Globale Abzocke – Die Krise, die keine ist

Der Skandal ging um die Welt. US- Banken und Anwaltskanzleien hatten reihenweise Eigentumsnachweise über hypothekenbelastete Immobilien gefälscht, um diese widerrechtlich zwangsräumen zu können. Ein neuer Begriff schafft sich seitdem Raum in der neuen Welt. Robo- signer, so die Bezeichnung für tausende von Mitarbeitern, die über Wochen hinweg wie am Fließband gefälschte Eigentums- und Pfändungbescheide unterzeichnet hatten.

Inzwischen haben das US- Justizministerium und die Staatsanwaltschaften in allen 50 Bundesstaaten Ermittlungen aufgenommen. Beispielsweise gegen die Anwaltskanzlei David Stern, eine der größten US- Zwangsversteigerungs- firmen. Durchschnittlich tausend Unterschriften am Tag mussten die Mitarbeiter dort leisten, um möglichst viele Räumungen in möglichst kurzer Zeit zu ermöglichen. Verteilt auf einen Arbeitstag von zehn Stunden hatten die Unterzeichnungsroboter, die aus den Reihen von Friseuren, Wal-Mart-Angestellten und Ex-Fließbandarbeitern rekrutiert worden waren, durchschnittlich eine Minute Zeit, um die Rechtmäßigkeit des Vorganges sowie die Höhe der Schadenssumme zu prüfen. Wenn einer der Kollegen erschöpft ausfiel, sprangen andere ein, die seinen Namen auf den Papieren fälschten.

Wie gewonnen so zerronnen

Mittlerweile herrscht heilloses Chaos auf dem US- Immobilienmarkt. Ein großer Teil der Zwangsenteignungen stellt sich nun im Nachhinein als unrechtmäßig, und somit als unwirksam heraus. 2,1 Millionen Hausbesitzer, die in der Vollstreckungsfalle stecken, hoffen darauf, im Zuge des Fälschungsskandals von der dadurch entstandenen Rechtsunsicherheit profitieren zu können. Zwangsgeräumte Familien kehren in ihre verlassenen Häuser zurück, kümmern sich nicht länger um Pfändungsbescheide und Räumungsklagen, da sie genau wissen, dass diese nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen. So wie im Falle von Jason Grodensky, der von der Bank of Amerika zwangsenteignet worden war, obwohl er überhaupt keine Hypothek aufgenommen hatte. Er hatte stattdessen bar bezahlt, was den Fälschern im Bankenauftrag offensichtlich entgangen war. Und in Cleveland wehrt sich die halbe Stadt gegen die Deutsche Bank, die hart gegen säumige Schuldner vorgeht, ohne dafür eine wirksame Rechtsgrundlage zu besitzen.

Arme Milliardäre

Das Problem der Banken: Über Jahrzehnte hinweg hatten sie stabile Papiere mit wertlosem Müll vermischt und in Form von windigen Hypotheken, Derivaten und spekulativen Papieren im großen Stil und mit riesigen Gewinnen an ahnungslose Käufer verschachert. Nun, wo die Banken ihre Rechte einzufordern versuchen, stellt sich heraus, dass dies nicht machbar ist, da es sich als völlig unmöglich herausgestellt hat, aus all diesen hochverschachtelten Papieren die wahren Eigentümer rechtssicher zu benennen. Es ist in etwa so, als wolle man nachweisen, welche Kuh und welches Schwein in welcher Frikadelle stecken.

