Durch Armut in den nächsten Krieg

Die gigantische Geldumverteilung der letzten Jahre von unten nach oben dient nicht nur dem Zweck, die unermesslich reiche Geldelite noch unermesslich reicher zu machen.

Einer der Hauptgründe dürfte die vollkommene Entmachtung der Menschen auf diesem Globus sein. Wer über Vermögen verfügt, kann sich gute Anwälte leisten, Behörden schmieren und Lobbyisten an den wichtigen Stellen installieren. Das hebt das Selbstbewusstsein. Anders hingegen Armut. Wer sich sein Recht nicht erkaufen kann, der bekommt auch keines. Wer sich seine Bildung nicht erkaufen kann, der bekommt auch keine Bildung. Und wer keine Abgeordneten kaufen kann, der kann auch keine eigenen Interessen durchsetzen. Ein Volk wird willenlos und gefügig gemacht, indem man es so radikal wie möglich verarmt.

Krieg kostet Leben – und Geld

Wer Angriffskriege führen und erobern will, wer fremde Kulturen wie in vergangenen Jahrhunderten kolonialisieren will, um deren Rohstoffressourcen auszubeuten, der benötigt dafür zweierlei. Erstens Geld für Waffen, zweitens Soldaten, die die Waffen bedienen während sie selbst zu Kanonenfutter herunterkommen. Das notwendige Geld für all die Waffen, die den Weg zu einer neuen Weltherrschaft ebnen sollen, haben die Verantwortlich inzwischen dank der Bankenrettungen der letzten zwei Jahre.

Was fehlt sind Soldaten

Ja, es mag sie tatsächlich geben, jene Männer und Frauen, die Kampfeinsätze im fernen Ausland als spannendes und romantisch verklärtes Abenteuer begreifen. Die den Tod an der Front suchen, um echte Kameradschaft zu erfahren und lernen wollen, ihr Augenmerk endlich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu richten. Aber wieviele mögen das wohl sein. Wer ist schon so blöde, jenes entwürdigende Gemetzel zu suchen, das ihm den Tod und anderen Macht beschert? Das wäre wohl ein recht verlorenes Häufchen von Spinnern, das auf diesem Wege zusammenkäme. Anders hingegen stehen die Chancen, wenn ein Großteil aller Bevölkerungsteile so sehr verarmt ist, dass viele von ihnen gar keinen anderen Ausweg mehr sehen, als in den Militärdienst einzutreten. Eine, zur Berufsarmee umfunktionierte Bundeswehr, kommt diesem Ziel bereits sehr nahe. So wie auch in den vereinigten Staaten die Friedhöfe sich füllen mit den Leichen all der sozialen Underdogs, die den Rekrutierungspropagandisten der US- Armee auf den Leim gegangen sind, da sie keine anderen Zukunftschancen mehr für sich sahen, als in den Armeedienst einzutreten. Da hat man drei Mahlzeiten am Tage, alles ist straff aber sinnvoll organisiert, das Bett ist nicht allzu weich, dafür aber die Decke warm. Man gehört einem anerkannten Kollektiv an und wird in seiner Ausgehuniform beim Autostop per Daumen deutlich schneller mitgenommen als die Konkurrenz in Jeans und T- Shirt. Der Rest ist Verdrängungsarbeit im Akkord.

Rattenfänger

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch an unseren Schulen schneidige Offiziere auftauchen und Hochglanzbroschüren verteilen, in denen perspektivlosen Jugendlichen eine sichere und strahlende Zukunft vorgegaukelt wird um die Reihen der neu gegründeten Berufsarmee zu füllen. Angriffskriege werden das Brot der Zukunft für unsere Jugend werden, genauso wie deren Grabstein und das Ende der freien Gesellschaft, in der wir noch aufwachsen durften. Wer über dreissig ist, wird sich daran erinnern, dass es auch anders geht. Wer hingegen unter zwanzig ist, wird es als selbstverständlich hinnehmen, dass Massenmord in fernen Ländern unser täglich Brot sein wird.

