Liebe Ossis, rettet die Welt


Bitte, Bitte, Ihr lieben Ossis, rettet mich, rettet uns, rettet den Westen. Tut es, indem Ihr auch ihn von der Diktatur befreit. Wir haben keinen, in den wir abhauen könnten. Und das ist nicht schön, denn wohin ich hier in diesem Land auch schaue, alles säuft ab. Wenn ich mir das heute als Wessi so überlege, hätte ich eigentlich nichts dagegen, die Schnauze zu halten und komische Sachen zu tragen, wenn ich dafür nur 86 Euro Miete bezahlen müsste. Und all die tollen Sachen, die ich mir niemals werde leisten können. Täglich grinsen sie mich an und sind doch unerreichbar fern. Da brauchen die wegen mir auch nicht in den Regalen auszuliegen. Gut, ich darf sagen was ich will. Aber ich kann sagen was ich will, es wird einfach nicht besser mit diesem Land. Ja, ich darf das laut und vernehmlich kundtun, dass ich nicht einverstanden bin – mit dieser Diktatur des Geldes, die mich mit eiserner Faust regiert, sich einen Teufel schert um mein Unbehagen und keinen Widerstand duldet. Dafür darf ich wählen, welche Partei mich unterdrückt und von Firmen unterdrücken lässt.

Ich kann ihr nicht entfliehen, dieser Diktatur, genauso wenig wie Ihr damals Eurer Mauer. Sie ist nicht gefallen, Eure Mauer. Sie ist gewachsen und umspannt heute die ganze Welt. Wie damals bei Euch wird heute auch bei uns diese Diktatur verheimlicht und schöngeredet. Nur das Ihr genug zu fressen hattet und anzuziehen und ein Dach über dem Kopf. Ihr habt damals in der Schule den Westen und seinen Kapitalismus auf das Genaueste unter die Lupe genommen. Wir hier hingegen werden heute von den Medien dumm gehalten, sind völlig verblödet, was politisches Wissen angeht. Also es tut mir leid Jungs und Mädels, aber Ihr müsst wohl nochmal ran. Sonst habt Ihr den ganzen Salat gleich wieder.

Und wie Ihr das bewerkstelligen sollt? Wie wäre es damit?

Ihr gründet bei Euch im Osten eine „Stiftung zur Wahrung bürgernaher Interessen in der Politik.“ Da zahlt jeder von Euch monatlich zehn Euro ein. Ihr seid 16 Millionen, damit kommen monatlich um die 160 Millionen Euro zusammen. Mit dieser Summe lässt sich ’ne Menge anstellen, auch unter der Hand. Was könnte man damit Abgeordnete kaufen.

Dass die politische Elite diskreten Nebeneinkünften nicht abgeneigt sind, dafür gibt es eine Reihe von Hinweisen. Zunächst einmal sagt einem der gesunde Menschenverstand, dass da was nicht stimmen kann. Da haben unsere Bankster, wissentlich und mit voller Absicht, wertlosen Plunder gekauft und diesen dann für gutes Geld an uns weiter verscherbelt. Und weil sie wussten, dass die Papiere keinen Cent wert sind, haben sie anschließend auch noch kräftig dagegen spekuliert und sich dabei die Taschen bis zum Platzen gefüllt, während ihre Kunden die Grätsche machen mussten. Das nennt man Betrug und das ist strafbar. Aber anstatt ins Café Viereck umzusiedeln, bekommen die Ganoven auch noch hunderte von Steuermilliarden in den Arsch geblasen und gönnen sich davon persönlich, völlig legal, hunderte Millionen an Bonuszahlungen für Ihre großartige Leistung. Im Grunde haben sie ja recht. Das war tatsächlich ein genialer Beutezug der es verdient belohnt zu werden. Laufzeitverlängerung, Stuttgart 21, die Waldschlösschenbrücke in Dresden, überall weht einem der selbe Geruch entgegen. Korruption.

Es gibt auch konkretere Verdachtsmomente. So hat das Bundeskriminalamt für das Jahr 2007 einen Korruptionszuwachs von 38 Prozent angegeben. Die Bestochenen sind vor allem Angehörige des öffentlichen Dienstes. Oder man denke an die Sponsoringaffaire um Jürgen Rüttger. Die NRW- CDU hatte damals während ihres Landesparteitags in Münster für die Summe von je 20 000 Euro Einzelgespräche mit dem Ministerpräsidenten und den Minister/innen angeboten. Oder Peer Steinbrück, der sich seine Vorträge mit jeweils 7000 Euro vergolden ließ. Die Vortragshonorare erhielt Steinbrück laut Parlamentsangaben unter anderem von der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geleiteten Alfred-Herrhausen-Gesellschaft, dem Hasso-Plattner-Institut, von der französischen Großbank BNP Paribas, der Alliance Möbel Marketing, der Münchner Kommunikationsagentur Serviceplan und der in Bielefeld sitzenden Handelskooperation EK Servicegroup. Hinzu kommen die Einnahmen aus seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Erst im April dieses Jahres hatte das Antikorruptions- Bündnis Bundestagspräsidenten Horst Lammert (CDU) kritisiert, weil dieser beschlossen hatte, Parteienfinanzierung durch Sponsoring, welches natürlich nichts anderes als Bestechung war, auch noch zu billigen. Kurzum, die Hochfinanz, verantwortlich für unser aller Elend, hat das Theater, die Berliner Marionettenspiele, gekauft.

