Amerika, würdest du bitte aufwachen!

Quelle: tlaxcala-int.org

Im folgenden Exklusiv-Interview spricht der bedeutende Autor/Rechercheur Peter Dale Scott (“American War Machine”) über: den militärisch-industriellen Komplex in den Vereinigten Staaten; Ressourcenkriege, offene Fragen im Zusammenhang mit den 9/11-Anschlägen; Continuity of Government / die Suspendierung der US-Verfassung, und ein Geschäft, das die drittgrößte globale Ware nach  Öl und Waffen darstellt: Drogen.

Peter Dale Scott, einer der scharfsinnigsten und provokantesten Denker unserer Zeit, ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat und Professor für Englisch an der University of California, Berkeley. Der Sohn des bekannten kanadischen Dichters und Verfassungsrechtlers F.R. Scott und der Malerin Marian Dale Scott, der in Montreal, Kanada am 11. Januar 1929 geboren wurde, zog im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Menge Aufmerksamkeit für seine politisch-historischen Schriften an.

Scott studierte an der McGill University, Montreal und am University College, Oxford. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Die sozialen und politischen Ideen von T.S. Eliot”. Er unterrichtete zunächst an der Sedbergh School und an der McGill University. Danach trat er in dem kanadischen Department of External Affairs (1957-1961) und der kanadischen Botschaft in Warschau, Polen (1959-1961) bei. Ins akademische Leben zurückkehrend, lehrte Peter Dale Scott 30 Jahre lang an der University of California, ehe er 1994 emeritierte.

Seine Prosa-Bücher umfassen u. a.:

  • The War Conspiracy (1972)
  • The Assassinations: Dallas and Beyond (in Zusammenarbeit, 1976)
  • Crime and Cover-Up: The CIA, the Mafia, and the Dallas-Watergate Connection (1977)
  • Einleitung zu Henrik Krugers The Great Heroin Coup: Drugs, Intelligence, & International Fascism (1980)
  • The Iran-Contra Connection (in Zusammenarbeit, 1987)
  • Cocaine Politics: Drugs, Armies, and the CIA in Central America (in Zusammenarbeit, 1991, 1998)
  • Deep Politics and the Death of JFK (1993, 1996)
  • Deep Politics Two: Essays on Oswald, Mexico, and Cuba (1995, 2007)
  • Drugs, Oil and War (2003)
  • The Road to 9/11: Wealth, Empire and the Future of America (September 2007)
  • The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War (2008 Neuauflage und Erweiterung der Ausgabe von 1972)
  • American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan (2010)

Seine wichtigsten Gedichtbände sind die drei Bände der Trilogie “Seculum:

  • Coming to Jakarta: A Poem About Terror (1989)
  • Listening to the Candle: A Poem on Impulse (1992)
  • Minding the Darkness: A Poem for the Year 2000 (2000)

Zusätzlich hierzu veröffentlichte er:

  • Crossing Borders: Selected Shorter Poems (1994)
  • Mosaic Orpheus (2009)

In seinen Prosa-Büchern ist Scott besonders daran interessiert, die so genannte “Tiefenpolitik“/ “Deep Politics” zu untersuchen. Er definiert “Deep Politics” auf diese Weise: “All jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrängt, anstatt anerkannt werden.“

Scotts eigene Website findet sich unter: www.peterdalescott.net.

Das nachfolgende Interview ist in Auszügen Teil des Buches “Mordanschlag 9/11. Eine kriminalistische Recherche zu Finanzen, Energie und Drogen“, das demnächst im Schild Verlag erscheint.

Professor Scott, um unser Interview zu beginnen und es sogleich in einem finanz-ökonomischen Kriegsführungszusammenhang einzurahmen, möchte ich den Anfang eines Artikels von einem ehemaligen Kollegen von Ihnen, dem verstorbenen Chalmers Johnson, zitieren, der 2008 in einer Analyse für “Le Monde diplomatique” mit dem Titel “Die wirtschaftliche Katastrophe, die der militärische Keynesianismus ist. Warum die USA wirklich pleite gegangen sind” das Folgende schrieb:

„Das globale Vertrauen in die US-Wirtschaft hat den Nullwert erreicht, wie im letzten Monat durch die Kernschmelze des Aktienmarkts bewiesen wurde. Aber es gibt eine enorme Anomalie in der US-Wirtschaft weit über die Subprime-Krise, die Immobilienblase und die Aussicht auf eine Rezession hinaus: 60 Jahre der Fehlallokation von Ressourcen und Kreditbeanspruchungen für die Errichtung und Erhaltung eines militärisch-industriellen Komplexes als Grundlage des wirtschaftlichen Lebens der Nation.”

(i)

Wie ist es im Rückblick gekommen, dass der militärisch-industrielle Komplex so wichtig für das amerikanische Wirtschaftssystem geworden ist? Es scheint, als ob das Profitieren vom Krieg im Laufe der Jahrzehnte zur Karriere der Wahl am Beltway mutierte, oder irre ich mich?

Ich denke, zwei der verblüffendsten Phänomene der letzten seltsamen vier Jahrzehnte in der amerikanischen Geschichte sind auf der einen Seite, dass der militärisch-industrielle Komplex, vor dem Eisenhower warnte, (ii) trotz der Warnung und statt zu schrumpfen an Macht gewonnen hat und Amerika zu mehr und mehr puren Präventivkriegen führte, was wirklich etwas ziemlich Neues für Amerika ist, und zur gleichen Zeit scheint es kein öffentliche Bewusstsein darüber zu geben. Wir hatten gerade diese Tea Party-Revolte, die eine ganze Menge von Politikern einer neuen Art nach Washington geschickt hat, und alles, worüber sie nachdenken können, sind Budgetkürzungen, aber nur sehr, sehr wenige von ihnen werden über das Kürzen der selbstverständlichsten Sache von allen, die zu kürzen sind, sprechen – das ist der Verteidigungshaushalt.

Jetzt meine Erklärung dafür. Manche Menschen führen dies bis zum Tod von Kennedy im Jahre 1963 zurück, und ich glaube schon, dass das relevant ist, aber ich denke, der große Augenblick der Entscheidung für Amerika war am Ende des Vietnam-Krieges. Denn Amerika war ausgerichtet und hatte seine Wirtschaft militarisiert, um in Vietnam zu kämpfen – nicht in der gleichen Größenordnung wie im Zweiten Weltkrieg, aber es war ein vergleichbares Phänomen, und die Frage ist, was man mit dieser sehr stark militarisierten Wirtschaft zu tun gedenkt? Carter legte in seiner Wahl-Kampagne im Jahr 1976 an und für sich eine Vision für ein Nachkriegs-Amerika vor, in der es auf den Handel mit der Welt und besonders mit der Dritten Welt baute, und tatsächlich versprach er, den Verteidigungshaushalt zu kürzen, jedoch geschah in seiner kurzen und eher unglücklichen Präsidentschaft das Gegenteil: Statt den Verteidigungshaushalt zu kürzen, wurden Vorkehrungen getroffen, um die Verteidigungsausgaben drastisch zu erhöhen. Diese sind im Volksmund als die Reagan-Budgeterhöhungen bekannt, aber in Wirklichkeit wurden sie unter Carter geplant.

Wie konnte das passieren? In zwei meiner Bücher, vor allem aber in The Road to 9/11, weise ich darauf hin, dass es eine große Debatte unter Washingtons Eliten auf der höchsten Ebene gab, darunter einige sehr reiche Leute, wie die US-Wirtschaft in der Zukunft auszurichten sei, und bis dahin wurden diese Art von Dinge im Council on Foreign Relations in New York diskutiert, einer elitären Gruppe, die stark zu Gunsten des Nord-Ostens eingenommen war, aber Leute aus ganz Amerika umfasste, einschließlich Gewerkschaftsführer. Ihr Konsens war, dass Amerika die Kapazitäten zum Handel aufbauen sollte, da Amerikas Stärke traditionell nach dem Zweiten Weltkrieg in seiner vollständigen Beherrschung des internationalen Handels bestand, und das Denken in diesem traditionellen Führungsorgan war, dass man zurückgehen sollte, um diese Art von Rolle zu spielen. Aber es gab eine Minderheit, Paul Nitze und ein paar andere Leute, die sagten: Nein, der Schlüssel von Amerikas Stärke muss die Aufrechterhaltung des militärischen Establishments sein, das es jetzt hat, und tatsächlich die Stärkung und vor allem die deutliche Dominanz über die Sowjetunion. Viel davon wurde durch das erreicht, was ich „Tiefenpolitik“ nenne – durch Manöver hinter den Kulissen, von denen wir manchmal erst später erfuhren. Ein entscheidendes Ereignis war eine Reihe von Entlassungen unter Gerald Ford im Jahr 1975, das sogenannte “Halloween-Massaker”. (iii)

Der Teil, auf den ich mich hier konzentrieren möchte, ist, dass wir einen neuen Chef der CIA hatten, George H. W. Bush, das war seine erste wirklich wichtige politische Stellung, und in dieser Funktion brachte er im Wesentlichen ein Team von Außenstehenden hinzu (“Team B”), um die Einsschätzung der CIA über die militärischen Kapazitäten der Sowjets zu verwerfen, um die Einschätzung der militärischen Bedrohung der Sowjets radikal zu erhöhen. All dies geschah nicht mit guten Beweisen, sondern aus politischen Gründen. Das Ergebnis davon war, dass Amerika sein riesiges militärisches Establishment weiterhin vergrößerte. Das ist die Kontinuität, die ich bis zum Vietnam-Krieg zurückreichend sehe: ein Militärhaushalt, der zurückgefahren hätte werden sollen, aber nicht wurde, und der sich jetzt durch sich selbst fortpflanzt. Er schafft sich nunmehr praktisch seine eigenen Feinde in Gruppen wie al-Qaida und so weiter, und natürlich, wenn wir amerikanische Stützpunkte in den Irak und Afghanistan hinsetzen und Drohnen in den Jemen und nach Somalia senden, ist das absolut vorhersehbare Ergebnis eine beliebige Anzahl von Menschen, die das ablehnen und die kämpfen, und somit schafft sich die Kriegsmaschinerie jetzt seine eigenen Feinde selbst.

