Assange 21

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Das Schauspiel um den WikiLeaks- Frontman, welches sich dem aufmerksamen Beobachter derzeit bietet, erinnert an die Schlichtungsgespräche um Stuttgart 21. Wie seinerzeit auch bei den S21- Betreibern besteht offenbar keine Friedenspflicht für die USA, die weiterhin mit Mordaufrufen und fadenscheinigen Spionagevorwürfen gegen Assange lautstark durch die Zeitgeschichte rumpeln.

Dann dieser absurde Vergewaltigungsvorwurf, demzufolge Assange zwei Frauen vergewaltigt haben soll, weil beim einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit einer der beiden sein Präservativ den Geist aufgegeben haben soll. Anschließend prahlte die Vergewaltigte mit ihrem prominenten Vibrator in Männergestalt auch noch laut im Freundinnenkreis herum und veranstaltete zu dessen Ehren eine Langustenparty.

Danach muss wohl eine äußerst zwielichte Gestalt mit amerikanischem Akzent und, wie ich vermute, einem Scheck an die beiden Mädels Anna Ardin und Sofia Wilén herangetreten sein, um sie zur Anzeige gegen Assange zu bewegen. Mit Erfolg, wenngleich das Ganze, um dem Vorwurf falscher Verdächtigungen zu entgehen, als Ratsersuchen bei der schwedischen Behörde getarnt worden war. Warum eigentlich hat Alice Schwarzer sich noch nicht zu ungunsten Assanges ausgesprochen? Schließlich besitzt dieser etwas, was sie nicht hat, worüber sie angeblich froh sein soll. Aber so sieht aufgeklärter Feminismus nun mal aus in einer Welt, in der immer mehr Frauen Freude daran haben, Männer anhand falscher Verdächtigungen vor Gericht zu bringen, um sich an ihnen entweder zu rächen oder zu bereichern.

Die Weltöffentlichkeit indess steht ganz eindeutig hinter Assange. Und muss daher beruhigt werden. Das übernimmt unter anderem der australische Außenminister Kevin Rudd, indem er den USA bescheinigt, dass diese ganz alleine Schuld seien an dem Datenleck und künftig gefälligst besser darauf verzichten sollten, ihre vertraulichsten Daten mehr als einer Million Mitarbeitern zugänglich zu machen. Sein Parlamentskollege, der ehemalige Premierminister John Howard unterstützt diese Sichtweise. Zudem habe Assange niemals eine Schweigeverpflichtung unterschrieben wie ein jeder Botschaftsangehörige und sei daher auch nicht dazu verpflichtet. Die Masse atmet auf, wird ja vielleicht doch noch alles gut werden? Auch Reporter Ohne Grenzen bezieht eindeutig Position für WikiLeaks und es kommt noch dicker. Sogar die UNO- Hochkommisarin für Menschenrechte Navanethem Pillay nimmt, gemeinsam mit UNO- Generalsekretär Ban Ki-moon, den heutigen zehnten Dezember als Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet worden war, zum Anlass, um der freien Meinungsäußerung erneut den Rücken zu stärken. Also wenn das nicht die erhitzten Gemüter schlichtet, was dann.

Allerdings hat der Untersuchungsrichter Howard Riddle eine Freilassung gegen Kaution für Assange abgelehnt, nach dem dieser sich aus freien Stücken heraus der Polizei gestellt hatte. Die Begründung des Richters ist schlichtweg albern. „Er habe Grund zu der Annahme, dass der Netzaktivist zu weiteren Befragungen sonst nicht mehr erscheinen würde“. Offenbar hat Richter Riddle ebenfalls Besuch von oben bekommen und beugt sich daher gehorsam dem Willen der USA. Allerdings wird es nicht einfach werden, den Inhaftierten an Schweden auszuliefern, was den Menschenjägern aus den USA nun wieder mehr Zeit verschafft, ebenfalls eine Begründung zu schmieden, die ihnen Assanges per Auslieferung dann doch noch irgendwie in die Hände spielt. Also wird nach wie vor weiter gebaut und gebaggert, um beim Beispiel Stuttgart 21 zu bleiben.

Alter Schwede, wer hätte je gedacht, dass die Staatsanwältin Marianne Ny aus Göteborg sich soweit erniedrigen lassen würde, entgegen jeglicher rechtsstaatlicher Werte und Normen, eine Strafanzeige mitsamt Interpolfahndung gegen Assange zu veranlassen. Während im australischen Brisbane hunderte von Menschen für die Freilassung Assanges auf die Straße gehen, muss sie nun ihren schlechten Ruf abarbeiten, den sie sich mit dieser Aktion wohl dauerhaft versaut haben dürfte. Und dass auch Firmen wie Amazon, Pay Pal und Visa sich von US- Diplomaten unter Druck setzen lassen, beschert deren Konkurrenzunternehmen jetzt erfreulichen Zulauf. Den USA ist dies egal, sie wollen Assange und sie werden ihn, Menschenrechtserklärung hin oder her, mit derselben Wahrscheinlichkeit in die Finger bekommen, mit der auch Stuttgart 21 gebaut werden wird. Damit wird Assange, der seit seiner Inhaftierung nun nicht mehr für die noch erscheindenden Leaks verantwortlich gemacht werden kann, zum Märtyrer, ohne dass die USA davon auch nur den geringsten Vorteil hätten. Denn Assange ist nur das Gesicht, nicht jedoch der Kopf von WikiLeaks. Dieser verteilt sich über hunderte von Köpfen, die nun erst recht fröhlich weiterleaken werden.


Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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Eine Antwort zu Assange 21

  1. mARTina schreibt:

    Hm, insgesamt finde ich den Artikel – wie einige andere die ich vorher hier las auch – gut. Nur hier den Abschnitt verstehe ich nicht:
    Zitat:
    „Warum eigentlich hat Alice Schwarzer sich noch nicht zu ungunsten Assanges ausgesprochen?“
    Vielleicht ja deswegen, weil sie mit ihm sympathisiert? Ihn für unschuldig hält. Abwarten will wie die weitere Entwicklung sein wird?
    Zitat:
    „Schließlich besitzt dieser etwas, was sie nicht hat, worüber sie angeblich froh sein soll. Aber so sieht aufgeklärter Feminismus nun mal aus in einer Welt, in der immer mehr Frauen Freude daran haben, Männer anhand falscher Verdächtigungen vor Gericht zu bringen, um sich an ihnen entweder zu rächen oder zu bereichern.“
    Ich empfinde diesen Vergleich als völlig unpassend. Schade eigentlich.
    Der Fall wo Frau Schwarzer sich offiziell mit Frauen und Opfern solidarisiert hat ja nun gar nichts mit diesem hier zu tun. Es wäre ja hypothetisch sehr wohl möglich, dass im einen Fall die Anklage der Frau stimmt und im andern Fall aber nicht, oder?
    Und schwups sind wir in der Diskussion darüber anstatt beim eigentlichen Thema zu bleiben, welches ohne diesen hinkenden Vergleich wirklich gut gewesen wäre.

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