Gefickt eingeschädelt

Betrachten wir das Ganze einmal unter dem Strich, so schält sich Erstaunliches dabei heraus. Denn streng genommen hat sich die Situation auf dem US- Immobilienmarkt nur oberflächlich geändert. Die Häuser sind gebaut und stehen. Bezahlt wurden sie von der gesamten Welt, die seit Jahr und Tag die USA mit riesigen Krediten pampert. Schulden, die den USA mehr als egal sind. Eine Rückerstattung war ohnehin nie geplant. Durch die nun geschaffene Situation vollkommener Rechtsunsicherheit in Eigentumsfragen müssen auch die Familien ihre Kredite nicht länger bedienen. Wer kürzlich erst ein geräumtes Haus erworben hatte, muss nun fürchten, es wieder an die ursprünglichen Bewohner zu verlieren. Denn nur dem tatsächlichen Eigentümer kann man ein Haus abkaufen, nicht jedoch einer betrügerischen Bank, die gefälschte Unterlagen vorweist. Umgekehrt sehen viele Schuldner nicht ein, weshalb sie ihren Gläubigern auch weiterhin Abschläge samt Zinsen entrichten sollten. Schließlich können die Banken ihren Besitzanspruch auf das Schuldenobjekt nicht nachweisen.

Die Familien kehren in zunehmendem Maße in ihre geräumten Anwesen zurück , bewaffnen sich und sind fest dazu entschlossen, ihr gerade zurückerobertes Domizil bis zum letzten Blutstropfen gegen die kriminellen Banken zu verteidigen. Die des Betruges überführten Advokaten werden wie Schweine durchs Dorf getrieben und langsam aber sicher wird wieder Normalität einkehren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der vorherige Status Quo wird zurückkehren, alle leben zufrieden und schuldenfrei, wenn auch ohne Besitzurkunde, in ihren alten Häusern – bezahlt von Europa, von China und dem abgezockten Rest der Welt. Ende gut, alles gut. Uncle Sam hat’s mal wieder gerichtet.

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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7 Antworten zu Globale Abzocke – Die Krise, die keine ist

  1. Platon schreibt:

    Ich denke, dass jeder Einzelne durchaus schon etwas verändern könnte. Vor allem, wenn er die negative Entwicklung für sich selbst ohnehin schon gut erkannt hat. Und wenn er obendrein die Kraft aufbringt, aus dieser Entwicklung weitestgehend auch noch selbst auszusteigen. Ich habe durchaus die Hoffnung, dass bei vielen Menschen, und das sogar grenzüberschreitend, ja längst ein Nachdenken eingesetzt hat – und bei manchen Menschen vielleicht sogar schon ein sichtbares Umdenken, verbunden mit einer Veränderung des eigenen Verhaltens gegenüber anderen Menschen. Gute Beispiele gibt es ja durchaus dafür. Und, Statistiken wird es darüber vermutlich eh nicht geben… Aber es zeigt sich ja doch vielerorts, wenn man genauer hinschaut, auch hier in den vielen Blogs, dass es die wirklich erst einmal sehr nötige Nachdenklichkeit zumindest in einem stetig wachsenden Maß durchaus gibt.

    Ich glaube, eine solche Veränderung kann wahrscheinlich auch gar nicht von oben kommen, gerade weil dort diese negative Entwicklung, die du geschildert hast, deren hauptsächlichen Anfang ich, hier bei uns in Deutschland, auch in den 80ern sehe, immer noch stark vorangetrieben werden soll und auch gegen die immer stärker werdenden Proteste vorangetrieben wird.

    Rom ist ja auch nicht primär wegen seinen Kriegen oder gar wegen Revolutionen im Volk zugrunde gegangen. Es fand ein innerer Zersetzungsprozeß über eine längere Zeit statt, so dass die Menschen das immer korrupter werdende System irgendwann nicht mehr wollten. In Frankreich war es vor dem Ende der Monarchie wiederum ganz ähnlich, auch dort gab es einen längeren Zersetzungsprozeß bei der Toleranz der Macht, nur dass es hier sogar zu einer regelrechten Implosion des ganzen Systems kam, weil hier zu lange jegliche Veränderungsfähigkeit des über eine lange Zeit erstarrten Systems gänzlich gefehlt hatte.

    Obendrein ist es ja sicherlich für jeden Einzelnen auch gesünder, denke ich, eben auch selbst wieder an wichtige Werte und an ein bessseres Miteinander zu glauben, das auch wieder aktiver so zu leben, anstatt weiter mit dem vermeintlichen Mainstream zu schwimmen. Es ist ja nicht so, dass es nicht möglich wäre, es persönlich anders zu machen. Denn der Blick in die Geschichte beweist allein schon zur Genüge, dass eine derart sich den wichtigen Werten entsagende Gesellschaft keineswegs sakrosankt sein und bleiben muss, wie es die Neoliberalen ja so gerne haben wollten. Macht braucht eben immer die Ohnmacht auf der anderen Seite als Gegenpol.