Und Amerika hat sich deutlich verändert. Den militärisch-industriellen Komplex gab es seit dem Zweiten Weltkrieg, aber er war in keiner beherrschenden Position, würde ich sagen, bis zur zweiten Hälfte der 1970er Jahre, und er triumphierte vor allem mit der Wahl der Reagan-Regierung im Jahr 1980. Und er führte ebenso eine neue Art der politischen Führung für Amerika ein, die auf diesen militärisch-industriellen Komplex hin ausgerichtet ist. (iv)

Warum sind die Kriege der USA zunehmend mit Öl verbunden?

Ich würde sagen, dass jeder Krieg, den Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, beginnend mit Korea, ein Krieg um die natürlichen Ressourcen im Ausland war. Es ist Nelson Rockefeller gewesen, der einen Bericht in den frühen 1950er Jahren verfasste und sagte, dass Amerika eine Wirtschaft besäße, die absolut abhängig von natürlichen Ressourcen im Ausland sei – Öl ist ein sehr wichtiges Beispiel, aber nicht das einzige. In jenen Tagen hing Amerika von Naturkautschuk aus Südostasien ab, wo es Mineralien wie Wolfram und Zinn gab, die absolut notwendig für die Rüstungsindustrie waren, jedoch nicht in großen Mengen innerhalb der Vereinigten Staaten verfügbar sind. Ich glaube, die Leute nicht verstehen nicht, in welchem Umfang der Vietnam-Krieg um natürliche Ressourcen und um Öl geführt wurde. Die Leute sagen für gewöhnlich: Aber es gibt nicht viel Öl in Vietnam. Das war nicht der Punkt, es gab sehr viel Öl (und sie wussten es) jenseits der Küsten im Südchinesischen Meer und allen Gewässern zwischen Indonesien, Malaysia, Kambodscha und auch Vietnam. Die Off-Shore-Ressourcen werden nun von Mobil entwickelt. Mobil Oil war der amerikanische Ölkonzern mit den geringsten Ressourcen – es hatte eine gute Vertriebsorganisation, aber es war nicht so reich an Ölreserven wie die anderen großen Ölkonzerne ausgestattet, und es war ein Haupt-Lobbyist für den Krieg in Vietnam. Nach Kriegsende mussten die USA in Vietnam verlassen, aber Mobil hat immer noch die Verträge mit der neuen Nachkriegs-Regierung von Vietnam für Offshore-Öl-Entwicklungen unterzeichnet.

Um diese Zeit herum, wie man hätte vorhersehen können, hörte Amerika auf, ein Netto-Exporteur von Öl zu sein, und wurde zu einem Nettoimporteur von Öl – und natürlich ist das jetzt eine der Hauptquellen für unsere Zahlungsbilanzprobleme in diesem Land: dass wir so stark abhängig sind vom Öl aus dem Ausland. Amerika weiß, so lange es die gegenwärtige Art der politischen Ökonomie in diesem Land beibehält, dass diese politische Ökonomie nicht nur vom Zugang nach Öl im Ausland abhängt, es ist viel mehr als das. Es hängt davon ab, die gesamte weltweite Öl- und Gaswirtschaft so weit wie möglich zu kontrollieren, weil der amerikanische Dollar jetzt natürlich in einer sehr exponierten Lage wegen der enormen Defizite ist, die Amerika auf seinen Handelsbilanzen unterhält, und das wird durch eine künstliche Verteidigung des Dollars ausgeglichen, die durch die OPEC gemacht wird. Amerika handelte einen Deal mit Saudi-Arabien in späten 1970er Jahren aus, um sicherzustellen, dass sämtliches OPEC-Öl-Käufe in US-Dollar lauten sollten. Dies bedeutet, dass die Länder auf der ganzen Welt, die selber über kein Öl verfügen, sich US-Dollar kaufen müssen, um für ihr Öl bezahlen zu können.

Sicherlich war Irak sehr augenfällig ein Krieg ums Öl (v) – Irak hat womöglich die größten unbewiesenen Ölreserven, die noch für die Entwicklung offen sind. Bei Afghanistan ging es um viele Dinge, aber es gab auch einen Öl/Gas-Aspekt, nicht so sehr wegen der Ressourcen innerhalb Afghanistans, sondern weil amerikanische Ölfirmen bereits Geschäfte für Pipelines verhandelten, um Öl und Gas, insbesondere Erdgas, aus dem Kaspischen Becken und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion runter nach Pakistan, und wie sie hofften, nach Indien zu exportieren. Diese Pipelines waren sehr wichtig für alle großen amerikanischen Ölkonzerne, die sehr viel Geld in Kasachstan und Turkmenistan investiert hatten, und sie waren in einer Situation, wo sie das Öl- und Gas entwickelten und es kontrollierten, aber die einzigen Wege, um es von dort rauszubekommen, gingen durch Russland, und Russland war in der Lage, recht hohe Gebühren auf die Pipelines zu erheben. Also waren die potentiellen afghanischen Pipelines wichtig.

Bei all der nunmehr zunehmenden Diskussion über Krieg im Jemen und in Somalia dürfen wir nicht vergessen, dass es riesige Ölvorkommen im Sudan gibt – die ursprünglich von Amerika entwickelt werden sollten, aber jetzt sieht es so aus, als würden sie von China entwickelt werden. Amerika hat nicht so sehr etwas dagegen, denke ich, dass China sie entwickelt, solange der Öl-Markt als Ganzes zu einem großen Teil von den Vereinigten Staaten dominiert wird. (vi) Deshalb ist es so wichtig, dass Amerika sagt, es werde seine Truppen aus dem Irak abziehen und begänne mit dem Abzug seiner Truppen aus Afghanistan, aber es hat nie gesagt, dass es seine Stützpunkte in diesen Ländern schließen werde – es hat zurzeit nicht die Absicht, das zu tun. Es will permanente Stützpunkte im Irak und in Afghanistan halten, und dies wird eine Möglichkeit der Beeinflussung durch die bloße Präsenz der Amerikaner auf das Verhalten von Staatsoberhäuptern in Ländern wie Turkmenistan und Kasachstan sein, wo die wichtigsten Ressourcen und Investitionen der amerikanischen Ölkonzerne liegen. Es gibt wohl keinen anderen Sektor der amerikanischen Wirtschaft, der so wichtig für die strategische Planung Amerikas ist wie der Ölsektor, aber wir sollten wirklich “der Erdöl-Finanzsektor” sagen, weil die Banken alle eng damit verflochten sind, und wie ich sage, es ist nicht nur Öl, es sind auch Petrodollars, es ist eine finanzielle wie auch eine Öl-Situation.

Was sind Ihre Gedanken zur aktuellen “kinetisch-militärischen Aktion” in Libyen? Ist das ein gerechter Krieg, an dem einige Teile der NATO beteiligt sind? Und kann er eigentlich zu etwas viel Größerem führen?

Nun, zunächst einmal glaube ich nicht, dass dies überhaupt ein gerechter Krieg ist, es ist sicherlich eine Angelegenheit, bei der sich Amerika am Bombardieren eines anderen Landes beteiligt, aber nicht, weil das Land eine Bedrohung für die kontinentalen Vereinigten Staaten darstellt. Libyen stellte jedoch eine Bedrohung für dieses Petrodollar-System dar, das ich gerade beschrieb, denn wie Saddam Hussein vor ihm, begann Gaddafi, der ein OPEC-Land führt, der OPEC-Regel zu trotzen, dass man sein Öl nur für Dollar verkauft. Saddam hatte nur ein paar Jahre, bevor wir im Irak einmarschierten, angekündigt, dass er das tun würde. Gaddafi begann Öl direkt nach Europa für Euro zu verkaufen. Wenn man an freie Märkte glaubt, und Amerika sagt, es glaube an freie Märkte, dann sollte Amerika keine Einwände dagegen haben, aber natürlich glaubt Amerika nicht wirklich an freie Märkte.

Dann gibt es dieses Auf-und-Ab-Verhältnis zwischen Gaddafi und den Vereinigten Staaten. Reagan bombardierte natürlich Libyen im Jahr 1986 und tötete eines von Gaddafis Kindern, und verhängte dann Sanktionen über Gaddafi. Aber mit dem Kampf gegen al-Qaida wurde Gaddafi mehr zu einem Freund, weil auch Ghaddafi sehr viel Angst vor al-Qaida hatte. Tatsächlich war das erste Land, das Osama bin Laden je auf die Fahndungsliste von Interpol, der internationalen Polizei-Organisation, setzte, Libyen, weil sie wussten, dass al-Qaida in den 1990er Jahren den Sturz von Gaddafi plante. Wir haben eine britische Agentin, die sagt, dass der britische Geheimdienst dahinter steckte. (vii) Aber nach 9/11, als al-Qaida zu Amerikas selbst-identifizierten Feind wurde, wurde Libyen mehr zu einem Verbündeten, es gab eine Normalisierung unter George W. Bush und die amerikanischen Ölgesellschaften gingen zurück ins Land. Aber es waren kurzlebige Flitterwochen, weil Gaddafi die Ölgesellschaften in einer Weise besteuerte, die über die Vereinbarungen hinausging, und als sie dem widerstrebten, verkündete er – was, wie ich denke, eine überstürzte Sache war in Anbetracht amerikanischer Macht -, dass er Ölförder-Abkommen mit Russland und China unterzeichnen würde. Auf beiden Ebenen also, dass er den russischen und insbesondere den chinesischen Einfluss in Afrika beim Öl zu erweitern drohte, und dann, dass er auch noch diese OPEC-Petrodollar-Vereinbarung herausforderte, dies sind Gründe, dessen bin ich ziemlich überzeugt, weshalb wir in Libyen reingingen.

Als Amerika zuerst in den Irak ging, sagten die Leute im Weißen Haus: Das hat absolut nichts mit Öl zu tun! – Sie haben einfach nur schlichtweg gelogen. Wir haben nun Wikileaks-Dokumente, und wir brauchen die Wikileaks-Dokumenten gar nicht, es ist überdeutlich, dass sie sich Sorgen über Öl machten. Sie hatten Konferenzen, die sich mit Öl befassten, in denen sie über die Notwendigkeit einer militärischen Aktion im Irak sprachen. Und dann Cheney, eines der ersten Dinge, die er tat, als das Bush-Cheney-Team in Washington die Macht übernahm, war eine Energy Task Force einzuberufen. Sie haben tatsächlich Karten von Irak erstellt, die zeigten, wo die Ölfelder waren und welche Ölkonzerne die Verträge auf sie hatten. Sie haben darüber nachgedacht und wir wissen jetzt natürlich, dass direkt nach 9 / 11 – das nur wenige Monate nach dieser Task Force-Konferenz geschah – Cheney von der Notwendigkeit sprach, im Irak wie auch in Afghanistan einzumarschieren.

