Auslaufmodell Mensch

In den Augen von Politik und Wirtschaft ist der Großteil der Deutschen dumm, faul und ungebildet. Für produktive Integrierbarkeit somit schlichtweg untauglich. Dies, so die verantwortlichen Eliten, sei die Hauptursache für die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. In ihren Augen besteht somit kein Bedarf an der Erzeugung von Nachwuchs für die Industrie.

Vom Arbeitnehmerstaat zum Automatenpark

Mit dem Beginn der technischen Revolution in den 80er Jahren erfolgte in zunehmendem Maße die Umstellung der Produktion durch Arbeitnehmer hin zur rein maschinellen Produktion. Einfache Arbeiten werden seit dieser Entwicklung immer weniger von Menschen, als vielmehr von Maschinen erledigt, Innovation verdrängt in zunehmendem Maße Arbeitskraft. Seither sind immer mehr Menschen in diesem Staat als Arbeitnehmer überflüssig. Sie geraten mehr und mehr zu einem unnötigen Kostenfaktor, einem Stein im Getriebe der Umsatzmaschinerie. Somit möchte man meinen, die rückläufigen Geburtsraten hierzulande kämen unseren Eliten recht gelegen. Es drängt sich die Frage auf, ob bewusst und mit Vorsatz die Lebensverhältnisse in diesem Land über Jahrzehnte hinweg derart verschlechtert worden sind, dass heute nur noch Leistungsträger einen Anreiz haben, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Betreibt unser Präkariat auf diesem Wege Geburtenkontrolle?

Betrachtet man die Politik der letzten Jahre, so fällt deutlich auf, dass vor allem der Mittelstand zusehends in Armut und Verelendung hineingetrieben wird. Beispielsweise durch völlig überhöhte Steuern und Abgaben. Während einerseits der Staat dem Mittelstand immer ungenierter in die Tasche greift, verteilt er das so gewonnene Vermögen zugleich großzügig an die Industrie. All die milliardenschweren Subventionen der letzten Jahrzehnte hat größtenteils der Mittelstand finanziert. Dies führte in den vergangenen Jahren zusehends dazu, dass immer mehr selbstständige Mittelständler Kredite aufnehmen mussten, um ihren Betrieb weiterführen zu können. Ihre finanziellen Resourcen der letzten dreißig Jahre wohnen heute bei jener Finanzelite, die sich heute mit all den Kreditzinsen fröhlich weiter die Taschen füllt. Die Angst der Mittelschicht, in die Unterschicht abzusteigen, ist somit obsolet, da dies bereits geschehen ist. Ein arbeitsloser Sozialhilfeempfänger war während der Siebziger Jahre finanziell besser abgesichert, als dies beim unteren Drittel der Mittelschicht heute der Fall ist. Folgerichtig gelten Kinder heute bei vielen weniger gut Betuchten hierzulande als Armutsrisiko Nummer eins. Bei den besser gestellten, insbesondere jedoch bei den Frauen, gelten Kinder hingegen als Karrierehemmnis Nummer eins.

Ein weiterer Punkt, der zu den drastischen Geburtenrückgängen der letzten Jahre geführt hat, ist der eklante Pfusch, den deutsche Politiker sich in diesem Land zuschulden kommen lassen. Wer sich mit dem Gedanken trägt, Kinder in die Welt zu setzen, plant auf Jahrzehnte voraus. Dies setzt jedoch eine gewisse Stringens beim Verfolgen zukunftsorientierter politischer Weichenstellungen voraus. Das tatsächliche Bild unserer Volksvertreter ist hingegen eher erschütternd. Da wird gepfuscht, wild herumgedoktort und dann so oberflächlich nachgebessert, dass es einem Angst und Bange werden kann. Ständig werden die Regeln geändert und Gesetzesnovellen mit solch heißer Nadel genäht, dass sie im Grunde bereits unwirksam sind, noch bevor sie verabschiedet werden. Kluge, sorgfältige, umsichtige und vorausschauende Gesetzgebungsverfahren sind heute ein Relikt aus besseren Zeiten und politische Entscheidungen, die uns heutzutage als zukunftsgerichtete Innovationen verkauft werden, sind in Wirklichkeit nichts anderes als gerahmter Staub aus der Schublade.

Die Medien sind mitschuldig an dem demoskopischen Offenbarungseid unseres Staates. Getreu dem Motto „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ erzeugen sie ständig neue Katastrophenmeldungen. Nun mag einleuchten, dass ein normal funktionierender Alltag nicht unbedingt einer Berichterstattung wert ist. Dennoch überflügelt der Sensationscharakter der Meldungen deren Nutzen für die Rezipienten, also die Leser, Hörer und Zuschauer, in zunehmend ungesundem Maße. Dies erzeugt bei immer mehr Menschen diffuse Ängste. Die Angst vor Krebs, Aids, Krieg und Gewalt, Überschwemmungen, Kündigung und Armut hat heute in großen Teilen der Bevölkerung ein Ausmaß erreicht, dass es sich den Menschen von selbst verbietet, Kinder in diese Welt zu setzen.

Als einzige Antwort auf den Geburtenrückgang erfolgte die Einführung der Rente mit siebenundsechzig. Wer bereits mit sechzig stirbt, hat also noch ein paar Arbeitsjahre vor sich. Fast zeitgleich wird hingegen das Elterngeld gekürzt und das, zur heiligen Kuh hochstilisierte Lohnabstandsgebot sorgt weiterhin für zunehmende Armut während gleichzeitig die Einführung menschenwürdiger Mindestlöhne konsequent blockiert wird. Nachwuchs können sich mittlerweile nur noch wenige leisten. Immerhin belastet ein Kind bis zu seiner Volljährigkeit
die elterliche Kasse mit etwa 150 000 Euro und Luft nach oben gibt es immer.

Führte man diesen Gedanken fort, so könnte einen sehr wohl das Gefühl beschleichen, dass untere Mittelschicht und Unterschicht in Deutschland auf diesem Wege ausgerottet werden sollen um Platz zu schaffen für eine gut versorgte Elite, ausschließlich bestehend aus hochqualifizierten Bildungsathleten und Finanzgenies. Es gäbe in diesem Deutschland nicht länger jenes Heer unterqualifizierter Arbeitsloser, die ohne Zukunftschancen um staatliche Almosen betteln müssen. Vielmehr würden Arbeitsplätze, ebenso wie Studienplätze in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen.

Dass dieses Modell nicht aufgeht, beweist indess die Wirklichkeit. Denn gerade Frauen mit eher niedrigem Bildungsstand erfüllen sich gerne ihren Kinderwunsch, während Frauen mit hohem Bildungsstand häufig kinderlos bleiben. Ob dies an der Unvereinbarkeit von Familie und Karriere liegt, oder eher daran, dass gutsituierte Frauen immer öfter vergeblich nach einem Partner suchen, der noch mehr Vermögen besitzt, sei dahingestellt. Im Ergebniss bleibt es sich gleich.
Wenn dann auch noch Einpeitscher Sarrazin mit dem Charme eines Bolzenschussgerätes seine faschistoiden, propagandistischen Hetztiraden gegen Kopftuchmädchen hinausschleudert und bereits eine demoskopische Benachteiligung der nachwuchsfeindlichen Deutschen gegenüber kinderliebenden Migranten sieht, so spricht dies Bände und zeigt einmal mehr, wes Geistes Kind jene sind, die unser Land systematisch dem Untergang entgegentreiben.

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Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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