mein Vater? Er war Schulleiter, ist jetzt aber im Ruhestand. Sein ganzes Leben lang hat er Kinder unterrichtet, denn unsere Gesellschaft braucht Bildung viel dringender als Bomben. Bomben erzeugen nur Hass in den Herzen der Menschen. Und Hass und Wut gebären immer mehr Terrorismus. Bildung und Erziehung hingegen lassen ein Land gedeihen.

Auch ich bin Lehrer. An dem Tag, an dem meine Mutter getötet wurde, habe ich in der Grundschule unseres Dorfes unterrichtet. Als ich nach Hause kam, konnte ich mich nicht auf das Opferfest freuen, denn meine Kinder waren im Krankenhaus, und in einem Sarg lag, was von meiner Mutter übrig geblieben war. Seit dem Drohnen-Angriff hat sich unser Familienleben völlig verändert. Unser Haus hat sich in eine Hölle verwandelt. Die kleinen Kinder können nachts nicht mehr schlafen und schreien vor Angst, bis der Morgen dämmert. Einige Kinder mussten schon mehrmals operiert werden. Das kostet viel Geld, das wir nicht mehr haben, weil die Rakete auch unser Vieh getötet hat. Wir mussten uns Geld von Freunden borgen und können es nicht mehr zurückgeben. Mit dem Geld haben wir den Arzt bezahlt, der die Splitter entfernt hat, die seit dem Angriff der US-Drohne in den Körpern der Kinder steckten.

Drohnen-Opfer sind nicht mit den unschuldigen Zivilisten zu vergleichen, die bei Kampfhandlungen zufällig getötet werden. Bei Drohnen-Angriffen werden Menschen gezielt und absichtlich getötet. Die US-Regierung lässt Menschen umbringen, die nur auf einem Video zu sehen sind. Eine angegriffene Person hat nicht die geringste Chance, klarzustellen, dass sie kein Terrorist ist. Warum hat die US-Regierung meine Mutter umbringen lassen? Mehrere Abgeordnete des US-Kongresses haben mich nach Washington eingeladen, damit ich dem Kongress berichten kann, was ich erlebt habe. Ich hoffe, dass ich mit meiner
Geschichte der Regierung und den Bürgern der USA vermitteln kann, wie schädlich des Drohnen-Programm in Wirklichkeit ist, und wie sehr unschuldige Zivilisten darunter leiden. Ich möchte, dass die US-Bürger erfahren, was mit meiner Mutter geschehen ist. Und ich will eine Antwort auf eine einzige Frage:

Warum?

Quelle:

Mit freundlichem Dank an

Nachtrag – Zugegeben, der Titel erscheint zu Recht reißerisch. Aber es ist ein Fakt, dass eine alte Frau, die im Garten ihr Gemüse pflegt, nicht mit einem Terroristen verwechselt werden kann. Nicht einmal aus der Luft. Ebenso wenig wie Kinder, die im Garten spielen. Mr. Obama erzählt uns Bullshit. Und hilflose Zivilisten zu töten, ist keine Notwehr, sondern Mord. Es gibt ein Gesetz, dem zufolge die Person, die einen Mord in Auftrag gibt, ebenso schuldig ist, wie jene, die ihn ausführt. Beide sind daher gleich zu bestrafen.

Über denkbonus

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4 Antworten zu Obama ermordet Großmutter

  1. Einar Schlereth schreibt:

    Sag mal, war er nicht inzwischen vor dem Kongress, wo dann nur 5 Leute anwesend waren?

    • Josch schreibt:

      Mir ist da nichts bekannt, was mich nicht wundert. Auch die Befehlsverweigerung der US-Army Syrien anzugreifen, hat niemand an die große Glocke gehängt außer der Netzgemeinde.

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