Es gab eine sofortige Entscheidung in Afghanistan reinzugehen. Aber Cheney und Rumsfeld wollten zur gleichen Zeit in den Irak reingehen und es wurde die Entscheidung getroffen, für den Irak in Planung auf hoher Ebene zu gehen. Weil es allerdings politisch schwieriger war, drangen sie im Irak nicht vor 2003 ein – als Folge von 9/11, aber natürlich gab es nichts, das den Irak mit 9/11 verband, und so versuchten sie so zu tun, als ob es das gäbe. Es wurden zu der Zeit falsche Geheimdienst-Berichte verbreitet, dass Osama bin Ladens Leute im Irak gewesen waren. Es war alles Unsinn, genauso wie die Sachen mit Yellowcake, den Massenvernichtungswaffen, und dass Saddam Atomwaffen bekäme – alles Lügen, es ging wirklich um Öl, genauso wie es in Libyen wirklich um Öl und Petrodollars geht.

Und wenn Sie fragen, ob Libyen zu etwas viel Größerem führen könnte …

Ja.

ich glaube, dass es das gewiss kann. Es war überraschend, dass sich Russland und China im UN-Sicherheitsrat bei der Resolution 1973 der Stimme enthielten. Ich glaube, dass sie das als einen Kompromiss taten: sie erlangten die Sprache in dieser Resolution, die besagt, dass sie nur militärische Maßnahmen zur Verhinderung von zivilen Verlusten an Menschenleben durchführen würden – eine Bestimmung, die mehr und mehr eklatant verletzt wird. Russland und China sind also Libyen nicht zur Hilfe geeilt. Gaddafi fügte sich in den russisch-chinesischen Einflussbereich ein und seine Beendigung, Öl für Dollar zu verkaufen, passt in einem russisch-chinesischen Plan. Russland und China treffen sich einmal jährlich in etwas, das Shanghai Cooperation Organization genannt wird, die Länder aus Zentralasien zusammenbringt, die meisten von ihnen aus der früheren Sowjetunion, wie Kasachstan und Turkmenistan. (viii) Und sie haben seit 2004 darüber gesprochen, dass es Zeit für eine neue Welt-Reservewährung ist, um den Dollar zu ergänzen oder sogar zu ersetzen. Das Dollar-System, das IWF-System funktionieren nicht sehr gut, es ist unvermeidlich, dass die Leute über eine Ergänzung um eine neue Währung zu sprechen beginnen sollten, und Gaddafi ist einer von diesen Leuten gewesen.

Wir sind gerade jetzt an einer sehr entscheidenden Phase im libyschen Krieg, weil er offensichtlich nicht erfolgreich ist. Niemand gewinnt derzeit, es ist eine Pattsituation. Es ist wahr, dass die Benghazi-Leute einigen Boden in den Bergen südlich von Tripolis gutgemacht haben, aber ich glaube nicht, dass man bald einen großen Durchbruch zu erwarten hat. Wir bekommen mehr und mehr Geschichten hier in Amerika, die aus Amerika stammen, dass Truppen für eine mögliche gemeinsame US- und NATO-Bodeninvasion in Libyen trainiert werden, die irgendwann später in diesem Jahr stattfinden soll. In der Tat gibt es einen israelischen Nachrichtendienst, der manchmal in der Vergangenheit Recht behielt, Debka, und dieser sagte, es könnte schon in den nächsten zwei Wochen soweit sein. Meine Befürchtung ist seit diese ganze Sache begann, dass der Krieg nicht auf dem Boden im Inneren Libyens gelöst werden würde, dass es mehr und mehr offene Interventionen von außen zur Unterstützung von Benghazi käme, und das ist wirklich von Anfang an da gewesen – in einem überraschenden Maß mit Unterstützung durch die Vereinigten Arabischen Emirate und insbesondere von Katar, aber dahinter müssen Sie den amerikanischen Einfluss sehen, weil Amerika mit den VAE und Katar sehr bei dem, was in Afghanistan passiert, zusammenarbeitet. Es gibt einen Stützpunkt, den Amerika in Pakistan benutzt, die Shamsi-Basis, von der als amerikanische Basis gesprochen wird, aber tatsächlich wurde sie von Pakistan an die Vereinigten Arabischen Emirate verpachtet. (ix) Und das ist nur nur ein Oberflächen-Beispiel der verdeckten Zusammenarbeit zwischen den USA und den VAE und vor allem mit Katar, was bemerkenswert ist, weil Katar al-Qaida sehr stark geschützt hat, und es gibt al-Qaida-Elemente in Benghazi. Sie mögen gegenwärtig eine Minderheit sein, aber sie sind sicherlich die am besten organisierten Elemente in der Benghazi-Koalition.

Es ist ein bisschen wie Lenin in Russland im Jahr 1917: die Bolschewiki waren eine Minderheit trotz des Namens, sie waren in der Tat eine Minderheit in der radikalen Linken, aber sie waren diejenigen, die auf die Machtergreifung fokussiert waren, und sie wussten, wie man es tun musste und sie taten es. Al-Qaida in Libyen oder das, was wir in Englisch die Libyan Islamic Fighting Group, die Libysch Islamische Kampfgruppe, LIFG, nennen, ist die bei weitem am besten organisierte und kampferprobte Gruppe in der Benghazi-Koalition, da sie gegen Amerika im Irak kämpfte, und jetzt werden sie von den Vereinigten Staaten und sehr prominent von Katar in Benghazi unterstützt. Wenn wir Bodentruppen zu ihnen hereinschicken, dann erwarte ich, dass Russland und China, die die ganze Zeit über sagen, dass dieser Krieg durch friedliche Verhandlungen gelöst werden sollte – ich fürchte, wenn Amerika seine Präsenz und wenn die NATO ihre Präsenz eskalieren, dann legt die Geschichte der internationalen Beziehungen nahe, dass man eine entsprechende Reaktion der Großmächte erhalten kann, die dort verlieren – was Russland und China sind.

Wenn ich eine Analogie ziehen kann, so sagte ich von Beginn an, dass dieses eher verrückte US- NATO-Unternehmen in Libyen, das wirklich vor allem von Frankreich inspiriert wurde, aber auch von Großbritannien, weil sie Interessen in Afrika haben, die durch Gaddafis Versuch, ein Führer einer geeinten afrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft zu werden, herausgefordert wurden – mich erinnert dies an die wirklich verrückte Sache, die Großbritannien und Frankreich im Jahr 1956 getan hatten. Ihre Mächte waren 1956 im Abnehmen begriffen, und dann sagte Ägypten, es würde den Suez-Kanal übernehmen. Also sprachen sich Großbritannien und Frankreich mit Israel ab und inszenierte ein Ereignis für eine britisch-französisch Intervention in Ägypten, die ein Fiasko und eine Torheit war. Es war verrückt, weil sie vorhersehen hätten sollen – und es nicht taten -, dass dies nicht von Russland oder Amerika, den wirklichen Mächten in der Welt zu dieser Zeit, toleriert werden würde. Es waren die amerikanischen Drohungen, die Aufrechterhaltung seiner Unterstützung für das Pfund zu beenden, die bedeuteten, dass sich England zurückziehen musste und das führte zu einem kompletten Fiasko.

Nun, wenn wir das auf die gegenwärtige Situation übertragen, so sind Amerika und die NATO mit dieser Operation in Libyen fortgefahren und sie scheinen erstaunlich desinteressiert daran zu sein, was die Reaktionen von Russland und China sein werden. Ich habe mir von Anfang an Sorgen gemacht und ich bin jetzt noch besorgter, dass sie nicht tatenlos zusehen werden und dass wir deshalb das Risiko sehen, dass Libyen in einen einem ernsteren Konflikt eskalieren könnte.

Es ist sehr viel anders als mit dem Irak und Afghanistan, weil Russland und China gewiss nicht glücklich über die Präsenz der Amerikaner in Afghanistan und jetzt auch in Kirgisistan sind, das direkt an den Grenzen Chinas liegt – aber sie teilen auch ein Interesse an dem Sieg über die Kräfte der al-Qaida und anderer islamistischer Kräfte, weil Russland und China mit erheblichen islamistischen Oppositionen innerhalb ihrer eigenen Grenzen konfrontiert sind, so dass es eine Interessengemeinschaft an der afghanischen Operation der USA gibt. Die libysche Sache ist aber im Gegensatz dazu ein direkter Versuch Amerikas und der NATO, dasjenige Mittelmeerland zu dominieren, sprich Libyen, wo sowohl Russland als auch China mehr Präsenz als die NATO besaßen. Gleich von Beginn an hatte dies das Potenzial, zu einem Konflikt zwischen Weltmächten zu eskalieren, wie wir es seit dem Fall der Berliner Mauer nicht mehr gesehen haben, und ich würde sagen, dass wir näher an dieser Gefahr sind, und es ist eine reale Gefahr, als wir es waren, als der Konflikt im Februar begann.

Lassen Sie uns über die CIA reden, aber den Fokusauf Finanzen halten. In Ihrem Buch The Road to 9/11 weisen Sie darauf hin, dass die meisten der Schlüsselfiguren dieser Organisation einen Hintergrund in der Hochfinanz und dem Investmentbanking haben. (x) Wäre es eine Übertreibung, wenn man annehmen würde, dass die CIA mehr oder weniger geschaffen wurde, um langfristige Interessen der Wall Street in der Welt abzuschirmen, und dass sie auf diese Weise bis heute aktiv ist?