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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4 Antworten zu Durch Armut in den nächsten Krieg

  1. falk von morgen schreibt:

    wenns nach marx geht, dann läuft alles planmäßig. denn entgegen der „öffentlichen meinung“ (die ja geprägt ist von der bürgerlich gesteuerten presse) entwickelt sich der kommunismus ganz von selbst aus dem entwickelten kapitalismus, der sozialismus ist nach marx nur eine kurze übergangsphase.
    auch die globalisierung ist wesentlich, sie ist laut marx DIE voraussetzung für den gesellschaftlichen fortschritt. ohne globalisierung kann es keine weltrevolution geben.
    nur: alle stellen sich eine revolution so vor, wie sie bislang sämtlich gescheitert sind: mit barrikaden, mit helden, mit blut und gewalt.
    nein. das ist nur eine romantische idee. weil action=reactio kann eine revolution im wortsinne (fortschritt!!) unter waffen niemals funktionieren.

    die widerlegung der marxschen ideen ist deutlich gescheitert. da hat der deutsche kaiser etliche millionen geopfert und damit die „große sozialistische oktoberrevolution“ finanziert… da haben westliche konzerne den ostblock nach dem krieg stark gemacht, alles nur, um die „kommunistische gefahr“ an die wand zu malen!

    was all diese geldspinner nicht für wahr haben wollen: der lauf der welt ist mit allem geld und mit aller menschlichen macht nicht aufzuhalten. man kann verzögern und man kann kurzzeitig auch anhalten… es ist, als würden 20 männer versuchen, den bach zu stoppen, aus dem irgendwann die donau wird. und wenn es die 20 reichsten männer der welt wären, der bach läuft weiter.

    es ist auf der anderen seite aber auch so, wie ein sprichwort sagt: das gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

    lassen wir uns also überraschen🙂

  2. Platon schreibt:

    Wo wir in einem Befreiungsprozess genau stehen, insofern es einer ist, das weiß ich nicht, das weiß wohl kaum jemand genau zu sagen. 200 Jahre Aufklärung sind ja auch noch gar nicht so viel gegenüber einer so lange währenden Phase der Unterdrückung der Freiheit in einem absolutistischen Machtsystem über Jahrtausende hinweg. Es ist ja völlig richtig, die Unterdrückungs- und Propagandamechanismen funktionieren auch heute noch viel zu gut. Hinzu kommt die Macht der modernen Medien, die vor allem der Manipulation Vorschub geleistet hat. Was ja schon vom alten Kaiser schnell erkannt und umgesetzt wurde.

    Ich sehe es auch so, dass wir uns bereits längst in einem Kriegszustand befinden. Ein gegenüber früheren Zeiten aber ganz anders gestalteten Krieg, in dem es nicht mehr nur um nationale Befindlichkeiten und um Grenzen und Eroberungen geht, es ist wohl eher ein Krieg um die Meinungsführerschaft, denke ich. Es wird ja versucht, möglichst eine neues ideologisches Feindbild zu installieren. Die alten Eliten haben natürlich auch durch den Zusammenbruch des Gegensystems Kommunismus, und durch die dadurch enstehende ideologische Leere Morgenluft gerochen. Zweifellos befinden wir uns in einer Phase, in der die Restauration der absoluten Macht alter Zeiten versucht wird. Das sehe ich auch so. Es ist aber gerade der daraus enstehende Größenwahn, der Realitätsverlust, wie es schon so oft war bei den Eliten, der wohl auch erneut zu revolutionären Zuständen führen wird und führen muss.

    Wenn man die Geschichte der USA von ihren Anfängen aus genau studiert, dann ist die Instabilität des angelsächsisch geprägten Kapitalismus ja schon immer sichtbar gewesen. Es gab immer wieder periodische Zusammenbrüche im Banken- und Wirtschaftssystem, in erstaunlich kurzen Abständen sogar. Auch zu den Zeiten der Silber- oder Golddeckung gab es das schon. Hier war wohl gerade der Krieg sicherlich in der Krise immer ein sehr wichtiger Regulator. Durch die große Kriegsbegeisterung in Europa haben ja gerade Großbritannien und die USA am meisten profitiert, das hat sie im Endeffekt ja erst so groß und so mächtig gemacht. Sie konnten davon lange Zeit sehr stark profitieren, nicht zuletzt natürlich durch wirtschaftssteigernde Rüstungsexporte oder durch die Ausbeutung der Kolonien. Auch heute wird natürlich durch die aktuellen Angriffskriege wieder versucht, den Krieg als Regulator für die Wirtschaftskrise zu gebrauchen. Aber ob sich das wirklich für die Eliten rechnen wird? Ich bezweifle das stark, und es sieht im Moment ja auch nicht danach aus.