Das leuchtet ein. Es ist freilich billiger, einen Haufen Beamte zu kaufen, als einen Staat. Und deshalb müsst Ihr sie wieder zurückkaufen. Sonst tun die nie, was sie sollen, wofür wir sie wählen. Und dafür stehen uns jetzt jeden Monat 160 Millionen Euro zur Verfügung. Wartet noch ein Vierteljährchen, ab jetzt ist die Zeit wieder auf Eurer Seite, und nehmt dann die 480 Millionen und gebt sie der Regierung. Der Rösler kriegt 50 Millionen auf die Hand und in die Tasche. Dafür schafft der doch glatt die Praxisgebühr und die Kopfpauschale wieder ab. Die Merkel kriegt 150 Millionen Bestechungsgeld, oder besser 200 Millionen. Nur für sie, ist ja genug da. Dafür muss Sie dann jedoch im Gegenzug ALG II verdoppeln. Dass macht die glatt. Den Bankern hat sie für einen Bruchteil unseres Angebotes eine ganze Billion hart verdienter Steuergroschen in den Rachen geschmissen.

Für nur zehn Euro im Monat habt ihr Euer monatliches Salair schlagartig verdoppelt. Inzwischen ist ein weiteres Vierteljahr ins Land gezogen. Mittlerweile ist die Summe auf Eurem Stiftungskonto auf 710 Millionen gewachsen. Damit nehmt Ihr nun die Landespolitiker ins Visier und die Amtsleiter der Arbeitsämter, damit Ihr Euer Geld ohne hinderliche Schikanen bekommt. Denn das Spiel beginnt erst und Ihr braucht Bewegungsfreiheit. Zudem beschließt Ihr, den monatlichen Einsatz auf 20 Euro zu verdoppeln. Die vierteljährlich anfallenden 0,96 Milliarden Euro investiert Ihr in die Wiederbelebung Eurer westdeutschen Investitionsruinen, auf das daraus werde, was Euch einst von einem übergewichtigen Riesen versprochen ward, blühenden Landschaften. Regiert weise, fair und gerecht, sucht gemeinsam die besten Lösungen und seit selbst das Gegenteil derer, die insgeheim für Euch arbeiten. Stopft sie zu mit dem Geld, schmiert, was das Zeug hält, sackt sie alle ein. Dann werden die Wessis ganz schnell ganz klein werden in Euren Rückspiegeln. Und wenn sie nicht völlig dämlich sind, dann ziehen sie nach, und tun dasselbe, und dann Europa und dann… Ihr wart schon mal ein Volk, Ihr müsst es wieder werden. Rettet die Welt.

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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4 Antworten zu Liebe Ossis, rettet die Welt

  1. blechtrommler schreibt:

    Du hast, Bruder im Westen, allerdings einiges nicht beachtet. Die Ossis von damals gibt es nicht mehr. Sie sind, ihres Lebenssinns, ihrer bisherigen Biografie, ihrer Anerkennung beraubt, frustriert, saftlos, abgelutscht (- am „Krebs“ gestorben). Sie würden sich, für den Wessi, nach Jahren der Zurückweisung, zuallerletzt vor den Karren spannen lassen; sie schauen geislos zu und es murren immer mehr: in der war es viel besser; mit Deiner Redensweise könnntest Du ihnen ein geringes Stück sympathisch werden, „Bruder“, aus dem Westen;
    Und Du hast die Bildung nicht bedacht, die einem fehlt, wenn er nur Zugang zur Hälfte (?) des Weltwissens hat, nur ein Viertel der Welt bereisen kann, wenn Du, in Deinem relativ freiem Internet (gäb es die DDR noch, gäb es dort keinen!!! Zugang) Dich dorthin wünschst, wohin man, genau wie hierher auch, nur seinen Feind hinwünscht!
    Es muss, und es wird, etwas anderes, besseres geben…

  2. Knutschkugel schreibt:

    Leider sitzen alle in dem Boot und so lange es eine Spaltung zwischen Ost – West, Links – Rechts, Arm – Reich, Arbeitnehmer – Arbeitslosen gibt kann man doch gar nichts bewegen. Eine Vielzahl der Menschen hört auf die durch die Medien und Politik inzinierte Volsverhetzung und so lange eine Vielzahl Blind diesem Phantom nach jagen wird kein Umbruch zustande kommen. Denn für eine solche große Aktion ist ein Annähern der Lager Grundvorraussetzung.
    Dem nach drehen wir uns weiterhin im Kreise und die Politiker ergötzen sich an diesem Schauspiel.

    @ Observierer
    Ich bin zwar ein Ossi, aber es geht mir nicht runter wie Öl . Viel mehr macht es mich verdammt traurig diese Tragödie zu beobachten.

  3. Observator schreibt:

    Das wird den „Ossis“ ja runter gehen wie Öl! Aber Dein Vorschlag wird wohl ungehört verhallen.😉

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