Die „Lass uns drüber reden“ Nummer

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Gerade haben sie begonnen, die sogenannten Schlichtungsgespräche zum umstrittenen Projekt S21. Fakten sollen nun also auf den Tisch gepackt werden, Hintergründe erörtert werden. Was dabei rauskommen wird, hat uns bereits die Kirche im Zuge des runden Tischs um den Missbrauchsskandal aufgezeigt. NICHTS. Eine Luftnummer, dazu bestimmt, im Sande zu verlaufen.

Auf Kreuz gelegt

Der Missbrauchsskandal um die katholisch/evangelische Kirche wurde nicht weg- aber tot geredet. Die Strategie ist so alt wie die menschliche Sprache. Wenn man lange genug mit echten, wie auch falschen Argumenten über ein bestimmtes Thema schwadroniert, so wird unweigerlich irgendwann der Punkt kommen, an dem die Luft raus ist. Genauso geschehen mit dem Missbrauchsskandal, der die Medien über Wochen hinweg beschäftigt hat. Dann wurde das Thema im April aus der Öffentlichkeit hinweg an einen runden Tisch verlegt, an dem sich Vetreter von Parteien, Kirchen und Sozialverbänden hinter verschlossenen Türen ihr Stelldichein gaben. WICHTIG: Die Gangart wurde dabei bereits im Vorfeld festgelegt. So hatte die Kirche, in deren unmittelbarem Umfeld der Skandal aufgeflogen war, bereits im voraus darauf hingewirkt, dass nicht ihr Verschulden, sondern generell alle Arten von Missbrauchsfällen, Gegenstand der Gespräche sein sollten. So konnte sie sich denn auch erfolgreich hinter anderen Beteiligten verstecken. Internate, nichtkirchliche Institutionen und vor allem Familien bekamen den schwarzen Peter zugeschoben, während die hauptverantwortlichen Soutanenträger sich als unbedeutende Randerscheinung gerierten.

Mittlerweile liegt ein erster Zwischenbericht vor. Er erfasst kapillar alle Anrufe, die bei den Telefonzentralen eingingen und verteilt sie auf die unterschiedlichen Verantwortlichen. Die Kirche wird dabei allenfalls am Rande erwähnt und weitestmöglich entlastet. Hier ein kurzer Auszug aus dem Orginaltext von Prof. Dr. Jörg M. Fegert:

„Häufig wird darauf hingewiesen, dass nicht nur die katholische Kirche, sondern auch andere Institutionen relevant sind. Hingewiesen wird auch explizit auf innerfamiliären Missbrauch und in einigen Fällen auf Missbrauch in Heimen.“

Dass die Notwendigkeit, dieses Thema zur Sprache zu bringen, überhaupt erst von der Kirche geschaffen worden ist, wird dabei wohlweislich unter den Teppich gekehrt.

Stuttgart 21

Freimaurergruß zwischen Geisler und Mappus?

Eigentlich müssten wir ihm alle dankbar sein. Heiner Geisler nahm sich der verfahrenen Situation an und steuerte sie aus dem Chaos der Straße zurück in ein ruhiges, vernünftiges Fahrwasser. WICHTIG: Die Gangart wurde dabei auch hier bereits im Vorfeld festgelegt. Nun wird diskutiert, lamentiert, argumentiert. Die „Fakten“ kommen auf den Tisch und der kleine Bürger von der Straße darf auch mal was dazu sagen, sogar vor laufenden Kameras. Mit stolzgeschwellter Brust erscheinen die, von Geisler abgeworbenen, S21- Gegner zu den Gesprächen. Alles gut? Im Gegenteil!

