Wir sind enttäuscht

und das ist gut so. Lange genug haben die bigotten Vorzeige-demokraten westlicher Vasallenstaaten sich mit dem Heiligenschein der Demokratie geschmückt. Aus diesem ist nun ein großes Stück herausgebrochen und was dahinter zum Vorschein kommt, erfüllt jeden normalen Menschen mit Ekel.

Das unser Bundesaußenminister auf einen brutalen Diktator wie Mubarak Lobgesänge anstimmt, verwundert hierzulande niemanden. Das war zu erwarten. Aber dass sich sogleich der gesamte Chor europäischer Staatsmänner für einen Verbleib des Despoten im Amt ausspricht, das ist in dieser Form neu. Und es entlarvt einen wichtigen Mechanismus im Getriebe des Westens.

Repräsentative Demokratien sind nichts weiter als der Knüppel, mit dem der Westen die Völker dieser Welt selbstgerecht zu Boden drischt, um anschließend einen Tyrannen seiner Wahl dort zu inthronisieren, damit dieser die dortigen Bodenschätze den rohstoffhungrigen Industriestaaten zuschustert, dabei sein eigenes Volk bis aufs Blut ausbeutet und einige wenige Konzerne reich macht. Das ist der Sinn und Zweck heutiger Demokratien. Deshalb bleibt Karzai, der Wahlfälschung überführt, dennoch im Amt. Deshalb herrscht in allen arabischen Staaten eine Diktatur. Das schafft Stabilität und ein perfektes Feindbild für die eigene, industrialisierte Bevölkerung zu Hause. Oder, um es mit den Worten von Volker Pisper zu umschreiben: „Wenn man morgens weiß, wer der Bösewicht ist, dann ist der Tag strukturiert.“ Und jetzt kommen auf einmal die Ägypter und versuchen sich an einer echten Demokratie. Wie peinlich für all die diplomatischen Grüßonkel, die jetzt mit heruntergelassener Hose vor der Weltöffentlichkeit stehen. Keine Sorge, die werdens überleben, die kennen kein Schamgefühl.

Vielmehr haben sich unsere Regierungen als willige Steigbügelhalter der Waffenlobby erwiesen. Alleine im Jahr 2009 war Ägypten das größte Empfängerland für deutsche Waffenexporte. Unter deutschen Regierungen wurden an das ägyptische Terrorregime Waffen im Wert von 77,5 Millionen Euro geliefert. Die mindestens einhundert erschossenen Demonstranten in Kairo sind Opfer der 884 Maschinenpistolen aus Deutschland, der Name Heckler&Koch taucht in diesem Zusammenhang nicht ein einziges mal in den Medien auf. Auch das tunesische Regime konnte jahrelang auf die Deutschen zählen. Im Zeitraum 2005 bis 2008 hatte die deutsche Regierung Diktator Ben Ali Sammelausfuhrgenehmigungen mit mehrjähriger Geltungsdauer zugeschanzt. Unter Rot Grün war die Zahl der Rüstungsexporte sogar angestiegen. Die einstigen Müslis im Bundestag haben ihre Scheu vor Waffen offenbar verloren. Ob Korvetten für Südafrika, Panzer für Arabien oder Maschinenpistolen für die Südsee, die grünen Friedensengel haben die Exportzahlen regelrecht nach oben geschraubt. Genauso, wie sie damals auch den Afghanistaneinsatz abgenickt hatten. Nun signalisieren unsere Volksvetreter gen Ägypten die Bereitschaft, Mubarak in Deutschland aufnehmen zu wollen, und sei es nur, um den Diktator einmal ordentlich im Heidelberger Klinikum zu warten. Und dann, mit frischem TÜV , ab nach Saudiarabien, wo Gleichgesinnte bereits die Türe aufhalten. Araber gelten als gastfreundlich. Aber auch die US Regierungen von Bush bis Obama haben die Diktaturen in Tunesien und Ägypten mit Geld und Waffen unterstützt, der CIA unterhielt bis zuletzt Folterzentralen in beiden Ländern.