Nun, ich denke, dass die CIA, die 1947 geschaffen wurde – in den öffentlichen Debatten ging es um die Notwendigkeit für einen Geheimdienst außerhalb der jeweiligen Einrichtungen der Armee, der Marine und der neuen unabhängigen Luftwaffe – das gleiche Gesetz, das die Luftwaffe schuf, schuf die CIA -, aber hinter den Kulissen wollten Leute von der Wall Street und der Finanzwelt die gleiche Kontrolle über die Geheimdienste wiedererlangen, die sie während des Zweiten Weltkriegs durch das OSS hatten. Wir könnten ein ganzes Interview nur darüber führen, aber die amerikanischen Finanzinvestitionen in Europa wurden vom OSS geschützt, es wurden wichtige Entscheidungen getroffen, um Fabriken, Staudämme etc. nicht anzugreifen, und das war das OSS. Truman hat immer versucht, eine Person zu bekommen, die nicht von der Wall Street war, um die CIA anzuführen, und das traf zu, bis Allen Dulles von der Wall Street die Leitung unter Eisenhower übernahm, aber darunter waren fast alle von Truman ernannten Direktoren Leute von der Wall Street. Sie müssen sich die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg vorstellen: eine weitestgehend zerstörte Weltwirtschaft, man hatte private Geheimdienst-Unternehmen, etwas, das sich die World Commerce Corporation nannte, mit lauter Ex-Kriegszeit-Geheimdienstlern aus England und Amerika, die mit privaten Ressourcen versuchten – und jetzt hören wir möglicherweise mit beschlagnahmten Finanzmitteln der SS in Deutschland oder Österreich (xi) -, den Welthandel in einer Weise anzuschieben, dass Amerika und Großbritannien ihn dominieren würden.

Dies war ein besonders sensibler Bereich in Südostasien. Es war voll von natürlichen Ressourcen und es war voll von Übersee-Chinesen, und als China im Jahr 1949 kommunistisch wurde, schienen sie anfänglich über einen Einzug der Russen in Europa besorgt zu sein, aber ab 1949 waren sie viel mehr darüber besorgt, dass China Südostasien dominieren könnte. Und hier hielten sie nicht nur politische Verbindungen mit chinesischen Gruppen der KMT, Kuomintang, und Chiang Kai-shek aufrecht, sondern historisch gesehen waren diese Gruppen am Opiumhandel beteiligt gewesen, und es gibt gar keinen Zweifel daran, dass Amerika Kontakte mit verschiedenen Menschen entwickelte, die Drogenhändler waren. Und was ich argumentiert habe ist, dass die CIA darüber das einrichtete, was wir Infrastruktur-Arrangements wie das Schaffen einer Fluggesellschaft und das Schaffen einer Versorgungsfirma in Thailand nennen können – das waren proprietäre Unternehmen der CIA, eine wurde als Air America berühmt, die andere ist auch bekannt als SEA, South East Asia Supply Inc., und die beiden zusammen, die Fluggesellschaft und die Versorgungsfirma, machten es möglich, dass sich die mit Drogen handelnden Kuomintang-Truppen in Burma aufrecht erhalten konnten.

Somit wurde ein Muster in den 1950er Jahren etabliert, demnach Amerika nicht nur mit den prominenten Drogenhändlern in der Gegend gearbeitet hat, sondern tatsächlich half sie ihnen mit Infrastruktur-Vorkehrungen. Wir sahen es in Burma und Thailand in den 1950er Jahren, es erweiterte sich um Laos in den 1960er Jahren, und dann irgendwann in den 1970er Jahren zog sich Amerika natürlich aus Südostasien zurück und die dortige Präsenz der CIA schrumpfte ebenso. Aber als die amerikanische Präsenz in Südostasien in den 1970er Jahren schrumpfte, sieht man die Opiumproduktion dort zurückgehen, und gleichzeitig sieht man im afghanisch-pakistanischen Raum, dem Goldenen Halbmond im Gegensatz zum Goldenen Dreieck, die Opiumproduktion steigen. Es wurde dort immer etwas Opium angebaut, aber weit mehr Marihuana und Haschisch – und bis 1979/80 war Heroin aus Afghanistan nicht prominent im Welthandel vertreten.

Aber dann hatten wir die sowjetische Invasion in Afghanistan, zu der Brzeziński im Weißen Haus durch das Schüren von bestimmten verdeckten Aktivitäten in Afghanistan beitrug. Er zog die Russen rein – und er sagte im Jahr 1979 und rühmte sich später dafür: Wir werden ihnen, den Russen, ihr Vietnam geben (xii) – nun, das war der Beginn einer Explosion von Infrastruktur-Unterstützungen für Drogenhändler im Goldenen Halbmond durch die CIA und praktisch die Erfindung von Gulbuddin Hekmatyar, der ungefähr die Hälfte der CIA-Hilfe in den 1980er Jahren erhielt und, wie einige Leute sagen würden, zum weltweit führenden Heroinhändler mit seinen eigenen Heroin-Raffinerien in Gebieten wurde, die vom pakistanischen Inter-Services Intelligence, ISI, dem pakistanischen CIA, kontrolliert wurden. Mit anderen Worten stellten sie also in den 1980er Jahren vollständig im Goldenen Halbmond die CIA-Drogen-Allianz aus dem Goldenen Dreieck wieder her, die für die explosive Zunahme des globalen Opiumkonsums in der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich war. (xiii)

Das dauerte an. Es dauerte auch nach dem Rückzug der Sowjets aus Afghanistan an. Es wurde kurz von den Taliban unterbrochen. Was man auch immer für oder gegen die Taliban zu sagen hat, zweifellos waren sie in der Lage, nahezu den gesamten Opiumanbau in Afghanistan herunterzufahren, aber dann entschied sich Amerika nach 9/11 natürlich, der Taliban zuzusetzen, und wir sahen mehr als eine Verdoppelung der Opium-Produktion in Afghanistan. Übrigens hat es in den letzten paar Jahren eine gewisse Verringerung der Opiumproduktion gegeben und viele Menschen wurden überredet, insbesondere im Norden, das Anbauen von Sclafmohn zu stoppen – aber etwas, von dem Sie nicht viel im Westen hören, ist: auf diesen Feldern, auf denen kein Schlafmohn mehr angebaut wird, wächst nun Marihuana. Afghanistan hat praktisch eine signifikant erfolgreiche Wirtschaft, und das sind Drogen. Vor allem sind es Opium und Heroin, und all die schwachen Anstrengungen, um Opium und Heroin in Afghanistan zu bekämpfen, sind auf den Teil des Handels konzentriert, der die Taliban unterstützt. Das ist eine explizite Politik der Vereinigten Staaten, sie wurde dem Kongress erklärt, und das bedeutet, circa 12 bis vielleicht 15 Prozent des gesamten Handels zu bekämpfen – der Rest davon unterstützt Karzai. Was sonst gibt es, um Karzai zu unterstützen? Das ist ihre Wirtschaft, und wenn wir sie beim Opium schrumpfen, erhöht sie sich beim Marihuana und Haschisch. Afghanistan hat jetzt Marokko als den größten Anbieter von Haschisch in der Welt überflügelt. (xiv)

Dies ist eine Wiederauflage von dem, was wir vorher in Laos sahen. Wir hatten in Laos eine Wirtschaft, die im Wesentlichen Opium hatte, um unterstützt zu werden, und sonst nichts, und so hatte die CIA dies zu dulden. Wir haben die gleiche Situation in Afghanistan, und es ist ein sehr gutes Argument, warum Amerika Afghanistan verlassen sollte. Aber es muss etwas anderes ebenso geschehen, und das ist, dass die amerikanische Regierung durch ihre Politik, einschließlich der so genannten Anti-Drogen-Politik, mehr als jede andere Regierung hauptverantwortlich für die explosive Zunahme des Drogenkonsums seit dem Zweiten Weltkrieg ist. Ein Teil der Verantwortung ist die CIA Drogen-Verbindung, die durch das Gesetz gebrochen werden muss. Ein Teil davon ist die Politik der Prohibition, die für Alkohol in den 1920er Jahren nicht funktionierte, sie ließ den Alkoholkonsum steigen, und das ist einer der Gründe, warum sie beendet wurde. Nun, die Drogen-Prohibition hat die Drogenpreise hochgetrieben, was erwartungsgemäß geschieht, und somit ist niemand glücklicher mit dem Verbot von Drogen als die Drogenproduzenten und -händler. Man wird nicht wirklich eine Lösung für das weltweite Drogenproblem hinbekommen, ehe Amerika den Konsum von Drogen wie Marihuana zu legalisieren beginnt. Wenn Amerika es den Amerikanern erlauben würde, ihr eigenes Marihuana anbauen zu dürfen, wäre das ein Todesstoß für die Kartelle in Mexiko, die nun 40.000 Mexikaner getötet haben. Es ist ein Krieg direkt an Amerikas Grenzen, und der einfachste Weg, um etwas gegen diesen Krieg zu tun, wäre, den Marihuana-Konsum in Amerika zu legalisieren. (xv)

Es wird nicht leicht passieren, weil man nicht nur die Drogenhändler hat, die die Legalisierung ablehnen, man hat auch die Banken. US-Banken waschen irgendwo zwischen einer halben Billion und vielleicht einer Billion Dollar an illegalen Geld, von dem das meiste schmutziges Drogengeld ist – auch sie lehnen eine Legalisierung ab. Das werden sie nicht sagen, aber sie tun es. Somit gibt es eine sehr feste Lobby in Amerika, die dem entgegengesetzt ist. Und natürlich gibt die DEA Millionen von öffentlichen Mitteln aus, um gegen die Legalisierung Kampagnen zu führen, was sie meiner Meinung nach rechtlich nicht tun sollte. Diese nichtfunktionierende Politik des Verbots zu beenden, wäre von unmittelbarem Nutzen im Gesundheitsbereich und bei der örtlichen Polizei, weil sie die Quelle von so viel Kriminalität in den amerikanischen Gemeinden ist, aber ich bin überzeugt, dass sie ebenso ein schwerer Schlag gegen den internationalen Terrorismus wäre, der sich weitestgehend auch durch Drogen finanziert.

Ist die CIA in den Drogenhandel durch Zufall verwickelt worden?

Nun, zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich die CIA nicht beschuldige, selbst Drogenhandel zu betreiben. Ich beschuldige sie, den Drogenhandel zu ermöglichen und ihn zu erleichtern. Ein gutes Beispiel wäre Air America. Jeder spricht darüber als die Fluggesellschaft der CIA, und im gewissen Sinne stimmt das, aber es ist sehr interessant, wenn man sich anschaut, wer die Flugzeuge von Air America besaß – und wir sprechen jetzt in den 1950er, 60er und 70er Jahren. Und es stellt sich heraus, dass die CIA eine 40 Prozent-Beteiligung hatte, und die Gruppe, die 60 Prozent der Anteile besaß, waren Kuomintang-Interessen in Taiwan, die im Drogenhandel verwickelt waren. Das bedeutete also, dass ein Air America-Flugzeug mit Waffen und Material in eine Drogen-Basis in Burma fliegen konnte, und dann, wenn das Flugzeug zurück nach Taiwan flog, wo sie ansässig waren, würde es zurück mit Drogen fliegen, und die CIA könnte sagen: Das ist nicht unser Flug, das ist der Flug der anderen Eigentümer der Fluggesellschaft!