    Aber ich glaube, so ohnmächtig und hilflos müssten wir uns ja gar nicht fühlen. Ich denke, wir haben es auch ein kleines Stück weit durchaus in der Hand, zumindest einen kleinen Anfang für sich selbst und auch für das nähere Umfeld zu machen. Und nach meiner Erfahrung kann eine solche Veränderung durchaus sehr spannend sein und kann mit vielen positiven Erfahrungen, mit denen man oftmals gar nicht mal rechnet, verbunden sein. Was wiederum Mut macht. Es gibt vielleicht ja sogar viel mehr Leute, die aus dieser negativen Entwicklung lieber heute als morgen aussteigen wollen, als wir es gewöhnlich bereit sind, wegen der in der Tat ja sehr stark scheinenden Beharrungskräfte dieses morbiden Systems zu glauben.

  2. denkbonus schreibt:

    Da hast Du zu 100 % Recht, eine Gesellschaft ohne gültiges Wertesystem frisst sich selbst auf. Vor 30 Jahren, während es allen hier wirtschaftlich noch verdammt gut ging, da genügte noch ein Handschlag, um ein Geschäft zu bsiegeln. Man hielt sich noch an mündliche Vereinbarungen. Damals gab es noch den Begriff des Ehrenmannes, eine Metapher, die heute wohl eher mit infantilem Gutmenschentum gleichgesetzt wird. Erst als mit Kohl der große Werteverfall eintrat, begann auch unsere Gesellschaft, sich zu parzellisieren und zu einem Haufen Einzelkämpfer zu zerfallen. Es ist leider zu berfürchten, dass eine Rückbesinnung auf unsere Werte erst stattfinden kann, nachdem alles zugrunde gegangen ist.

  3. Platon schreibt:

    Nein, ich glaube auch nicht, dass deswegen gleich alle daran Beteiligten böse wären. Die meisten Leute tun das, was das System ihnen vorgibt, letztendlich muss sich jeder innerhalb des Systems einfügen und seinen Platz darin finden. Die USA hatten ja mal eine recht vorbildliche und ausgewogene Verfassung. Mit den Bill Of Rights wurden einst sehr gute Standards geschaffen. Aber dieser Pfad wurde doch mehr und mehr zugunsten einer immer weitergehenden Zurücknahme von wichtigen Regeln, wie es die Neoliberalen ja auch wollen, verlassen. Es gibt ja auch sehr viele Menschen in den USA, die das beanstanden, was alles bereits passiert ist, was die Verfassung verletzt hat. So ja auch manche Kongressmitglieder, die versucht haben, manche negativen Entwicklungen aufzuhalten. Diese aufrechten Menschen, die es sicherlich auch zuhauf gibt, kommen bei Michael Moore z. B. zu Wort. Trotzdem ist die Ideologie, die der Wirschaft eine völlige Autarkie, fern von allen gesellschaftlichen Regeln und Gesetzen, zubilligen möchte, momentan anscheinend noch nicht aufzuhalten. Gegen alle Vernunft wurden und werden immer noch wichtige Regeln einfach abgeschafft und nicht mehr befolgt. Und das führt zwangsläufig zu dem Resultat, was wir in jüngster Zeit erleben, denke ich. Die Finanzwelt und die Wirtschaft haben quasi einen Freibrief bekommen, nach eigenem Gusto zu handeln, und dementsprechend gebären sie sich nun auch. Die Abwesenheit von Regeln wird so quasi selbst zur Regel. Es gilt das Recht des Stärkeren, der die meisten Mitteln hat, könnte man vielleicht sagen. Und das kann meines Erachtens auch nicht gut gehen, das muss ins Chaos führen. Was der Artikel ja auch gut aufgezeigt hat, was auch viele sehr gut recherchierte Dokumentationen bereits sehr deutlich aufgezeigt haben. Das erinnert mich sehr stark an die Endphase des alten Römischen Reiches.

