Eindrücke von der Castor- Front

Mir ist heute danach, ein wenig zu sticheln. Gestern noch habe ich im Dunkeln eine gute Stunde hinter einem Busch gelegen, etwa 30 Meter entfernt von 2 Cops, die darauf gewartet haben, dass ich aus meinem Versteck herauskomme, ohne jedoch zu wissen, wo ich mich befinde. Aber wer sich des Nachts mit seinem Kollegen unterhält und hirnlos mit seiner Taschenlampe auf dem Acker herumfunzelt, der geht eben leer aus.

Nach etwa 30 Minuten waren die Schlauberger wieder weg. Kein Wunder, bei dem Gehalt. Da alles abgesperrt war, hatte ich eine ziemliche Strecke zu laufen, um wieder ins Zentrum des Geschehens zu gelangen. Vor meinen Augen wurden Personen etwa 500 Meter vom Gleis entfernt festgenommen, in Dahlem lagen die Verletzten unversorgt im Wald herum, Personen mit Beinverletzungen mussten sich mühsam in Sicherheit schleppen, während sie per Haftbefehl gesucht wurden, Gott sei Dank hatten sie Glück und trafen auf einen hilfsbereiten Altachtundsechziger, der sie durch die Polizeilinien schmuggelte. Das war alles einfach eine Riesenscheiße und ich frage all die Beamten des Innenministeriums, die Generalstaatsanwälte, die leitenden und die ausführenden Staatsanwälte, die Leitenden Polizeibeamten, und die bedauernswerten Actioncops am Ende der Befehlskette, die stellenweise im Castor mitzufahren gezwungen sind und deren Kinder möglicherweise pränatal geschädigt das Licht der Welt erblicken werden:

„Was soll die Scheiße???“ Mann, wenn Sie so wild auf Atommüll sind, dann lagern Sie diesen doch gefälligst in Ihrem eigenen Keller. Was Sie da tun, ausführen, anordnen und durchsetzen, ist von Jahrtausende währender Schädlichkeit für alle, auch für Sie. Oder dachten Sie etwa, dass Sie und Ihre Sippe bei einem Wechsel der Brennstäbe nichts abbekommen. Durch den Superhypermegagau in Fukushima, der noch lange nicht zu Ende ist und bei dem derzeit drei offene und ungehinderte Kernschmelzen vonstatten gehen, ist auch in Europa die Ortsdosisleistungen um 0,03 bis 0,12 mSv/h angestiegen. Stellenweise wird in Deutschland seit Fukushima die zugelassene, jährliche Ortsdosisleistung deutlich überschritten. Während die radioaktive Wolke über uns hinweg zog, im Süddeutschen Raum (Bad Waldsee) sogar um mehr als das Doppelte. Seitdem war die Radioaktivität etwas abgeklungen, etwa auf den eineinhalbfachen Grenzwert. Natürlich wird das alles totgeschwiegen, stattdessen setzten Sie mir jetzt diesen Castor vor die Tür. 120 Tonnen hochradioaktiver Müll.

Herr Minister, Regierungsrat oder wer auch immer Sie sind im Bundesministerium oder dem Niedersächischen Landesministerium, Sie sind entweder naiv oder korrupt, eine andere Möglichkeit vermag ich nicht mehr zu erkennen. Dass Sie in Ihrer hochgestellten Position keine andere Möglichkeit zu erkennen vermögen, um unser Bevölkerung vor dem sicheren Untergang zu bewahren, kaufe ich Ihnen nicht ab, das können Sie selbst schlürfen. Gewisse Menschen verdienen daran eine Menge Geld und Sie zählen ebenfalls dazu. Leider erkennen Sie nicht die Dimension dessen, was Sie da anrichten, denn Sie sind genauso gehirngewaschen, wie der kümmerliche Rest der Menschen in diesem Land. Auch Sie befolgen nur Ihre Befehle, weil Sie nicht anders können. Wir das Volk, die ‚Proletarier‘ leiden unter Ihnen. Sterben tun wir dafür gemeinsam.“

Die Castortransporte, so unglaublich es klingen mag, haben tatsächlich auch etwas Gutes bewirkt. Die Solidarität zwischen den Menschen ist beispielhaft. Alle sind gute versorgt. Mit kostenlosem Essen, kostenlosen Decken und unzähligen Mitfahrgelegenheiten. Auch die medizinische Versorgung steht wie eine Eins. Eigentlich bräuchten wir jeden Tag solch einen Transport, dies würde den solidarischen Widerstand im Land in ungeahntem Maße kultivieren. Wenn ein ganze Landstrich sich bereits kreativ und voller Erfolg gegen Behördenwillkür zur Wehr setzt und eine Menge Spaß dabei hat, wie wäre es erst, wenn das gesamte Land mitzieht?

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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4 Antworten zu Eindrücke von der Castor- Front

  1. lichtlaeufer schreibt:

    Hallo Verfasser
    Ich finde den Artikel gut – passt in das aktuelle Weltgeschehen.
    Das Bild „Fische“ würde ich gerne die Freigabe vom Copyright erhalten. Ansonsten Bitte um Kontakt zum Urheber. Bitte Antworten dazu senden an: Lichtläufer@gmx.ch
    Herzlichen Dank
    Lichtläufer

  2. Thomas schreibt:

    Eigentlich bräuchten wir jeden Tag solch einen Transport, dies würde den solidarischen Widerstand im Land in ungeahntem Maße kultivieren. Wenn ein ganze Landstrich sich bereits kreativ und voller Erfolg gegen Behördenwillkür zur Wehr setzt und eine Menge Spaß dabei hat, wie wäre es erst, wenn das gesamte Land mitzieht?