Aber es ist sehr offensichtlich, wie ich in meinem Buch American War Machine sage, dass die CIA über den Drogenhandel Bescheid wusste, und wenn sie gewollt hätte, dass der Drogenhandel aufhörte, wäre es sehr wichtig gewesen, die vollständige Kontrolle über die Airline und die Flugzeuge zu erlangen, weil diese Basen im Landesinneren lagen, es gab keinen anderen Weg, um sie zu erreichen, die Straßen waren noch nicht vorhanden. Und die CIA tat das genaue Gegenteil: sie plante das zu ermöglichen, was die CIA eine Situation der “plausiblen Ableugnung“ (“plausible denial”) nennt, (xvi) in der die KMT die Drogen hinausfliegen konnten. Und wir wissen, dass sie das taten, weil letztlich eines dieser Flugzeuge von Burma abgeschossen wurde und die Eigentümerschaft an dem Flugzeug von einer Gruppe in China anerkannt wurde, die der Welt-Anti-Kommunistischen-Liga nahestand, eine Gruppe übrigens, die teilweise durch die CIA gestartet wurde. Die Fakten sind also ziemlich klar.

Die Bereitschaft der CIA, die Drogen fließen zu sehen – ist das ein Zufall? Natürlich ist es kein Zufall. Das war der Schlüssel zur Sicherung der Loyalität der nationalistischen chinesischen Geschäftsleute in Südostasien, der durch den Drogenhandel reich wurden und dann alle Arten von legitimen Branchen nicht nur in Thailand finanzierten, sondern auch in Malaysia und Indonesien. Die große industriellen Revolution in Südostasien in den 1980er und 1990er Jahren wurde weitgehend durch das Geld aus dem Drogenhandel finanziert, daran gibt es keinen Zweifel. (xvii) Es war kein Zufall. Sie kämpften für den Kapitalismus gegen den Kommunismus, und die Ressource, um den Kapitalismus in diesem Teil in Asien zu stärken, und wie sie auch in Afghanistan hoffen, aber es wird nicht funktionieren, ist die Verwendung des Drogenhandels.

Die globale Opiumproduktion war nach 9/11 in Afghanistan konzentriert – etwa 90% des weltweiten Opiums stammt aus dieser Region. Was war oder ist dahinter? Mit anderen Worten: Wer führt das Geschäft für wessen Gewinne?

Ich kann Ihnen nicht sagen, wer es führt. Ich ging nach Moskau, Russland im vergangenen Jahr, 2010, und sprach mit einem ihrer Drogen-Experten. Er sagte: Wissen Sie, ich weiß nicht, wer diese Kräfte sind, und ich habe sie 30 Jahre lang bekämpft – und ich sagte: Das ist sehr lustig, weil ich gerade ein Buch publiziere (das ein paar Monate später herauskam, American War Machine), und auf Seite 5 sage ich dasselbe – ich weiß nicht, wer diese Drogen-Kräfte sind. Was ich aber weiß ist, dass sie nicht auf eigene Faust tätig sind, sie haben mit der notwendigen Unterstützung der CIA operiert, beginnend in den 1950er Jahren, und die erste Hälfte meines Buches ist, glaube ich, vielleicht die ausführlichste Beschreibung, die bislang jemals gemacht wurde, wie viel Unterstützung bereitgestellt wurde. Die CIA verwendete Opium, um ihre eigene Stellvertreter-Armee in Thailand, PARU, zu finanzieren. Die KMT-Truppen sollten tief in China einmarschieren, und es stellte sich heraus, dass das ein Fiasko war, es geschah nicht und würde nicht geschehen. Also benutzte die CIA in den 1950er Jahren Drogen, die von den die Kuomintang angebaut wurden, um ein Stellvertreter-Söldnerheer in Thailand, PARU genannt, zu finanzieren, das sie dann verwendeten, um Probleme in Laos zu schüren und um einen neutralen Premier zu stürzen. Das ist der eigentliche Beginn des Indochina-Kriegs, an den wir uns als den Vietnam-Krieg erinnern, aber es begann in Laos. Und es begann aufgrund dieser CIA-Spiele, die den Drogenhandel verwendeten, um eine Armee zu bezahlen, die sie sonst in diesem Teil der Welt nicht gehabt hätten.

Wer immer also diese Leute sind, es sind Leute, die mit politischen Aktionen der USA ko-existierten und von ihnen abhingen, die letzte davon ist die US-Invasion in Afghanistan. Lassen Sie es mich nochmals sagen: Wir verdrängten eine Regierung, die gerade die Opiumproduktion verbannt hatte. Nun, es ist nicht klar, ob die Taliban sie dauerhaft verbannt hätte – einige Leute denken, es war nur ein Mittel, um die Preise hochzutreiben, weil es ein Überangebot der Versorgung gab. Aber ganz klar haben wir in Afghanistan das getan, was wir in Laos taten, was die Schaffung einer Regierung ist, die aufgrund von Drogen überlebt. Ich meine, Karzais Bruder als einer der führenden Drogenbarone identifiziert. (xvii) Ich denke, dies ist nicht so wegen der persönlichen Schwächen des Karzai-Familie – es ist so, weil die Regierung in Kabul von Drogen-Allianzen abhängt, da es keine andere lebensfähige Wirtschaft in diesem Land gibt. (xviii) Die CIA wusste das. Die CIA hat dieses Spiel jetzt seit 60 Jahren gespielt, sind sind erfahren darin, und was mich deprimiert ist, dass es so wenige Menschen in diesem Land gibt, die das stoppen wollen. Es gibt viele Menschen, die Drogen als eine sinnvolle Sache legalisieren wollen, aber ich denke nicht, dass viele dieser Leute die wichtige Verbindung zwischen der Drogenproduktion und der aggressiv-offensiven Politik der Vereinigten Staaten in den Teilen der Welt sehen, wo sie keine eigenen Armeen besitzt, oder als einen Weg, um in ihre eigenen Armeen hereinzubringen.

Die Rechtfertigung für den Krieg in Afghanistan waren die 9/11-Anschläge – obwohl der Krieg schon vor den Anschlägen geplant wurde (xix). Sind alle Fragen in diesem Zusammenhang von Ihrem Standpunkt aus beantwortet – oder wurden einige wichtige davon nie wirklich angesprochen, um damit anzufangen?

Ich würde sagen, dass, wie vorherzusehen war, es überhaupt noch keine richtige Untersuchung von 9/11 gab. Wir bekamen nur deswegen eine 9/11-Kommission, weil sich die Familien der Opfer organisierten und erfolgreich in der Lage waren, den Kongress davon zu überzeugen, für eine Kommission zu stimmen. Das geschah gegen den heftigen Widerstand besonders von Vizepräsident Cheney. Dann hatten wir eine weitere Warren-Kommission. Nach der Ermordung Kennedys hatten wir die Warren-Kommission, die eine absurde Schlussfolgerung zog, mit der sie übrigens begann: dass Oswald es getan hatte. Der Zweck der Warren-Kommission bestand darin, diesen “Beweis” aufzupeppen, dass Oswald allein gehandelt habe. (xx) Und der Zweck der 9/11-Kommission war es, die bereits vorab angekündigte Entscheidung aufzupeppen, dass es von 19 Arabern der al-Qaida getan worden war. Es ist interessant, dass, obwohl die Vorsitzenden der 9/11-Kommission, ein Demokrat, ein Republikaner, die Gruppe der Familien lobten, die die Kommission geschaffen hatten, und sie sagten: Wir werden ihre Fragen beantworten – aber einige der wichtigsten Fragen von allen wurden nicht einmal erwähnt. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie sich diese jemals ansahen.

Eine ist, warum die drei World Trade Center-Gebäude, die in New York einstürzten – eines davon wurde natürlich noch nicht einmal von einem Flugzeug getroffen und war von den beiden Türmen, die getroffen wurden, durch ein viertes Gebäude getrennt, das Feuer fing und schwer beschädigt wurde, aber nie zusammenbrach. Gebäude 7 – die Brände waren minimal. Es war niemals von einem Flugzeug getroffen worden, so dass die Menschen von der 9/11-Kommission wollten, dass sie herausfindet, was das Gebäude nach unten gehen ließ. Die Frage ist in dem Bericht nicht angesprochen.

Ich möchte eine Sache wissen, die sehr wie bei der Ermordung Kennedys ist: Sie gaben fast sofort bekannt, dass Lee Harvey Oswald der Verdächtige war, aber wir wissen nicht, wo sie diese Informationen her hatten. Ich habe in einem Buch argumentiert, dass die falsche Informations-Durchsage über Oswald von FBI- und CIA-Dateien herzustammen scheint, was eine Art von Verschwörung auf hoher Ebene nahelegt. Etwas ganz Ähnliches passierte mit 9/11: Innerhalb einer Stunde gaben sie bekannt, dass sie die Namen der Entführer hatten. (xxi) Wir wissen nicht wie. Sie haben seitdem die Passagierlisten veröffentlicht und diese Namen sind nicht auf den Passagierliste, dass sie freigegeben haben.

Ich sage nicht, dass ich wüsste, wer verantwortlich war für 9/11, aber hier sind einige Dinge, die ich weiß: zunächst einmal, wie vorhergesagt hätte werden können, gab es eine Vertuschung (Cover-up), die sehr ähnlich zu der Vertuschung der Warren-Kommission ist, wo man eine Original-Geschichte nimmt, die anscheinend jeder Grundlage entbehrt, und dann sichert man sie mit enormen Fußnoten und so weiter ab. Und übrigens, ich bin dankbar für die Arbeit der Kommission: der 9/11-Bericht ist lesenswert, er ist gut dokumentiert und mit guten Fußnoten versehen, er ist der erste Schritt auf dem Weg zur wahren Geschichte. Aber viele große Fragen wurden nicht gestellt.