Als der moppelige Mappus letztes Jahr in Saudiarabien zu Besuch war, befragte man ihn dort ebenso höflich wie verwundert zu den Vorgängen um die Proteste gegen Stuttgart 21. Moppelchens Antwort lautete: „Wir bewundern, mit welcher Schnelligkeit Sie Projekte angehen und realisieren“. Alles klar. Wenn man sich die Zitate deutscher Volksvertreter zur Person Husni Mubarak ansieht, kann einem genauso schlecht werden. So entblödete sich Westerwelle nicht, den Despoten als einen „Mann großer Weisheit mit einem festen Blick für die Zukunft“ zu bezeichnen. Genauso wie Bunga Bunga Berlusconi, der seinen Haustauben jede Nacht neue Gummistiefel verpasst. Und Walter Steinmeier freute sich 2008 sehr auf den Besuch von Präsident Mubarak, den er, seinen eigenen Worten zufolge, als erfahrenen und klugen Gesprächspartner schätzt. Oder Angela Merkel, die 2006 verkündete: „Ich glaube, wir dürfen sagen, dass unsere bilateralen Beziehungen exzellent sind. Wir haben vor allen Dingen auch viele gemeinsame strategische Interessen.“ Oder hier: „Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Freund, zu Ihrer Wiederwahl zum Präsidenten der Arabischen Republik Ägypten gratuliere ich Ihnen von ganzem Herzen.“ Das war der Gerhard Schröder im Jahre 2005. Wenn man bedenkt, was Mubarak für ein Riesenarschloch ist, verwundert es nicht, warum deutsche Politiker sich so gut mit dem Mann verstehen.

Der Sinn der ganzen Übung: Stabilität. Und Stabilität bedeutet in diesem Zusammenhang Stillstand. Denn wenn sich die Schwellenländer dieser Welt zu demokratisch entwickeln, bringt das Probleme mit sich, für uns, hier im warmen Westen. Würde beispielsweise Ägypten der Wandel zu einer echten Demokratie gelingen, so müsste Israel seine Haltung zum Nahost Friedensprozess neu überdenken. Solange der Magreb brennt ist an Sicherheit für Israel nicht zu denken, jenem Land, das sich immer wieder um einen Frieden mit seinen arabischen Nachbarn gedrückt hatte. Die Cables haben es erst vor kurzem enthüllt. Israel war von palästinensischer Seite jedes nur erdenkliche Zugeständnis auf dem Goldtablett serviert worden. Die israelische Regierung hingegen ließen die Offerten kalt. Weshalb 90 Prozent akzeptieren, wenn man 100 Prozent haben kann. Hinzu kommen ständige Konflikte mit den Nachbarstaaten Syrien und Jordanien. Sollte Israel nun tatsächlich Frieden schließen und einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 anerkennen, damit andere nicht die Grenzverläufe davor auf die Tagesordnung heben, dann entstände eine interessante Konstellation im Nahen Osten. Während die arabischen Nachbarn auf riesigen Mengen von Öl sitzen, verfügen die Israelis über das technische Know How und die notwendigen Gelder, um all das kostbare Schwarzgold zu fördern. Wer außen vor bliebe, dass wären die Amerikaner. Auf die wäre dann niemand im nahen Osten mehr angewiesen. Für die USA eine alptraumhafte Vorstellung, genauso wie für die derzeitigen Öllieferanten der USA aus dem arabischen Raum. Denn wenn der große Bruder im Westen zu stürzen begänne und mit ihm der Dollar als Leitwährung, dann wären auch all die Ölscheichs auf einen Schlag pleite, deren Barrelpreis unmittelbar an das Wohl des Dollars gekoppelt ist.

Fazit, wir werden regiert von Menschen, die sich in aller Öffentlichkeit mit Verbrechern gemein machen. Wer unmenschliche Diktaturen in aller Welt mit Geld, Waffen, Ausrüstung und Know How unterstützt, kann keinem weiß machen, dass er hier in Deutschland für eine lupenreine Demokratie einsteht. Im Gegenteil. Wenn auch hier in Deutschland Hungeraufstände losbrechen und die Menschen auf die Straße gehen, dann ist nicht auszuschließen, dass auf die Demonstranten über kurz oder lang auch scharf geschossen werden wird, solange die kritische Masse an demonstrierenden Menschen nicht erreicht ist. Erst dann wird sich die Armee wieder in ihre Kasernen zurückziehen. Eine Million Demonstranten zu erschießen, soviel Munition passt in keine Kaserne. Dann erst kann echte Demokratie herrschen.

Quellennachweis und weiterführende Links:

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
Dieser Beitrag wurde unter Auslaufmodelle, Gefahren im Alltag, Nachdenkliches, Optimistisches, Politisches, Wütendes abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Wir sind enttäuscht

  1. Pingback: Anonymous

  2. Allinator schreibt:

    Toller Bericht. Danke dafür.🙂
    Ich kann diese ganzen Scheindemokraten auch nicht mehr abhaben. Die kotzen mich sowas von an.

    • Platon schreibt:

      Dem kann ich mich nur anschließen! Danke auch für den Bericht und für die ganzen Fakten des scheinheiligen Verhaltens vieler Politiker. Fakten, die in dieser schnelllebigen Zeit leider wohl viel zu schnell verloren gehen, weil es ja leider längst zum Alltag so mancher Politclowns gehört.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s