hab da mal ne Frage Jesus


Zur Weihnachtszeit ein offener Brief an Gottes Sohn

 

etwas stimmt nicht mit dieser, unserer Welt und ich habe den Verdacht, Du könntest mir sagen, woran das liegt. All Deine Worte, was ist aus ihnen geworden? Das Himmelreich hast Du uns Menschen versprochen und was haben wir bekommen? Die Kirche.

Die Letzten werden die Ersten sein, so sollst Du gesagt haben und ich stimme Dir zu. Die Letzten sind in der Tat die Ersten, die ersten, die zugrunde gehen. Und das schon seit Menschengedenken. Stets verliert der Bessere, wenn der Schlechtere zuschlägt und keine göttliche Hand entwächst den Wolken, um das Lot der Menschheit wenigstens ein bisschen gerade zu rücken.

Da könne man nicht Gott die Schuld für geben, das würdest Du an dieser Stelle sicher antworten. Und Du hast recht, das war der Deal. Es gibt nichts, was uns Menschen nicht erlaubt wäre, nur für die Folgen müssen wir selber gerade stehen. Klingt ziemlich fair, zugegeben. Nur wird es uns den Kopf kosten. Aber was ist nun mit Deinem Versprechen an die Menschheit? Wird nun alles gut oder nicht?

Kann es sein, dass Du Lieferschwierigkeiten hast mit all dem vielen Glück, auf das wir schon so lange warten, wie uns davon erzählt wurde. War eine derartige Lieferung in Wirklichkeit gar nie vereinbart? Sind wir womöglich der Marketingstrategie einer sehr sehr alten Firma auf den Leim gegangen, die seit Jahrtausenden ausgezeichnet von unserer Gutgläubigkeit lebt? Im Moment jedenfalls ist nur wenig zu sehen von einem Himmelreich, irgendeiner göttlichen Fügung, außer vielleicht im Kleinen. Ein Hund vielleicht, der von selbst zurückkehrt, ein lachendes Kind und eine alte Frau, zutiefst gerührt von diesem Anblick. Vielleicht lebt irgendwo auf dieser Welt ein Soldat, der ausnahmsweise einen unterlegenen Feind am Leben lässt. Diesen nur entwaffnet und davonjagt, statt ihn, wie üblich, in Fetzen zu schießen.

Da sitzen wir nun, wir Erdenkinder, inmitten unserer Lebenswirklichkeit und warten sehnsuchtsvoll darauf, dass sich etwas ändert, zum Guten wendet und Erhabenes gebären möge. Hoffen vielleicht insgeheim, dass jenen Mächtigen, die uns tagtäglich flächendeckend den Alltag versauen, vielleicht doch noch ein letzter Rest an Menschlichkeit innewohnen möge. Dass sie ihre Macht nur benötigen, um Gutes zu tun und deshalb Schlechtes nur tun, um Macht zu gewinnen. Dabei ist jene Plutokratie, die uns da drohend das Haupt entgegenreckt, nichts anderes als die Angst der Mächtigen vor dem Wandel. Und, damit verbunden, deren Wunsch nach gesellschaftlicher Stasis, da nur das Unbewegte sich präzise vorausberechnen lässt. Das Kastenwesen ist es, was sie wünschen. Nicht das freie Wachstum des Geistes, welches sie stattdessen fürchten und mit wucherndem Geilwuchs vergleichen. Was Wunder auch. Hin und wieder nämlich verrutscht jene Decke, mit welcher das Feuer unseres Geistes erstickt werden soll. Luft gerät an die Glut und das Feuer lodert hell auf, taucht all das erbarmungslos ins Licht, was vor uns verborgen werden sollte und nun, peinlich offen, freiliegt.

Vielleicht, lieber Jesus, kannst Du alle Menschen als das zeichnen, was sie sind. Lumpen als Lumpen, Heuchler als Heuchler und Gerechte als Gerechte. Erst dann, wenn aus dem teuren Nerz unten das Blut herausläuft, werden wir daran erinnert, was wir schon immer wussten: “Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, dank jener Prämisse, die da lautet: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“.

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Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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4 Antworten zu hab da mal ne Frage Jesus

  1. denkbonus schreibt:

    Von allen Sprichwörtern Kästners ist das wohl eines der anstrengendsten, da es unbarmherzig einen jeden auf sich selbst zurückwirft. Aber er hat recht. Meckern ist nichts, handeln ist alles. Na,dann lasst uns mal die Welt retten🙂

  2. Observator schreibt:

    „Sehnsuchtsvoll warten“ hat noch nie etwas gebracht. Wie sagte Kaestner: „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es!“

  3. Daniel schreibt:

    Hallo denkbonus, Jesus von Nazareth war vermutlich ein radikaler politischer Aktivist, wie dieser Text nahelegt: http://notmachterfinderisch.twoday.net/stories/11501901/
    Grüße

  4. armin schreibt:

    Tatsächlich hat Jesus die Menschen gekennzeichnet, die Pharisäer, Heuchler und vor allem sein Auftritt im Tempel, wo er die Geldwucherer und Ablasshändler rausschmiß mit den Worten: Ihr habt das Haus meines Vaters in eine Räuberhöhle verwandelt!
    Die Banker und ihre Hintermänner haben diese Erde in eine Räuberhöhle verwandelt.
    Dagegen hat er die einfachen Menschen wie die ehebrecherin mit Respekt behandelt:
    Ich verurteile dich nicht, gehe hin und sündige= mache keine Fehler mehr.
    Der Kern seiner Lehre, den natürlich die Kirche nicht lehrt, war: ihr seid keine Opfer eines herrschsüchtigen Gottes, ihr seid Kinder Gottes – der Schöpfung und ihr habt die Macht zu heilen und die dinge zu ändern.
    Die Kirche hat etwas raffiniertes gemacht, indem sie Jesus auf den Sockel“Sohn Gottes“ stellten und sich als Vermittler anpriesen, gleichzeitig alle wahren Nachfolger Jesu verfolgen und mundtot machten.

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