Wie ich in meinem Buch The Road to 9/11 sagte, wissen wir, dass es eine Vertuschung gab, wir wissen ebenso, dass einige sehr wichtige Entscheidungen an diesem Tag getroffen wurden, und eine – zu der wir vielleicht zurückkommen werden – war, die Maßnahmen des Continuity of Government (COG – Fortführung der Rgierung) einzuleiten, was eine Reihe von Notfall-Verfahren der Regierung sind, an denen zwanzig Jahre lang seit 1982 geplant worden war – und zwei der wichtigsten Planer waren Cheney und Rumsfeld gewesen. In meinem Buch The Road to 9/11 sagte ich, dass Cheney eine Menge Fragen stellen müssen. Und vielleicht ist dies nicht der richtige Platz für mich zu reproduzieren, was ich in meinem Buch sagte, aber Cheney gab zwei Berichte, was er tat, als er an dem Morgen im Bunker unter dem Weißen Haus war, und die beiden Berichte können nicht miteinander vereinbart werden, einer von ihnen ist falsch. Ich denke, der erste, den er gab, ist der wahre, was bedeuten würde, dass er es war, der die Continuity of Government-Entscheidung gab. Es würde auch bedeuten, dass er wahrscheinlich einen Befehl zum Abschuss von Flugzeugen gab, bevor Flug 93 runterging.

Es gibt viele, viele, viele Fragen, die nicht beantwortet wurden, und es gibt einige andere Fragen, die von der 9/11-Kommission beantwortet wurden, aber ich glaube, und diejenigen von uns, die in diesem Bereich forschen, dass sie fälschlich beantwortet wurden. Das würde auch die sehr naheliegende Frage einschließen, wie es kam, dass all diese Kampfflugzeuge nie eingegriffen, deren Aufgabe es ist, abzufangen – jeder Airliner, der vom Kurs abweicht, soll angeblich durch Militärflugzeuge abgefangen werden. Warum ist das an 9/11 nicht geschehen, wenn es so viele Male vorher geschah und die normale Sache war, die passieren würde, wenn ein Flugzeug vom Kurs abwich? Die Kommission hat versucht, diese Frage zu beantworten. Die Leute der 9/11-Kommission sagen selber, dass die Regierung sie dazu belogen hat – und dazu möchte ich hinzufügen, dass auch der 9/11-Bericht der Kommission lügt oder auch ungenau darüber ist, was wirklich passierte.

Es ist also nicht eine Frage, dass ein oder zwei Fragen nicht beantwortet wurde, es ist mehr so, als ob wir noch nicht begonnen haben, eine saubere unabhängige Untersuchung zu haben. Wir haben einen ehemaligen US-Senator, Mike Gravel, der gleiche Mann, der bei der Freigabe der Pentagon-Papiere durch das Einbringen in die Kongress-Aufzeichnungen im Jahr 1971 half – Mike Gravel fordert eine neue und gründliche Untersuchung. Nach 20 Jahren bekamen wir schließlich eine zweite Untersuchung der Ermordung Kennedys, die ein bisschen besser als die erste, aber nicht viel, und ich hoffe, dass wir vielleicht eine zweite Untersuchung von 9/11 bekommen werden, die ein bisschen besser sein wird. Was wir sicher sagen können ist, dass es sehr mächtige Kräfte im Inneren Amerikas gibt, die keine genaue Untersuchung von 9/11 wollen – und das allein sollte uns etwas sagen.

Wie Sie erwähnten, haben Sie sich in Ihrem Buch The Road to 9/11 mit der Frage befasst, was Richard Cheney und Donald Rumsfeld getan haben, vor allem im Hinblick auf die Pläne des Continuity of Government, die sie vorbereitet hatten. Warum ist das so wichtig?

Jede Regierung überall muss für das planen, was in einem Notfall passiert. Im Fall von Amerika hatten sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg um einen nuklearen Angriff zu kümmern. Die Verfassung sagt, wenn der Präsident stirbt, dann folgt ihm der Vizepräsident nach, und dann der Sprecher des Repräsentantenhauses und so weiter. Sie hatten sich Sorgen zu machen, was passieren würde, wenn eine Atombombe Washington träfe und all diese Leute gleichzeitig getötet würden. Wir hatten diese Notfallplanung und wir hatten spezielle Behörden, die die Notfallplanungen machten und die alle mit der Notwendigkeit darüber nachdachten, sich außerhalb der Verfassung bewegen zu müssen. Ich laste niemanden Schuld dafür an, dies waren notwendige Planungen.

Was ich kritisieren ist die Änderung in der Planung, die in den 1980er Jahren unter Präsident Reagan auftrat – und noch wichtiger, denke ich, Vize-Präsident George W. Bush, der hinzukam, nachdem er früher der Kopf der CIA gewesen war, und sie machten sehr elaborierte neue Pläne. Sie beriefen eine Gruppe von Menschen, einige von ihnen waren in der Regierung, einige von ihnen waren nicht einmal in der Regierung, und gaben ihnen die Macht, dafür zu planen, wie die Verfassung zu überschreiben sei. Warum man dies als Fehler bezichtigen sollte? Weil sie am Ende nicht für einen nuklearen Angriff planten, sie planten für alles, was der Präsident einen Notfall nennen würde. (xxii)

Wir sahen den Beweis dafür 2001, als jemand – und ich denke, dass es in der Tat Vizepräsident Cheney selbst war – erklärte, dass 9/11 ein Notfall war und daher die Institution dieser Notfall-Bestimmungen rechtfertigte, die wir Continuity of Government oder COG nennen. Unter den Dingen, die daran interessant sind, ist, dass dies Pläne sind, über die Cheney sehr gut Bescheid wusste, weil er selbst an ihnen seit 1982 gearbeitet hatte, obwohl er damals nur ein bescheidener Kongressabgeordneter aus Wyoming war – zusammen mit jemandem, der mit ihm arbeitete und sein Mentor gewesen war, der Mann, der ihn in der Politik beginnen ließ, Donald Rumsfeld, der in den 1980er Jahren überhaupt nicht in der Regierung war, er war der CEO eines großen Pharmaunternehmens. (xxiii) Diese Situation wurde in den 1990er Jahren noch absurder, als berichtet wurde, dass sie die Planungen nach dem Fall der Berliner Mauer gestoppt hätten – sie sagten: Okay, wir brauchen uns keine Sorgen mehr über einen nuklearen Angriff zu machen. Allerdings fuhren sie mit den Planungen fort und sie taten es unter Clinton in einer demokratischen Regierung, jedoch waren die Planer nun fast ausschließlich Republikaner, und jemand, der mit ihnen gearbeitet hat, sagte Andrew Cockburn, der es in seine Biographie über Rumsfeld packte, (xxiv) dass dies im Wesentlichen Anti-Clinton-Sitzungen waren – und hier hatte man beide Cheney und Rumsfeld, von den keiner überhaupt in der Regierung saß. Cheney war inzwischen der CEO von Halliburton, einer Öl-Versorgungsfirma, die sehr groß in diesen US-Öl-Entwicklungen in Kasachstan und anderen Ländern in Zentralasien ist – und Cheney saß unter anderem in der US-Kasachstan Chamber of Commerce, das zeigt, wie aktiv er bei der Pflege von Öl- und Gas-Interessen in Zentralasien war. Und hier planen sie nun für die Aussetzung der Verfassung, was offenbar an 9/11 auftrat, obwohl sie nicht in der Regierung sind! Also das ist für mich der Beweis, das wir mehr darüber wissen sollten, was COG bedeutet.

Und Sie stellen fest, dass ich Wörter wie “scheinbar” und so weiter benutze, weil COG, Continuity of Government, ist super-geheim. Ein paar Dinge wissen wir aber darüber. Eines ist, dass wir wissen, dass sich Cheney und eine Gruppe von Führungskräften unmittelbar nach 9/11 für 100 Tage aus Washington zurückzogen, wie es COG-Bestimmungen fordern, und in einem ausgehöhlten Berg in der Nähe Washingtons lebten. Wir wissen nicht, was sie taten. Aber ich denke, ich weiß einiges davon, was sie taten, denn zu der Zeit im September 2001 aktivierten sie einen massiven Inhaftierungsplan, wo all die verschiedenen Dokumente für Notfallpläne, die bis zurück in die 1950er Jahre reichen, zusammenkamen – sie haben sich immerzu über massive Zusammentreibungen einer großen Anzahl von Bürgern Gedanken gemacht.

Teilweise ist etwas von der COG-Planung in der Zeit von Iran-Contra durchgesickert. Wir hatten einen Kongressabgeordneten bei der Iran-Contra-Anhörungen, der Oliver North fragte, ob es wahr sei, dass Oliver North für die Aussetzung der Verfassung für Continuity of Government pante. Und North durfte nicht antworten. Der Vorsitzende schlug mit seinem Hammer und sagte: Wir können das hier nicht erörtern – implizierend, ja, es gab solche Planung. Und North war der entscheidende Mann bei Iran-Contra und er war auch der entscheidende Mann bei der COG-Planung. (xv) Sie hatten tatsächlich eine Übung, Rex 84, die die mögliche Zusammentreibung von Tausenden von Menschen probte, um sie in Konzentrationslager zu stecken.

Nun, das war nur eine Übung. Seit 9/11 hatten wir ein 10 Jahres-Programm, Projekt Endgame, um Konzentrationslager zu schaffen. Das Budget für ein Jahr betrug 400 Millionen US-Dollar – das ist nicht klein. Dies ist ein massives Programm. Und natürlich haben wir keine massiven Zusammentreibungen von Bürgern gesehen, aber wir haben etwas gesehen, was dazugehört, und das ist die massive Überwachung einer großen Anzahl von Menschen. Es gab drei Dinge, die in den 1980er Jahren über die COG-Pläne von einem guten Journalisten beschrieben wurden: eines war die massive Internierung, das zweite war die massive Überwachung – diese gehen Hand in Hand, weil man die Menschen überwachen und sehen muss, was sie tun, um zu wissen, wer zusammengetrieben werden muss, und dies ohne zu versuchen, eine richterliche Genehmigung zu bekommen -, und schließlich die Militarisierung des Landes. (xvi)

Jeder ist sich ziemlich gut darüber bewusst, wie die Überwachung zugenommen hat, und viele Leute wissen von der massiven Internierung, weil darüber eine Menge über das Internet gesprochen wurde, seit ich es zuerst enthüllte. (xvii) Aber das wichtigste von allen ist die Militarisierung des Landes. Im Jahr 2002 haben wir ein Militärkommando für Nordamerika geschaffen: NORTHCOM. Das Militär ist nun bei der Überwachung dessen, was in diesem Land geschieht, auf die gleiche Weise beteiligt, wie es sich um das kümmert, was in Lateinamerika und Afrika los ist, oder CENTCOM ist in Zentralasien. Wir hatten für mehr als ein Jahrhundert in diesem Land Gesetze gehabt, die es den Streitkräften der Vereinigten Staaten verboten, an den regulären Strafverfolgungsbehörden beteiligt zu sein (xviii) – dies geht zurück auf die Zeit nach dem Bürgerkrieg, als im Wesentlichen die US-Armee den Süden besetzte und schließlich der Süden Gesetze verabschiedet hat, um dies zu stoppen. Nun, diese Gesetze sind immer noch in den Gesetzesbüchern, aber sie werden gebrochen, weil die amerikanischen Streitkräfte jetzt zusammen mit der örtlichen Polizei und zu meinem Entsetzen mit privaten Geheimdienst-Unternehmen kollaborieren – sie haben die Überwachung an private Unternehmen ausgelagert, die jetzt an der Überwachung der Amerikaner beteiligt sind: nicht nur al-Qaida-Anhänger, sondern auch Anti-Kriegs-Aktivisten, alle Arten von Leute, wie ich zum Beispiel, ein College-Professor. Alles, was sie wissen wollen, würde ich ihnen erfreut mitteilen, aber sie ziehen es vor, durch geheime Überwachung zu arbeiten.