    Mein Fazit daraus ist, dass ein deutlicher Mangel bei den wichtigen Werten und bei einem ausgewogenen Rechtsempfinden eine Gesellschaft von innen heraus zersetzen muss. Denn ein solches System weckt letztendlich natürlich ganz besonderns die egoistischen Seiten bei jedem Einzelnen, so dass der gesellschaftliche Zusammenhalt zerstört wird. Eine Rückbesinnung auf die sehr wichtigen Wertesysteme ist meiner Meinung nach das, was wir momentan wohl alle am meisten brauchen, und das gilt sicherlich nicht nur für die USA.

  4. Platon schreibt:

    Man kann eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln, was in diesem Land inzwischen so alles passiert. Als besonders problematisch empfinde ich, dass hier vor allem ein Werteverfall beim Rechtsempfinden deutlich wird, so dass man wohl kaum noch von einem gesunden Rechtsempfinden sprechen kann. Fein raus ist wohl nur noch derjenige, der am geschicktesten manipuliert und betrügt. Natürlich möglichst, ohne dabei erwischt zu werden, versteht sich.

    Welche Ausmaße das in den USA bereits angenommen hat, das hat Michael Moore sehr gut in seinem jüngsten Film „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ anhand von vielen haarsträubenden Fällen dokumentiert. So unter anderem auch, was bei den Zwangspfändungen der Immobilien vor sich geht. Vor allem hat Michael Moore in seinem Film auch gut aufgezeigt, wie wichtige Rechtskritierien und Betrugsbarrieren nach und nach durch den Druck der Lobbyisten und durch das Wirken der Neoliberalen aufgeweicht oder gar fallen gelassen wurden, was letztendlich mit zu diesem Werte- und Rechtsverfall geführt hat, den wir heute vermehrt erleben.

    • denkbonus schreibt:

      Da stimme ich Dir zu Platon, auch wenn ich bemüht bin, dass Ganze wertneutral zui betrachten, um nicht völlig daran zu verzweifeln. Aus diesem Bemühen heraus ergibt sich nämlich noch mal ein neuer Betrachtungswinkel. So glaube ich heute nicht mehr, dass die Jungs da einfach nur böse sind. Das wird der Sache nicht gerecht. Vielmehr scheint es, als ob diese Menschen nur ausleben, was jeder von uns in Wirklichkeit ist, ein Raubtier. So wie auch eine Katze ein ein Räuber ist, den man besser nicht eine Minute lang mit dem Sonntagsbraten alleine lässt. Dabei folgt die Katze, so wie wir Menschen, nur dem Überlebensinstinkt, der auch uns dazu zwingt, ständig neue Ressourcen zu erschließen. Wir drehen auf Dauer durch, wenn wir nur an die untersten Kirschen gelangen und schmieden dann solange Pläne, bis wir den gesamten Baum abernten können. Das ist auch nicht das Problem. Dieses sehe ich vielmehr darin, dass es zwar Regeln für unser Miteinander gibt, jedoch keine Gesetze, die diese Regeln vor uns schützen. Also tun wir, was wir tun müssen und knabbern solange an diesen Regeln herum, bis sie uns nicht länger behindern. Daher müsste dringend das Knabbern unter Strafe gestellt werden, ungeachtet von Person und Status. Gut, es ist frühmorgens, ich bin gut ausgeschlafen und daher milde gestimmt, möglicherweise liegt es auch daran.

  5. Habnix schreibt:

    Also bei den Betrügern auf der anderen Seite des großen Teichs,haben wir doch sicher jetzt keine Schulden mehr.
    Diebe und Betrügern,Wortbrüchige, schuldet man nichts.

    Keine Politischen Schulden noch sonst irgend was

  6. gert kirsch schreibt:

    Super Artikel!
    Sie sprechen mir aus der Seele.
    Die Achse des Bösen verläuft von der Wallstreet direkt zum Weißen Haus.

    MfG

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