Die globalisierte Welt aus Sicht eines fiktiven Fischwirtes

Immer wenn er seine Fischbestände kontrollierte, machte er eine auffallende Entdeckung. Während einige seiner Fische mit jedem Tag wuchsen und gediehen, schien bei anderen das Gegenteil der Fall zu sein. Sie kümmerten vor sich hin, wuchsen nur sehr langsam und waren insgesamt anfälliger für Krankheiten wie Parasiten- und Pilzbefall. Auffallend zudem, dass diese Entwicklung in seinen Fischteichen zunahm, je älter die Fische wurden.

Kurz vor der Ernte waren dann ungefähr noch zehn Prozent der gefangenen Fische wirklich lohnende Fänge, der Rest beschied sich auf durchschnittliche bis kleine Größenformate.

Die aggressiven Fische machen das Rennen

Der Fischwirt stöberte in unterschiedlichen wissenschaftlichen Publikationen, um mehr darüber zu erfahren und erinnert sich zudem an seine Ausbildung. Die Erklärung war denkbar einfach. Fische ein und derselben Gattung zeigen stets ein unterschiedlich aggressives Fressverhalten. So trennen sich bereits während der Kindertage die aggressiveren von den friedlicheren Exemplaren. Während die friedlichen sich zurückhaltender im Wettstreit um das Futter zeigen und daher weniger davon abbekommen, mästen die aggressiveren Artgenossen sich dafür umso hemmungsloser und legen entsprechend schnell an Umfang zu. Dies wiederum versetzt sie in die Lage, ihren Futteranspruch noch effizienter gegen die mageren Kollegen durchzusetzen, mit dem oben beschriebenen Ergebnis.

Die Lösung: Politik

Um überleben zu können, muss ein Fischwirt wirtschaftlich denken. Unserer hat nun zwei Möglichkeiten:

  1. Er kann das Futter gerecht auf alle Fische verteilen, damit alle die gleichen Wachstumschancen haben. Dies erfordert einen größeren Aufwand, muss er doch irgendwie aggressive und friedliche Fische voneinander trennen, damit alle diesselben Chancen haben. Das Ergebnis wäre ein Teich voller mittelgroßer Fische.
  2. Er kann ganz gezielt die aggressiveren Fische bevorzugen, beispielsweise, indem er regelmäßig deren zurückgebliebene Kollegen abfischt und selbst verwertet. Anstelle vieler kleiner Exemplare erhielte er so eine begrenzte Menge stattlicher Großexemplare, die insgesamt weniger Arbeit verursachen als ein großer Schwarm und sicherlich zu guten Preisen ihren Weg zum Käufer finden würden.

Unser Mann entschied sich daher für die zweite der beiden Lösungen. Er reduzierte die Fischbestände in seinen Teichen und verbesserte ganz gezielt die Versorgung der dicken Fische mit dem Ziel, irgendwann einmal möglichst viele, möglichst dicke Fische in seinen Teichen zu beherbergen. Der Erfolg gab ihm recht. Nach zwei weiteren Saisons waren kaum noch kleine Fische zu finden, dafür gingen ihm nun des öfteren die dicken ins Netz.

Zurück in der Wirklichkeit

Störend nur für ihn, dass im selben Zuge auch die Weltmarktpreise für Fisch einknickten, da der Markt mit immer mehr großen und prächtigen Exemplaren überflutet wurde. Darunter die seinen, von denen er sich im Vorfeld bei weitem höhere Gewinne versprochen hatte. Aber er schwamm im Trend, kleine Fische fanden schon seit geraumer Zeit kaum noch Abnehmer. Alles hätte also gut werden können, indess der Steuerbescheid vom Finanzamt und beraubte ihn seiner Illusionen. Dort hatte man Anzahl und Höhe seiner Verkäufe an der Fläche seiner Teiche errechnet und nicht anhand seiner Futterverteilung. Und nicht nur der Steuerbescheid raubte ihm den Schlaf, sondern vor allem der Umstand, dass ihm im Ausland immer größere, mächtigere Konkurrenz erwuchs. Riesige Fischfarmen mit ausgeklügelten Teichsystemen warfen Unmengen ebenso günstiger wie auch prachtvoller Exemplare auf den Markt und die Verbraucher hatten sich schnell entschieden, räumten der ausländischen Konkurrenzware den Vorrang ein. Seine Umsätze begannen zu fallen während die erstarkende Konkurrenz in zunehmendem Maße den Markt aufzurollen begann. Sorgenvoll kräuselte sich seine Stirne. Er hatte getan was er konnte und was er musste, um zu überleben. Dennoch wollte es nicht gelingen. „Man müsste es diesen Fischkonzernen mal so richtig zeigen,“ sagte er zu sich selbst. „Aber was sollte er dagegen tun? Er war ja nur ein kleiner Fisch.“

 

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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