    Ich bin mir längst nicht sicher, ob das alte Krisenmanagement der Eliten heute noch genauso funktionieren kann wie früher. Es sieht eher nicht danach aus, denn weder reicht die ideologische Strahlkraft des Terrorismuskonzeptes als Kompensation für den Kalten Krieg aus, noch läßt sich ein möglichst profitabler Krieg so einfach ausweiten, wie das in früheren Zeiten noch möglich gewesen war. Die millitärische Macht ist, das glaube ich ganz sicher, viel fragwürdiger geworden als Mittel zum Krisenmangement in den ganz natürlichen Krisen des Kapitalismus. Europa ist ja ebenfalls nicht mehr dermaßen in Kriege verstrickt wie es damals immer üblich war. Es ist generell unsicherer geworden in der globalisierten Welt. Das gilt wohl auch für die Mächtigen, die kein passendes Ersatzkonzept beherrschen, das langfristig auch funktionieren könnte. Nur die Idee einer möglichst umfassenden Weltherrschaft, das wird wohl auch nicht ausreichen, um diese auch nachhaltig begründen zu können. Eher sieht es so aus, dass die konkurrierenden Reiche schon in den Startlöchern stehen, um sich nach einem Niedergang des westlichen Systems möglichst autonom aufzustellen. Eher sieht es glaube ich nach einem Auseinanderdriften der Staaten und nach Neuorientierung nach der Zeit der Hegemonie der USA aus.

    Es wird wohl auf jeden Fall eine gravierende Veränderung im Weltgefüge geben müssen, denke ich. Wie diese Veränderung letztendlich aussehen wird und könnte, darüber kann man wohl nur spekulieren. Ob es auch gleich das Ende des Kapitalismus sein muss, das ist längst nicht sicher. Nicht zuletzt wird es aber sicherlich erneut an den normalen Bürgern liegen, deren Existenz ja letztendlich auch immer gefährteter werden wird, ob sie den immer dekadenter werdenden und immer größenwahnsinnger handelnden Eliten Einhalt gebieten werden oder nicht. Früher oder später wird es aber meiner Meinung nach gar nicht mehr anders gehen.

  3. falk von morgen schreibt:

    ich denke, dein denkansatz ist nicht falsch, aber auch nicht konsequent.
    wenn du mal geistig in den hubschrauber steigst und von oben auf unsere europäische geschichte hinunterblickst, wird dir schon bald auffallen, daß sich in unserer welt nicht viel verändert hat seit dem kaiserreich. nur die oberschicht besteht aus anderen leuten.
    wir tanzen nicht mehr zu blasmusik und der fernseher bestimmt die verhaltensweisen unserer kinder. das wars aber schon im groben.

    die aristokraten, die seinerzeit (vor 1918) nicht ihr gesamtes vermögen für gold und protz verpfändet haben, die besitzen heute noch „ihre“ ländereien und leben davon und die industriellen, die zuerst fürn kaiser, dann für den führer und danach für die amerikaner gesungen haben, die leben auch heute noch von der arbeit der armseligen, die ihre kraft und zeit billig verkaufen müssen.

    jetzt passiert nur folgendes: das geldreich ist erschüttert. die westlichen politiker haben sich hinreißen lassen, die regeln des geldmarktes zu lockern. und der krug geht solange zu wasser, bis er bricht.
    jetzt bricht er und die aristokraten stehen in den startlöchern, um es den geldschweinen heimzuzahlen. da ist noch eine große rechnung offen. nämlich die der entmachtung um 1918 rum.

    das geldsystem hat sich als nicht haltbar erwiesen. geld funktioniert in einer fest nach ideologischen werten gebauten gesellschaft ganz gut als hilfsmittel. mehr nicht.
    das (aktuelle) westliche system, das komplett dem geldvermehren untergeordnet ist, stürzt langsam, weil das geldsystem an sich keine reale basis besitzt.