Wir werden dazu konditioniert, zu akzeptieren, dass das Militär eine Rolle bei der Bewältigung von Notfällen hat – und ich will nicht zu lange darüber reden, weil ich zu viel darüber weiß, aber wir haben heute einen Ausnahmezustand in diesem Land, im Jahre 2011, der drei Tage nach 9/11 ausgerufen wurde. Es gibt einen Gesetzesakt des Kongresses, der besagt, dass jeder Ausnahmezustand durch den Kongress innerhalb von sechs Monaten überprüft werden muss, und dann muss er entweder genehmigt oder beendet werden. Nun ja, das ist nicht geschehen. Wir hatten 10 Jahre, in denen das Gesetz durch den Kongress gebrochen wurde. Es ist nicht so, dass der Kongress die Option besäße, dies zu tun, er ist dazu verpflichtet, es zu tun, und er hat es nicht getan. Ein ehemaliger Kongressabgeordneter und ich versuchten, eine Kampagne dazu zu schaffen, um sie dazu zu bewegen, etwas zu tun, und ein Kongressabgeordneter sagte einem Menschen in seinem Wahlkreis: Oh, dieses Gesetz – dieses Gesetz ist durch Continuity of Government überschrieben worden. Nun, wenn das stimmt, ist das eine Bestätigung für die Behauptung, dass COG bereits die Aussetzung der amerikanischen Verfassung beinhaltete, weil das Herz der amerikanischen Verfassung Checks and Balances ist sowie die Begrenzung der Macht der Exekutive durch den Kongress.

Bush verkündete einige neue COG-Maßnahmen im Jahr 2007, und wir hatten einen Kongressabgeordneten, der im Homeland Security Committee saß, es war also wirklich seine Aufgabe nachzusehen, was diese Bestimmungen waren. Ihm wurde gesagt, dass er die COG-Maßnahmen nicht sehen konnte, weil er nicht die ausreichende Genehmigung (Clearance) hatte. Also fragte dieses ganze Komitee, das Homeland Security Committee des Kongresses, schriftlich an, diese neuen Maßnahmen sehen zu dürfen, und sie wurden darüber informiert, dass sie nicht die ausreichende Genehmigung besitzen, um sie sehen zu können.

Dies sind nur kleine Hinweise, aber kleine Hinweise auf etwas, das sehr groß ist – und das ist, dass die Kontrolle des Kongresses über die Exekutive durch die Bestimmungen des COG, des Continuity of Government, und durch den Notstand, in dem wir uns befinden, überschrieben wurde. Der Grund, weshalb ich mit Ihnen darüber sprechen will, ist, weil ich will, dass die ganze Welt versucht, Amerika aufzuwecken, um die Tatsache zu erkennen, dass sie in diesem Moment nicht unter der verfassungsmäßigen Ordnung leben, von der sie denken, dass sie unter ihr leben, und unter was sie leben, das wissen sie nicht, weil es alles so geheim ist, dass der Kongress es nicht herausfinden kann. Der erste Schritt ist für den Kongress, es herauszufinden und einen Ausnahmezustand zu beenden, der zu diesem Zeitpunkt illegal ist.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Professor Scott!

Quellen:

[i] Siehe Chalmers Johnson: “The Economic Disaster that is Military Keynesianism. Why the US has really gone broke“, veröffentlicht im Februar 2008 unter:

http://mondediplo.com/2008/02/05military

[ii] Scott bezieht sich auf die Abschiedsansprache von Dwight D. Eisenhower vom Weißen Haus am 17. Januar 1961, die berühmt ist aufgrund der darin enthaltenden Warnung vor dem Militarisch-Industriellen Komplex:

“…We have been compelled to create a permanent armaments industry of vast proportions. Added to this, three and a half million men and women are directly engaged in the defense establishment. We annually spend on military security alone more than the net income of all United States corporations.

Now this conjunction of an immense military establishment and a large arms industry is new in the American experience. The total influence — economic, political, even spiritual –is felt in every city, every Statehouse, every office of the Federal government. We recognize the imperative need for this development. Yet we must not fail to comprehend its grave implications. Our toil, resources, and livelihood are all involved. So is the very structure of our society.

In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist. We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together…”

[iii] Das so genannte “Halloween Massaker“ fand am 2. November 1975 statt.

[iv] Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11. Wealth, Empire, and the Future of America”, University of California Press, Berkeley, 2007, Seiten 50 – 79.

[v] Siehe beispielsweise Ray McGovern: “News Flash: Iraq War Was About Oil“, veröffentlicht am 25. April 2011 auf LarsSchallcom unter: http://www.larsschall.com/2011/04/25/news-flash-iraq-war-was-about-oil/

[vi] Man beachte auch, dass der Jemen und Somalia beide an höchst wichtigen Verkehrsknotenpunkten zum Transport von Öl liegen: der Straße von Bab el-Mandab, die das Rote Meer mit dem Arabischen Meer und dem Golf von Aden verbindet.

[vii] Scott bezieht sich auf Annie Machon.

[viii] Die Organisation besteht derzeit aus den Mitgliedsstaaten China, Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan sowie Staaten, die einen Beobachterstatus halten, das heißt, Mongolei, Indien, Pakistan und Iran. Partner im Dialog sind auch Weißrussland, Afghanistan, Turkmenistan und die Association of Southeast Asian Nations, ASEAN.

[ix] Siehe „Army takes partial control of Shamsi base,“ Nation (Pakistan), veröffentlicht am 17. Juli 2011 unter: http://www.nation.com.pk/pakistan-news-newspaper-daily-english-online/Politics/17-Jul-2011/Army-takes-partial-control-of-Shamsi-base.

[x] Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, Seiten 11 – 14.

[xi] Siehe Amy B. Zegart: “Flawed by Design. The Evolution of the CIA, JCS, and NSC,“ Stanford University Press, Seite 189.

[xii] Vgl. das Interview in Le Nouvel Observateur mit Zbigniew Brzezinski, Paris, 15-21 Januar 1998, zitiert in Peter Dale Scott: “Drugs, Oil, and War: The United States in Afghanistan, Colombia, and Indochina“, Rowman & Littlefield, Lanham, 2003, Seite 35:

Q: When the Soviets justified their intervention by asserting that they intended to fight against a secret involvement of the United States in Afghanistan, people didn’t believe them. However, there was a basis of truth. You don’t regret anything today?

Brzezinski: Regret what? That secret operation was an excellent idea. It had the effect of drawing the Russians into the Afghan trap and you want me to regret it? The day that the Soviets officially crossed the border, I wrote to President Carter: We now have the opportunity of giving to the USSR its Vietnam war. Indeed, for almost 10 years, Moscow had to carry on a war unsupportable by the government, a conflict that brought about the demoralization and finally the breakup of the Soviet empire.

[xiii] Vgl. hierzu auch Alfred McCoy: “The Politics of Heroin. CIA Complicity in the Global Drug Trade“, Revised Edition, Lawrence Hill Books, 2003.

[xiv] Siehe beispielsweise Jeremy R. Hammond: “The Afghan Drug Trade and the Elephant in the Room“, veröffentlicht am 9. April 2011 auf Foreign Policy Journal unter: http://www.foreignpolicyjournal.com/2011/04/09/the-afghan-drug-trade-and-the-elephant-in-the-room/

[xv] Vgl. auch Lars Schall: “The Great Global Bank Robbery, Part Two“, ein Interview mit dem Us-amerikanischen Professor für Ökonomie und Rechstwissenschaften William K. Black, das am 22. April 2010 auf New Deal 2.0 unter: http://www.newdeal20.org/2010/04/22/bill-black-interview-the-great-global-bank-robbery-part-2-10008/ veröffentlicht wurde.

Aus dem Interview:

Can you discuss the importance of liquid cash flow generated through drug trafficking within and without the U.S.A. for banks primarily based in New York City and London via their off-shore connections (sic!)? A.I.G. seems to be also heavily involved in drug money – at least for sure in the past. And the UN-chief on drugs, Antonio Maria Costa, stated that “liquid investment capital” generated from drug trafficking helped to keep the financial system going in 2008. He said:

In the second half of 2008, liquidity was the banking system’s main problem and hence liquid capital became an important factor … Inter-bank loans were funded by money that originated from the drugs trade and other illegal activities … There were signs that some banks were rescued that way.”

Isn’t that a little bit of an embarrassing problem for the global financial system?

Yes, but I repeat that we do not know (and Mr. Costa does not know) the facts. There are two “first-best” solutions. One, we should legalize drugs. (For the readers who are about to stop reading; please continue a bit. First, I am 58 and I have never tried an illegal drug. I don’t even drink. I do not think drugs are good. I think they do awful things to people. Second, my policy advice is shaped by my experience as a criminologist, regulator, and teacher of economics. I’m with Milton Friedman on this issue.) We should legalize drugs because our policy of criminalizing it has failed – and will fail. That failure is catastrophic. The price of drugs gives us excellent market evidence on the success of our current policies. Drugs are generally cheaper now. I don’t care how many photo ops we stage of drug busts – the drug war has failed.

Our current policies make rich the worst, most dangerous people in the world and caused tragedy in nations like Columbia and Mexico (a tragedy spreading to the U.S.). We do not know how much money really goes to the druggies, terrorists, and corrupt politicians, but the number is large. We could defund many of the people out to harm our nation if we end this failed effort at Prohibition.

