Koreas große Sorge

Der Atomwaffentest Nordkoreas fast zeitgleich mit einem Satellitenstart war ein kluger Schachzug, denn er beweist klar, dass ein kleiner Staat außerhalb der NATO sehr wohl Atomwaffen haben kann, ohne Kriegsdrohungen wie jene gegen den friedlichen Iran fürchten zu müssen

Korea

antikoreanische Propaganda

Wie jetzt? Nordkorea erprobt zum wiederholten mal eine Atomwaffe und bekommt lediglich ein ‚pfui, pfui, pfui‘ zu hören. Der Iran hingegen wird mit Sanktionen und Kriegsdrohungen geradezu überzogen, obwohl alle 16 Geheimdienste der USA einstimmig bezeugen konnten, dass es dort Kernwaffen weder gibt noch geben wird. Damit wird Israel und den USA vor der Weltöffentlichkeit der Stempel der Verschwörungstheorie aufgedrückt. Dem nordkoreanischen Staatsführer Kim Jong Un wird dies womöglich ein leichtes Schmunzeln abgerungen haben, er hat jedoch weitaus bedeutsamere Gründe, die atomare Bewaffnung seines Landes fortzuführen. Die westliche Kritik an dem Test konterte der nordkoreanische Regierungssprecher ebenso trocken wie treffend. Nordkorea, so der Sprecher, seien damals erhebliche Vorteile versprochen worden, wenn es sein Atomwaffenprogramm einstelle. Auch Libyen seien damals enorme Vorteile zugesichert worden, wenn es auf weitere Atomwaffenforschung verzichte, was Gaddafi dann auch tat. Nordkorea habe aus den ‚Vorteilen‘ Libyens gelernt.

KoreakriegDie koreanische Nachrichtenagentur KNCA hierzu wörtlich: „Nichtangriffsversprechen von NATO-Staaten sind wertlos und Denuklearisierung führt dazu, von NATO-Staaten mit Angriffskrieg überzogen zu werden.“ Mit Angriffskriegen haben die Nordkoreaner bereits leidvolle Erfahrungen gemacht. 1951 marschierten die USA gemeinsam mit 25 weiteren Nationen auf der südkoreanischen Halbinsel ein. Zugleich besetzten sowjetische Truppen damals den nördlichen Teil des Landes, um den USA einen Strich durch die Rechnung zu machen. Um eine nukleare Auseinandersetzung zu vermeiden, einigten die USA und die UDSSR sich darauf, das Land entlang des 38. Breitengrades zu teilen und sich anschließend mit ihren Truppen wieder zurückzuziehen. Stalin hielt Wort und holte seine Truppen später heim. Die USA scherten sich, wer hätte das gedacht, keinen Deut um ihr Versprechen und unter Präsident Eisenhower nahm der Koreakrieg seinen Verlauf. 1959 war die Sache dann zugunsten Nordkoreas entschieden. Die USA mussten sich davonschleichen wie geprügelte Hunde. Dies war die erste militärische Niederlage in der Geschichte der USA, weitere sollten folgen. In Südkorea hingegen sind seither 28 000 US- Soldaten stationiert und missbrauchen das Land als Brückenkopf gegen Nordkorea und China.

Von diesem Zeitpunkt an ist Nordkorea verstärkt auf Sicherheit bedacht und traut dem Westen nicht über den Weg. Dennoch hat das Land, im Gegensatz zu Israel, seinerzeit den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Pjönjang will Frieden – und bekommt ihn einfach nicht. Seit 60 Jahren drängt Nordkorea die USA, doch endlich einen Friedenvertrag zwischen beiden Ländern zu unterzeichnen und so den formal immer noch andauernden Koreakrieg zu beenden. Doch Washington weigerte sich bisher beharrlich und reagierte stattdessen mit einer Sanktion nach der nächsten. Obwohl diese nur der Bevölkerung Nordkoreas schaden, nicht jedoch der Regierung. Das zynische Kalkül dahinter zielt darauf ab, in dem Land Hungeraufstände zu provozieren um dann mithilfe ‚humanitärer Korridore‘ das Land erneut zu besetzen.

Während der letzten Monate der Regierungsperiode Bill Clintons zwischen den Jahren 1999 und 2000 sah es einen Moment lang so aus, als rücke eine Entspannung zwischen den USA und Nordkorea in greifbare Nähe. Madeleine Albright besuchte als damalige US- Außenministerin Pjönjang, im Gepäck eine Friedenstaube. Es wurden konkrete Verbesserungen der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea in Aussicht gestellt. Nachdem Albright wieder in die USA zurückgekehrt war, stellte Nordkorea tatsächlich sein Atomwaffenprogramm ein. Schließlich leiden zehntausende nord- und südkoreanischer Familien unter der Trennung des Landes und wünschen sich nichts sehnlicher als eine Wiedervereinigung.