    geldvermehren sei immer schon betrug und das leben zum zwecke des geldwerwerbes sei nicht lebenswert, so schrieb aristoteles🙂

    und auch die mittelalterliche kirche war klug genug, das geldvermehren zu verbieten. und sie war verlogen genug, um sich juden zu halten, denen man den wucher erlaubte und sie dafür anspucken ließ. daß bischöfe, könige und herzöge zu den großen kunden der juden gehörten, das sagte man dem volk nicht.
    es war schon immer der beste trick der herrschenden, diejenigen, denen sie wohlstand und erfolge verdanken, öffentlich als schlecht anzuprangern. und das volk war immer blöd genug, die lüge zu glauben. auch das hat sich bis heute nicht geändert.

    es wird krieg geben. soviel steht fest. aber es wird kein konflikt, der mit panzern und bombern ausgetragen wird. vielleicht sind wir bereits mitten im krieg? und wikileaks hat soeben eine schlacht gewonnen?
    wer weiß.

  4. Platon schreibt:

    Das wäre wohl das worst case aller Szenarien. Ich glaube nicht, dass es soweit kommt. Dafür gibt es meines Erachtens sogar mehrere Gründe. Die Bildung der breiten Massen hat in den letzten zwei Jahrhunderten stark zugenommen, was wohl im Nachhinein auch ein Verdienst des Kommunismus gewesen ist, in weiten Teilen der Erde. Die Geschichte der Kriege hat ebenfalls gezeigt, dass sich wesentliche Dinge verändert haben. Damit Kriege auch mit einer gewissen Legitmation geführt werden können, dafür muss es auch wahrhaft mächtige Vorbilder geben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Schafe, das Kanonenfutter, immer nur demjenigen folgen, der gerade die meinungsführende Macht hat, dessen Macht sie auch gerade anerkennen.

    Es reicht glaube ich nicht aus, einfach etwas zu befehlen, damit die Befehle auch auf Dauer befolgt werden. Auch der Sold allein oder nur das blanke Überleben ist dafür sicherlich kein Maßstab. Dafür muß auch klar sein, dass die tonangebende und kriegsführende Macht auch eine wirkliche Zukunftsperspektive hat, dass sie auch als wegführend von den Massen anerkannt wird. Eine Armee, die das nicht mehr erkennt, die den Glauben daran mehr und mehr verliert, die löst sich auch moralisch gesehen immer mehr auf, sie verliert mehr und mehr ihre Kampfkraft, bis sie völlig unbrauchbar wird, wie es am Ende des 1. WK ja auch massenhaft geschah.

    In der Russischen Revolution, das haben Untersuchungen gezeigt, war es schon so, dass die Soldaten sogar sehr oft die tonangebenden Autoritäten gewechselt haben. Mal wurde für den Zaren gekämpft, dann wieder für die Revolutionäre. Je nachdem, welche Seite gerade die beste Zukunftaussichten und Erfolge versprach. Eine andere Strahlkraft war natürlich die der ideologisch geführten Kriege, im Sinne eines Glaubensideologie wurde den Menschen eine Zugehörigkeit vermittelt. Hier ist ein Bruch deutlich zu sehen, die Zeit der Ideologien ist erkennbar vorbei, denn sie sind allesamt gescheitert und werden zu Recht hinterfragt.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich Kriege heute auch wirtschaftlich gesehen für den Aggressor nicht mehr lohnen, weil sie seine eigene Wirtschaft und damit den Zusammenhalt der Gesellschaft in den Abgrund zieht. Kriege waren schon immer teuer, aber das ist vor allem gerade durch die technische Weiterentwicklung immer gravierender geworden. Die napeolonischen Kriege haben damals ganz Europa ins Elend geführt, was dann am Ende ja auch für die damals sehr mächtigen Sponsoren galt, die auf diese Eroberungsfeldzüge gesetzt hatten. Das wiederum hatte maßgeblich dafür gesorgt, dass sich die amerikanische Hegemonie ausbilden konnte. Denn hier, in diesem neu enstandenen Kontinent, gab es noch eine unverbrauchte jungfräuliche Macht, die etwas anderes versprach als die Herrscher in Europa es vermochten. Eine Macht, die aber den Begriff der Freiheit, den die Aufklärung ja ins Bewußtsein der Menschen gebracht hat, letztendlich immer mehr auch für die eigenen Machtgelüste ideologisch und immer zerstörerischer mißbraucht hatte. Was aber nun auch dem Ende zugehen wird, umso mehr die Legitimation in Frage gestellt wird. Das Märchen vom Tellerwäscher ist wohl nun auch endgültig ausgeträumt.