The other first-best solution is to get the facts and to seize as many billions as possible of those funds from the cartels, Taliban, and corrupt officials. The way to do that is to (1) end the tax havens (which are also havens for the scum of the earth), (2) to use undercover investigators and electronic surveillance against financial institutions with suspicious cash flows, and (3) to seize the existing proceeds.

The OECD launched an initiative against the tax havens. The Bush administration blocked the initiative because it wanted to create a “race to the bottom” of taxation by encouraging tax evasion through the use of tax havens. After the 9/11 attacks (which were funded through tax havens), the administration allowed a weakened version of the OECD initiative to proceed. The Obama administration should, with the aid of the OECD (Germany would likely be very supportive on this given its intelligence services’ recent initiatives on your neighbouring tax haven), should lead a campaign to end all tax havens. The U.S. has the economic power, even if had to act unilaterally without OECD support, to end the tax havens. The Fed could use its leverage for something constructive!

Antonio Maria Costa said furthermore, that drug money is by “now a part of the official system.” Is this naïve or deceptive to say that from Mr. Costa’s side? It is widely known that the Pakistani bank BCCI for example was involved with drug money during the 1980’s and then-Secretary of Treasury, James Baker III, did nothing against it “because he thought a prosecution of the bank would damage the United States’ reputation as a safe haven for flight capital and overseas investments.” So my question is: Nothing New in the West, is it?

Yes, BCCI (informally, and accurately, known as the “Bank of Crooks and Criminals, International”) was a massive control fraud. Yes, there is nothing fundamentally new about fraud schemes. The U.S. has long been complicit in refusing to crack down on the tax havens. The deal it made with UBS was scandalous. We have to end the “race to the bottom.” We can end it. It would do enormous good for the world in a wide range of spheres – and it would be immensely political popular. It would, however, enrage the richest Americans who evade taxes (but make political contributions).

From a criminological point of view: it’s the criminalized status of drugs that makes this whole business possible, right?

Yes, as I just explained, that is the key. Prohibition “sells” in politics, but it fails in the real world.

[xvi] Wichtig in diesem Kontext von plausibler Abstreitbarkeit und verdeckten Aktivitäten ist die Direktive des Nationalen Sicherheitsrats vom 18 Juni 1948, die NSC 10/2. Sie besagt im Ganzen:

Office of Special Projects

Washington, June 18, 1948.

1. The National Security Council, taking cognizance of the vicious covert activities of the USSR, its satellite countries and Communist groups to discredit and defeat the aims and activities of the United States and other Western powers, has determined that, in the interests of world peace and US national security, the overt foreign activities of the US Government must be supplemented by covert operations.

2. The Central Intelligence Agency is charged by the National Security Council with conducting espionage and counter-espionage operations abroad. It therefore seems desirable, for operational reasons, not to create a new agency for covert operations, but in time of peace to place the responsibility for them within the structure of the Central Intelligence Agency and correlate them with espionage and counter-espionage operations under the over-all control of the Director of Central Intelligence.

3. Therefore, under the authority of Section 102(d)(5) of the National Security Act of 1947, the National Security Council hereby directs that in time of peace :

a. A new Office of Special Projects shall be created within the Central Intelligence Agency to plan and conduct covert operations ; and in coordination with the Joint Chiefs of Staff to plan and prepare for the conduct of such operations in wartime.

b. A highly qualified person, nominated by the Secretary of State, acceptable to the Director of Central Intelligence and approved by the National Security Council, shall be appointed as Chief of the Office of Special Projects.

c. The Chief of the Office of Special Projects shall report directly to the Director of Central Intelligence. For purposes of security and of flexibility of operations, and to the maximum degree consistent with efficiency, the Office of Special Projects shall operate independently of other components of Central Intelligence Agency.

d. The Director of Central Intelligence shall be responsible for :

(1) Ensuring, through designated representatives of the Secretary of State [1] and of the Secretary of Defense, that covert operations are planned and conducted in a manner consistent with US foreign and military policies and with overt activities. In disagreements arising between the Director of Central Intelligence and the representative of the Secretary of State or the Secretary of Defense over such plans, the matter shall be referred to the National Security Council for decision.

(2) Ensuring that plans for wartime covert operations are also drawn up with the assistance of a representative of the Joint Chiefs of Staff and are accepted by the latter as being consistent with and complementary to approved plans for wartime military operations.

(3) Informing, through appropriate channels, agencies of the US Government, both at home and abroad (including diplomatic and military representatives in each area), of such operations as will affect them.

e. Covert operations pertaining to economic warfare will be conducted by the Office of Special Projects under the guidance of the departments and agencies responsible for the planning of economic warfare.

f. Supplemental funds for the conduct of the proposed operations for fiscal year 1949 shall be immediately requested. Thereafter operational funds for these purposes shall be included in normal Central Intelligence Agency Budget requests.

4. In time of war, or when the President directs, all plans for covert operations shall be coordinated with the Joint Chiefs of Staff. In active theaters of war where American forces are engaged, covert operations will be conducted under the direct command of the American Theater Commander and orders therefor will be transmitted through the Joint Chiefs of Staff unless otherwise directed by the President.

5. As used in this directive, “covert operations” are understood to be all activities (except as noted herein) which are conducted or sponsored by this Government against hostile foreign states or groups or in support of friendly foreign states or groups but which are so planned and executed that any US Government responsibility for them is not evident to unauthorized persons and that if uncovered the US Government can plausibly disclaim any responsibility for them. Specifically, such operations shall include any covert activities related to : propaganda, economic warfare ; preventive direct action, including sabotage, anti-sabotage, demolition and evacuation measures ; subversion against hostile states, including assistance to underground resistance movements, guerrillas and refugee liberation groups, and support of indigenous anti-communist elements in threatened countries of the free world. Such operations shall not include armed conflict by recognized military forces, espionage, counter-espionage, and cover and deception for military operations.

6. This Directive supersedes the directive contained in NSC 4-A, which is hereby cancelled.

Interessant ist, dass der frühere US-Präsident Harry S. Truman, unter dem die CIA geschaffen und die NS 10/2 autorisiert wurde, einen Meinungsartikel in der Washington Post am 22. Dezember 1963 veröffentlichte. Darin schrieb Truman einen Monat nach dem Attentat auf John F. Kennedy:

I think it has become necessary to take another look at the purpose and operations of our Central Intelligence Agency—CIA. (…) For some time I have been disturbed by the way CIA has been diverted from its original assignment. It has become an operational and at times a policy-making arm of the Government. This has led to trouble and may have compounded our difficulties in several explosive areas. (…) We have grown up as a nation, respected for our free institutions and for our ability to maintain a free and open society. There is something about the way the CIA has been functioning that is casting a shadow over our historic position and I feel that we need to correct it.“

Es ist ebenso von Interesse, dass Trumans Artikel “Limit CIA Role To Intelligence“ keine wirklich ernsthafte Berichterstattung erfuhr, sondern mit bemerkenswerter Stille behandelt wurde – oder wie Ray McGovern schrieb: “The op-ed garnered little attention — either at the time or subsequently.“ Siehe Ray Mcgovern: “Break the CIA in Two“, veröffentlicht auf Consortiumnews am 22. Dezember 2009 unter: http://www.consortiumnews.com/2009/122209a.html

Der Artikel von Truman ist zitiert in Raymond Marcus: “Truman’s Warning“, veröffentlicht in E. Martin Schotz: “History Will not Absolve Us: Orwellian Control, Public Denial, and the Murder of President Kennedy“, Kurtz, Ulmer & Delucia, 1996, Seiten 237-38.

[xvii] Peter Dale Scott: “American War Machine“, University of California Press, 2010, Seite 81.

[xviii] Scott meint Ahmed Wali Karzai, der in der Zwischenzeit ermordet wurde. Vgl. Dexter Filkins/Mark Mazzetti/James Risen: “Brother of Afghan Leader Said to Be Paid by C.I.A.“, veröffentlicht am 27. Oktober 2009 auf New York Times Online unter:

http://www.nytimes.com/2009/10/28/world/asia/28intel.html?ref=global-home

[xix] Vgl. Alfred McCoy: “Can Anyone Pacify the World’s Number One Narco-State? The Opium Wars in Afghanistan“, veröffentlicht am 30. März 2010 auf TomDispatch unter: http://www.tomdispatch.com/blog/175225/alfred_mccoy_afghanista_as_a_drug_war,

und Peter Dale Scott: “Can the US Triumph in the Drug-Addicted War in Afghanistan? Opium, the CIA and the Karzai Administration“, veröffentlicht am 5. April 2010 auf Japan Focus unter: http://www.japanfocus.org/-Peter_Dale-Scott/3340

[xx] Siehe beispielsweise Nafeez Mosaddeq Ahmed: “The War on Freedom: How and Why America was Attacked, September 11, 2001“, B&T, 2002.

[xxi] Vgl. James W. Douglass: “JFK and the Unspeakable. Why He Died and Why It Matters“, Simon and Schuster, 2008; E. Martin Schotz: “History Will not Absolve Us: Orwellian Control, Public Denial, and the Murder of President Kennedy“, Kurtz, Ulmer & Delucia, 1996; Peter Dale Scott: “Deep Politics and the Death of JFK”, University of California Press, 1993.

[xxii] Peter Dale Scott, “The War Conspiracy: JFK, 911, and the Deep Politics of War”, Seiten 341-96.

[xxiii] Scott, “Road to 9/11”, Seiten 184-87.

[xxiv] G. D. Searle & Company.

[xxv] Andrew Cockburn: “Rumsfeld: His Rise, Fall, and Catastrophic Legacy“, Scribner, 2007.

[xxvi] Scott meint einen Austausch während der Iran-Contra-Anhörungen im Juli 1987 zwischen Oliver North, Jack Brooks und Daniel Inouye. Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, Seiten 184, 361.

[xxvii] Scott meint Alfonso Chardy, der zu der Zeit – Juli 1987 – Journalist beim Miami Herald war.

[xxviii] Vgl. Peter Dale Scott: “10-Year U.S. Strategic Plan For Detention Camps Revives Proposals From Oliver North” veröffentlicht am 21. Februar 2006 auf Pacific News Service unter: http://news.ncmonline.com/news/view_article.html?article_id=9c2d6a5e75201d7e3936ddc65cdd56a9

[xxix] Gemeint ist der Posse Comitatus Act.

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Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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