Sprengstoff für den Frieden

Die heutige Vergabe des Friedensnobelpreises ausgerechnet an die EU ist an Zynismus nicht zu überbieten und widerläuft diametral den einstigen Beweggründen des Stifters Alfred Nobel

NitroglycerinWenn es etwas gab, womit sich Alfred Nobel auskannte, dann war es Sprengstoff. Sein kleines Werk in Gesthacht bei Hamburg befand sich genau dort, wo heute das AKW Krümmel steht. Dort experimentierte der in Stockholm geborene Chemiker mit einer der gefährlichsten Mischungen überhaupt, mit Nitroglycerin. Benötigt wurde dieser Flüssigsprengstoff vor allem für den Berg- und Straßenbau. Allerdings genügten oftmals kleinste Erschütterungen, um das Gemisch zur Explosion zu bringen. Einmal war sein Werk bereits in die Luft geflogen. Damals, im Jahre 1866, war neben mehreren Mitarbeitern auch der Werksleiter ums Leben gekommen. Das ganze Dorf protestierte damals gegen eine Neuerrichtung der Sprengstofffabrik, ohne Erfolg. Nobel forschte weiter und fand tatsächlich eine Lösung, um das höchst instabile Nitroglycerin sicher zu verpacken und zu transportieren. Eine Algenart namens Kieselgur erwies sich als geeignet, den Sprengstoff so aufzunehemen, dass eine Explosion in Folge einer bloßen Erschütterung unmöglich wurde.


Als Nobel im Jahre 1896 in San Remo starb, hinterließ er ein Millionen schweres Vermögen. In seinem Testament legte er fest, dass sein Nachlass in Höhe von mehr als 31 Millionen schwedischer Kronen in eine Stiftung eingehen sollten. Die jährlich anfallenden Zinsen der heute ca. 1,3 Milliarden Kronen schweren Stiftung werden seither jedes Jahr als Preis ausgelobt für Menschen, die der Menschheit großen Nutzen bringen. In Forschung und Wissenschaft einerseits, jedoch auch im Engagement zur Erhaltung des Friedens auf der Welt. Dass ausgerechnet ein kriegerischer, waffenstarrender und Waffen in alle diktatorischen Regionen der Welt verkaufender Kontinent nun zur Friedenstaube des Jahres 2012 gekürt werden soll, tritt den Willen des Erblasser mit Füßen und beleidigt die gesamte aufgeklärte Menschheit zutiefst. Um dies festzustellen genügt ein einziger Blick auf den genauen Wortlaut seines Testamentes.

Ich, Alfred Bernhard Nobel, erkläre hiermit nach reifer Überlegung meinen Willen bezüglich meines Eigentums, das ich nach meinem Tod hinterlassen kann, wie folgt:

Mit meinem verbleibenden realisierbaren Vermögen soll auf folgende Weise verfahren werden: das Kapital, das von den Nachlassverwaltern in sichere Wertpapiere realisiert wurde, soll einen Fond bilden, dessen Zinsen jährlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben. Die Zinsen werden in fünf gleiche Teile aufgeteilt: ein Teil an denjenigen, der auf dem Gebiet der Physik die bedeutendste Entdeckung oder Erfindung gemacht hat; ein Teil an denjenigen, der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat; ein Teil an denjenigen, der die wichtigste Entdeckung in der Domäne der Physiologie oder Medizin gemacht hat; ein Teil an denjenigen, der in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat; und ein Teil an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat. Der Preis für Physik und Chemie wird von der schwedischen Wissenschaftsakademie vergeben; für physiologische oder medizinische Arbeiten vom Carolinska-Institut in Stockholm; für Literatur von der Akademie in Stockholm sowie für Friedensverfechter von einem Ausschuss von fünf Personen, die vom norwegischen Storting gewählt werden. Es ist mein ausdrücklicher Wille, dass bei der Preisverteilung die Zuteilung nicht an irgendeiner Nationalität festgemacht wird, so dass der Würdigste den Preis erhält, ob er Skandinavier sei oder nicht.


Paris, den 27. November 1895 gez. Alfred Bernhard Nobel

Über denkbonus

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