    Beim Castor gelingt das komischerweise seit Jahren, bei den Arbeitslosen, ALG II Empfängern, bei den Rentnern und den Ärmsten in der Republik fehlt dafür jedes Verständnis einmal auf die Straße zu gehen. Sehr merkwürdig das ganze eigentlich scheinheilige Spiel.

    Menschen können zu tausenden auf die Strasse gehen, wegen Atommüll, Atommüll der hier ins Endlager kommt. Sicher ist, dass es für niemanden, auch für mich nicht witzig ist hier in der BRD auf atomaren Müll zu sitzen, aber was ändert es an der Endlagerung. Nichts. Jedes Jahr das gleiche Spiel, jedes Jahr der gleiche Wahnsinn. Und der Wahnsinn beginnt damit das Atomare Katastrophen soweit führen, dass die Menschen blindlings allem vertrauen, dass GEGEN Atomenergie ist. Wir haben es erlebt mit Fukushima. Auf einem Mal kommen die „B90 / Grünen“ mit einem Wahlrekord an die Macht. Was sind denn diese „B90 / Grünen“, nichts mehr wert als die anderen Parteien auch. Mit Atom, Atomenergie und Endlagerung lässt sich also gut Geschäft machen und Stimmenvieh sammeln. Wer hinter andere Organisationen schaut wird auch dort bemerken, das diese nichts besser sind.

    Ich habe leider mittlerweile so das Gefühl, dass sich die Demos gegen den Castor-Transport zu einer Olympiade entwickeln. Wer ist besser, wir oder die Staatsmacht. Die Staatsmacht in diesem Fall die vollziehende Gewalt durch die Bundespolizei. Ich habe ebenfalls das Gefühl, dass es garnicht mehr um die Endlagerung geht, sondern das es darum geht, diesen Transport so weit es geht nur zu stören. Getoppt wurde es ja in diesem Jahr laut Aussage des Castortickers.

    Es war nun wieder einmal nicht der erste Transport und wird sicherlich auch nicht der letzte sein. Und immer wieder stellt man sich dagegen. Und ich frage mich hier immer wieder wem nutzt das ganze, wer hat seinen Vorteil davon. Einer …. und das ist der Staat bzw. die Menschen, die entscheiden das diese Transporte weiter laufen. Es sind Menschen die in allen Dingen über uns entscheiden und bestimmen und das ganze notfalls mit der vollziehenden Gewalt des Machtmonopols durchsetzen werden. Es geht auch hier nur um Geld….

    Anstatt sich die Bevölkerung langsam einmal zusammen schließt um gegen eine schleichende Diktatur zu kämpfen, gegen die Verarmung und gegen Niedriglöhne, Zeitarbeit, sozialen Schieflagen, Ausbeutung durch den Staat, dann zeigt man sich eher solidarisch gegen den Castor Transport. Da geht es…. da schaffen es tausende sich zusammen zu tun. Es fehlt halt den Ärmsten der Armen an der richtigen Lobby, so sieht es aus.

    • The Yardfather schreibt:

      Wenn das gemeine Volk, die „Armen“, die Wähler – oder wie Du sie auch immer nennen möchtest – eine Lobby hätten, würde diese früher oder später korrumpiert werden – oder umgebracht! Deshalb gibt es seit Menschen Gedenken einen ungleichen Kampf die ausführende Macht wenigstens ETWAS in ihre Schranken zu weisen. Aber durch die Masse bzw. „die 99%“ ist er vielleicht gar nicht so ungleich!? Vielleicht ist genau DAS der normale Lauf der Geschichte? Ich denke nämlich dass unsere entscheidungstragenden Gesellschaftsgestalter vor der Straße große Angst haben und sich über ihre Macht sehr wohl bewusst sind! In ihrer Angst sind sie ständig damit beschäftigt uns abzulenken, gegeneinander aufzuwiegeln, zu zerstreuen, zu belügen und zu beruhigen. Kriegsentscheidend sind nun mal leider ihre langfristigen Maßnahmen: Werbung, Entertainment, Sportveranstaltungen, TV, der ganze Dreck eben… Und genau deshalb ist es so unheimlich wichtig, sich weiterhin gegen Castoren, undurchsichtige Baupläne, Datenerfassungen und Nahrungsmittelmanipulationen jeglicher Art zu wehren – so sinnlos es manchmal auch auf den ersten Blick aussehen mag! Es geht um das Movement, um das Bewußtsein und nicht um kurzfristige Erfolge! Es geht nur darum den Schleifungsprozess so lange wie möglich entgegenzuwirken oder ihn eines Tages viell. sogar zu verändern um nicht zu sagen zu stoppen. (Letzteres wird meiner Meinung nach nie eintreten ohne eine grundlegendes Bewußtseinsveränderung)

      vg

  3. Platon schreibt:

    Dass Menschen in einer solchen Situation solidarischer werden, das ist in der Tat eine schöne Nebenwirkung dieses Kampfes. Dass aber leider erst ein erheblicher gemeinsamer Leidensdruck entstehen muss, damit es dazu kommt, das ist auf der anderen Seite aber auch ein untrügliches Zeichen dafür, wie entfremdet wir voneinander inzwischen schon tatsächlich geworden sind.

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