Heiner der Spaltpilz

Der Trick ist so alt wie funktionell. Um einzelne Menschen in Massen zu manipulieren, gilt es deren Belohnungszentrum zu aktivieren. Sobald dies geschieht, überfluten Botenstoffe, Glückshormone den Cortex und verursachen ein freudiges Gewitter in der Großhirnrinde, welches das kognitive Denken vorrübergehend in den Urlaub schickt. So geschehen bei S21. Nachdem den Verantwortlichen klar wurde, dass die Lage langsam brenzlig wird, griffen sie in die Trickkiste der Massenmanipulation in Gestalt des alten CDU- Recken. Dieser verkündete zunächst einmal einen Baustopp. Im Vorfeld von Verhandlungen, so der alte Schlaufuchs, sei Friedenspflicht ein verbindliches Paradigma für beide Seiten. Prompt ergoss sich in die Gehirne der S21- Gegner ein wohltuender Cocktail aus Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Oxytocin. Wie Partygäste auf Ecstasy ließen sie ihre Protestschilder sinken und widmeten ihre gesamte Aufmerksamkeit dem honorigen CDU- Sozialpolitiker ohne zu registrieren, dass die Verknüpfung von CDU + Sozialpolitik bereits ein Widerspruch in sich ist. Dass Mappus sich bereits am nächsten Tag weit von einem Baustopp distanzierte, disqualifizierte zugleich auch Geisler als Vermittler zwischen den Welten. Aber ihm verdankten die Demonstranten ihr Hoch und somit blieb er auch weiter etabliert in der Hoffnung auf mehr. Heute sitzen die Streitparteien an einem Tisch und diskutieren, während die Bauarbeiten ungehindert weiter voranschreiten. Und während Mappus weiterhin den Nero gibt und am Grundwassersystem der Stadt herummurkst, sind die S21- Gegner vielzusehr damit beschäftigt, sich auf die kommende Gespräche vorzubereiten, als dass sie Zeit dazu hätten, den Widerstand weiterhin auf die Straße zu tragen. Dort stehen nur noch vereinsamt und abgespalten die Parkschützer, die eigentlichen Kämpfer gegen das Wahnsinnsprojekt. Teile und herrsche.

Weiterhin werden Tatsachen geschaffen. Die restlich verbliebenen Bäume im Schlosspark werden nicht gleich gefällt, sondern verdursten zuerst. Der Südflügel bleibt, wie von Anfang an geplant, noch ein wenig stehen um als Unterkunft für Prügelpolizisten zu dienen. Zugleich wurden Anstalten getroffen, die Medienhoheit in die richtigen Hände zurück zu überführen. So sollten die Macher von Fluegel TV, die ehrenamtlich und unter großem persönlichen Einsatz unzensierte Informationen ins Netz gestreamt hatten, abgesägt und durch die polierte Hofberichterstattung eines nicht bundesweit ausgestrahlten Regionalsenders (SWR) ersetzt werden. Dass das Fluegel-TV-Team den Stream nun doch von Phoenix zugespielt bekommt, war so sicherlich nicht vorgesehen von den Machern, zu denen meines Erachtens nach auch Heiner Geisler zählt. Denn es geht nicht nur um viel, es geht um alles für jene CDU, der auch unser angeblicher Schlichter angehört. Und er tut seinen Job, jetzt gerade in diesem Moment, während die Gespräche laufen. In feinem Zwirn, mit schicker Brille und nach teurem Rasierwasser duftend trägt Volker Kefer gerade eine Falschinformation nach der nächsten vor während Heiner Geisler jedweden kritischen Einwurf der Gegenseite abblockt und diese auf später vetröstet nach dem Prinzip: Da sprechen wir als nächstes drüber, jetzt geht es erst mal um – ja um was eigentlich? Um einen unüberwindbaren Berg aus belanglosen Details in dem sich die eigentliche Diskussion wie in einem sperrigen Kiesbett festfahren soll, um den Gegnern des Projektes die letzten Luftreserven zu rauben. Das nenne ich Manipulation in Reinstform.


Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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3 Antworten zu Die „Lass uns drüber reden“ Nummer

  1. blechtrommler schreibt:

    Bei allem Respekt vor diesem herrlichen Text – was unterscheidet den Handschlag mit Mappus (übrigens Absolvent der gleichen Uni wie G.) von dem hier bei 0 min, 23/24/25 sek. http://www.pz-news.de/Home/Videos/vid,2293_puid,1_pageid,326.html ?

  2. Habnix schreibt:

    Ob Sie nun Stuttgart21 machen oder nicht,gewählt werden sie ohne hin nicht mehr von mir.

    Basta !!!

    • Dreykant schreibt:

      Ist ja schon mal ein toller Ansatz🙂 Aber es geht um mehr. Es geht darum, eine außerparlamentarische Demokratie zu etablieren, die unsere derzeitigen „Volksvetreter“ nicht mehr wie bisher an den Tisch der Entscheidungen ran lässt, sondern im Rahmen eines Volksentscheids auf Bundesebene selbst das Heft in die Hand nimmt- so, wie es uns die Schweizer seit Jahrzehnte erfolgreich vormachen.

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