Doch dann kam George Doubleshoe Bush und erklärte Nordkorea gemeinsam mit dem Iran und dem Irak zur Achse des Bösen. Als Bush dann auch noch in den Irak einmarschierte, begann Nordkorea nachdenklich zu werden. Die Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) wurden des Landes verwiesen und seither basteln nordkoreanische Ingeneure verstärkt an der einzigen Sicherheitsgarantie, die dem Land angesichts eines immer agressiveren Westens bleibt. Dabei weiß Nordkorea seinen chinesischen Nachbarn hinter sich. Peking hatte den letzten Test zwar offiziell scharf verurteilt, hinter verschlossenen Türen hingegen dürften beiderseits der Grenze die Sektkorken geknallt haben.

Das Reich des Bösen

Dass Nordkorea nach wie vor eines der erklärten Angriffsziele der USA ist, geht einerseits aus der erklärten Weigerung der US- Präsidenten hervor, mit dem Land Frieden zu schließen. Zum anderen lässt es sich aus der zunehmenden Dämonisierung des Landes durch die westliche Propagandapresse herauslesen. Merke: Erst schlecht machen, dann bombardieren. Dies war so im Falle des Saddam Hussein, des Slobodan Milošević, des Muammar Al Gaddafi und jetzt des syrischen Präsidenten Assad. Im Falle Nordkoreas wird daher ein Bild gezeichnet von einem Land, randvoll mit Straflagern, weitverbreitetem Hunger und sogar Kanibalismus als dessen Folge. Die Knochen all der abgenagten Koreaner können nicht über das tatsächliche Bild hinweg täuschen. Nordkorea will Frieden, die USA hingegen nicht. Nordkorea will Kontakt zum Rest der Welt, die USA wollen dies verhindern. Die nordkoreanische Bevölkerung ist gebildet und genießt eine hohe Lebenserwartung, die USA wollen dies offenbar ändern. Daher die erneuten Sanktionen gegen das Land als Reaktion auf dessen letzten Satellitenstart.

Am selben Tag, an dem Nordkorea seine Rakete startete, unternahm Indien einen Atomwaffentest. Nordkorea hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, Indien nicht. Dennoch bekam Nordkorea Sanktionen auferlegt, Indien hingegen nicht. Die Stoßrichtung der USA ist offenkundig und nicht länger zu verbergen. Die USA wollen die nordkoreanische Führung stürzen und Nordkorea in einen Marionettenstaat wie Südkorea verwandeln. Auf diesem Wege wollen sie einen Proxystaat in einer strategisch wichtigen Region an der Grenze zu China installieren. Denn die USA betrachten China grundsätzlich als strategischen Gegner. Die Absicht, die sich dahinter verbirgt, ist ebenfalls offenkundig. Die USA wollen gemeinsam mit dem Restwesten all die vielen aufstrebenden Schwellenländer in einen halbkolonialen Zustand zurückstoßen, um einerseits deren Konkurrenzfähigkeit zu zerstören und um andererseits deren Ressourcen ausbeuten zu können, wann immer es ihnen beliebt. Ressourcen, die bestimmt sind für die Wall Street, für London und für Paris.

Um Nordkorea bereits darauf einzustimmen und zu verunsichern, halten die USA gemeinsam mit Südkorea riesige Militärmanöver vor der Küste Nordkoreas ab. Ziel des Szenarios ist stets die Eroberung Nordkoreas. Man stelle sich vor, wie die USA reagieren würden, hielte Nordkorea gemeinsam mit China ein Militärmanöver vor der Küste der USA ab mit dem Szenario einer Eroberung von Long Island. Die Senatoren und der Kongress würden vor Empörung hyperventilieren, so wie auch nach dem letzten koreanischen Atomwaffentest. Sollen sie doch, sie werden schon eine Papiertüte finden.

Quellennachweis und weiterführende Links:

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3 Antworten zu Koreas große Sorge

  1. Einar Schlereth schreibt:

    Prima, Josh. Den Nagel auf den Kopf getroffen.

  2. Jörg schreibt:

    Ein glänzender Artikel!

  3. Gerhard Pöpl schreibt:

    http://identitaerevolution.wordpress.com/2012/11/22/nordkorea/#comments

    Hier ein anderer Blick auf dieses Land. Die Meitsten kennen es, wie ich auch, nur aus der Zionistenkiste.

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