Atomkonzerne drohen mit Abschaltung

Story vom Pferd

Nein, NEIN, bitte bitte bitte, nicht abschalten, nicht das Kraftwerk, ooooch nöööh. Wollten die Kraftwerksbetreiber der Presse damit über das Sommerloch hinweg helfen oder haben sie es womöglich ernst gemeint mit ihrer Drohung. Der Drohung, die AKWs abzuschalten, wenn die Laufzeit nicht gemäß den Vorgaben der Betreibergesellschaften verlängert würden.

„Wir fordern eine satte zweistellige Zahl zusätzlicher Jahre, mindestens aber 15 Jahre.“ Was Eon- Chef Johannes Theyssen da der Bild- Zeitung verkündete, könnte sich tatsächlich noch zum Schenkelklopfer des Jahres auswachsen. Denn die strahlenden Müllschleudern tragen ohnehin nur noch zu einem geringen Anteil zur unserer Stromversorgung bei. Einem Szenario zufolge, welches vom Aachener Institut EU-tech berechnet worden war, tragen unsere sieben Alt-AKWs gerade einmal mit 5,4 Prozent zur deutschen Stromversorgung bei. Die übrigen neun Meiler könnten ebenfalls innerhalb der nächsten fünf Jahre abgeschaltet werden. Bis zum Jahre 2015 könnte so dafür gesorgt sein, dass weder Wackersdorf wackelt, Krümmel krümelt oder Brockdorf bröckelt.

In die selbe Kerbe haut Tarek Al- Wazir von den Grünen. „Bereits vor zwei Jahren,“ so der hessische Landtagsabgeordnete, „haben sechs Atomkraftwerke stillgestanden und keiner hat es bemerkt.“

Dass die Strombosse uns mit einem derart stumpfen Schwert vor der Nase herumwedeln, hat fast schon etwas Rührendes. Denn in den Teppichetagen der Energieriesen herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Ein Politiker, der sich der Atomlobby heute noch allzu offen anbiedert, kann in der Regel auf weitere Urnengänge verzichten. Daher versuchte es die Stromindustrie zunächst einmal mit Geld. Einem Bericht des Handelblattes zufolge beläuft sich die Offerte der vier großen Stromanbieter dieses Landes auf 30 Milliarden Euro. Einzige Bedingung, die Bundesregierung muss die Laufzeiten der 17 deutschen
Kernkraftwerke um weitere zwölf Jahre verlängern. Bei mir läuft so etwas unter Bestechungsversuch. Die neuerdings in die Welt gesetzte Ausstiegsdrohung scheint da wohl eher eine Art Panikreaktion der Energiebosse gewesen sein.

So auch Bernward Janzing von der taz

Solche Manöver entspringen der schier grenzenlosen Verzweiflung, die in den Chefetagen der großen Stromkonzerne inzwischen herrscht. Denn plötzlich beginnen die Unternehmen zu erahnen, was in den siebziger Jahren durch die Antiatombewegung begann, was in den achtziger Jahren durch Tschernobyl beflügelt und was in den späten neunziger Jahren durch Rot-Grün politisch verankert wurde. Die Atomkonzerne spüren, dass der Wunsch nach einem Ausstieg aus der Atomkraft keine Episode einer einmaligen Bundesregierung war, die vorbeigeht wie eine Sommergrippe. Sie spüren, dass diese Gesellschaft den Ausstieg will – und sie wollen es trotzdem nicht wahrhaben.

Gut, einfach haben sie es nicht in den Chefetagen der großen Stromkonzerne. Es geht um viele Milliarden und um eine Menge Macht und Einflussnahme. Die Energieriesen waren in den letzten Jahrzehnten dermaßen damit beschäftigt, die Entwicklung erneuerbarer Energien aus allen Rohren zu torpedieren, dass sie es völlig verpasst haben, selbst auf den Zug aufzuspringen. Jetzt stehen sie bedröppelt da und können nur noch zuschauen, wie ihre Macht sich Jahr für Jahr dem Ende nähert. Aufregen nützt da auch nichts mehr, vielleicht einfach mal ein bischen abschalten.

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2 Antworten zu Atomkonzerne drohen mit Abschaltung

  1. lobbyist schreibt:

    Das hat gar nichts mit Sentimentalität zu tun !
    Die Jungs haben mal durchgerechnet, ob es sich noch lohnt, und unterm Strich kamm ein Minus raus.
    D.h. die Dinger werden abgestellt, weil kein Geld mehr rein kommt.
    Kein Mensch betreibt so einDind, nur um andere zu ärgern. Solange das Ding Geld scheisst, wird es betrieben, und keine einzige Sekunde länger !

    Jetzt geht es nur darum, wie man es am Werbeträchtigsten verkauft !

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