    Was wir nun aber brauchen, das sind wohl ganz neue Visionen, so dass wir uns endlich abwenden von den alten Machtstrukturen. Dass wir den Mut besitzen, diese Ablösung zu vollziehen. Für ein ganz anderes und neues Zeitalter, dass auf den Trümmern des alten entsteht. Ich kann nur hoffen, dass sich das Augenmerk vieler Menschen nun mehr und mehr darauf richten wird, anstatt dass wir uns noch länger von der Angstkultur der Mächtigen weiterhin blockieren und einschüchtern lassen.

    Die bedeutendsten Wirtschaftskrisen und die Zusammenbrüche im Geld- und Finanzssystem innerhalb des Kapitalismus wurden ja gerade durch die großen Kriege ausgelöst. Im High-Tech-Zeitalter sind Eroberungskriege obendrein obsolet geworden, weil die Kosten-Nutzen-Relation nicht mehr stimmt.. Es ist heute auch nicht mehr möglich, wie zu den Zeiten des alten Roms, andere Reiche zu erobern und dadurch nachhaltig zu profitieren. Auch hier hat sich die High-Tech-Entwicklung letztendlich sogar gegen die Kriegsführenden gewandt. Es würde heute nur noch Verlierer geben in einem großen Weltkrieg. Große Armeen bedeuten heute nicht mehr viel im Zeitalter der Atombombe und der heutigen Möglichkeiten zur Zerstörung. Damit kann man heute allenfalls noch Dritteweltländer beeindrucken, bei denen wiederum eine Annektion keine wirklich nachhaltigen Vorteile bringt. Das hatte sich auch schon im 20. Jahrhundert und insbesondere im ersten großen Krieg des 20. Jahrhunderts gezeigt, dass die früher immer so wichtigen Fußsoldaten immer weniger ausrichten.

    Dieses Szenario hat glaube ich zum letzten Mal im Dreißigjährigen Krieg funktioniert, mit dem damals noch anerkannten Überbau der Ideologie der Religionen und mit der immer noch unangefochtenen Macht der absoluten Herrscher, was vor allem aufgrund des starken Bildungsgefälles im Volk möglich war. Heute ist das so aber nicht mehr möglich, denke ich. Eine Macht, die heute mehr und mehr die vormals anerkannte Legitimation verliert, die steht auf tönernen Füssen. Da nützt auch keine noch so starke millitärische oder diktatorische Macht mehr etwas, was das Beispiel der UDSSR und deren Zusammenbruch ja deutlich gezeigt hat. Es werden sich Risse bilden innerhalb dieses Machtsystems, die Herrschaft wird damit immer weniger Strahlkraft haben, der ideologische Damm gegen das Volk wird früher oder später zerbrechen. Die Risse werden schon jetzt immer größer.

    Das amerikanische Jahrhundert, dieses letzte Weltreich, geht allmählich dem Ende zu. Mit dem Schwund der Legitimation der bedeutenden angelsächsischen Reiche, die so lange dominiert haben, wird ein neues Zeitalter anbrechen müssen. Das Problem ist, dass wir nach der langen Zeit der konkurrierenden Reiche und Machtblöcke noch kein wirkliches Konzept entwickelt haben, wie das Zusammenleben der Völker anders gestaltet werden kann als über Macht der Ideologien oder über die absoluten Herrscher. Die Welt wächst erkennbar zusammen, das ist ein schleichender Prozess, den es in der Geschichte so nie gegeben hat. Was, glaube ich, noch nicht so wirklich von den meisten Menschen erkannt und verstanden wird, was gerade hier für eine Umwälzung passiert, und wahrscheinlich wird das erst recht noch nicht von den Mächtigen selbst erkannt. Im Zeitalter von Wikileaks verlieren sie jetzt außerdem auch endgültig den Vorteil der Anonymität und die Möglichkeit zur Vertuschung der eigentlichen Machtstrukturen und der Organisation und der Manipulation der Massen.

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