Medienmauscheleien

beim Bundespresseball

Wer sich zu wichtigen Themen objektiv ins Bild setzen will, der sollte sich nicht nur auf die Ergebnisse verlassen, die der deutsche Blätterwald täglich aushustet. Blogs sind inzwischen die bessere Alternative. Die großen Medien in diesem Land hat das Kanzleramt schon vor Jahren kassiert. Hinterzimmer- gespräche, so heißt der Köder schlechthin, mit dem die deutsche Journaille auf Kurs gebracht wird. Wer sich an den Codex hält, viel zu wissen und nichts zu sagen, der kommt in den Genuss exklusiver Hintergrundinformationen, die der deutschen Öffentlichkeit zwar vorenthalten werden müssen, jedoch einen Wissenvorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen.

Als Alibi darüber gedeckt, das Mäntelchen der political correctness. Das Prinzip, das dahinter steckt, ist denkbar einfach. Medien sind stets auch eine Gefahr für amtierende Mandatsträger und Gefahrenherde gilt es zu kontrollieren. Einigen wenigen Leitmedien wird daher ein kleines Informationshäppchen zugeworfen, dessen Wahrheitsgehalt in den Sternen stehen mag, dessen bloße Vergabe jedoch die beschenkten Medien privilegiert. Die anderen Mitbewerber im Medienzirkus wollen ebenfalls etwas davon ab haben und schon haben sie die Herrschaften auf Kurs gebracht. Denn an die Informationsvergabe ist eine Bedingung geknüpft. Nichts von dem, was in den Hinterzimmern zur Sprache gebracht wird, darf die Medienhäuser je verlassen.
Es handelt sich definitiv um Geheiminformationen, die zwar den Medien, nicht jedoch der deutschen  Öffentlichkeit zugänglich sein dürfen. Die Medienhäuser widerum ziehen mit, weil sie sich privilegiert, und die jeweiligen Mitarbeiter sich ungeheuer wichtig fühlen. So wie Dagmar Seitzer vom ARD-Hauptstadtstudio. Sie leitet den Hintergrundkreis „Das rote Tuch“. Wie wenig sie noch an ihrem Informationsauftrag interessiert ist, beweisen ihre Worte vor der Kamera. „Wir handeln geheime Dinge ab. Wir wollen Politik verstehen, und das muss ein Zuschauer oder Leser nicht erfahren. Sondern er muss dann nur verstehen, was wir sagen“. Und sie setzt noch einen obendrauf. „Was da gemacht wird, ist unser Berufsgeheimnis. Das gleiche gilt für den Lobbyismus. Ein Lobbyist redet ja auch nie offen darüber, mit wem er spricht, welche Papiere er erhält, wo er sie hinschiebt und was daraus wird.“ Und Hans Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des Stern kommentiert die Situation mit den Worten: „Die Politiker suchen sich aus, wem sie was geben. Sie belohnen und sie bestrafen.“ Nicht weniger deutlich ist Ulrike Hinrichs, ehemalige Frontal 21- Redakteurin. „Der Mehrwert besteht einfach darin, dass wir die Wahrheit erfahren, und die, so bitter es für manche auch sein mag, dann nicht schreiben und nicht senden dürfen.“

Der redaktionelle Verrat

Ja, sie sind so wichtig, so furchtbar wichtig, jene Tintenritter, jene Rächer der Enterbten, die als vierte Säule unserer Verfassung darüber wachen, dass alles mit rechten Dingen zugeht in unserer Demokratie. Unnahbar wie Raumschiffe schweben sie über unseren Köpfen und schauen auf uns herab, derweil sie sich in Hinterzimmern, oder gar im eigenen Wohnzimmer mit Politikern jeder Couleur treffen und bereden. Dass sie dabei mehr und mehr der Korrumpiertheit anheim fallen, merken sie entweder nicht, oder sie stören sich nicht daran. Die Folgen sind in der Tat fatal. In vorauseilendem Gehorsam schneidet die Schere in ihren Köpfen alles aus dem Text heraus, was für uns Leser und Zuschauer von Relevanz ist. Was bleibt sind Heimatfilme aus dem letzten Jahrtausend, öde Scheindebatten und billige Krimiserien, abgewechselt von hirnlosen Quizshows. Öffentlichkeitsarbeit soll möglichst nichts kosten, seichtes Infotainment ist die Folge.
Dass sie für diese eklatante Leistungsverweigerung nun auch noch generös belohnt werden, zeigt, wie eng der Filz zwischen Medien und Politik bereits ist. So werden ab dem 1. Januar 2013 die bislang geräteabhängigen GEZ- Beiträge in Haushaltsbeiträge umgewandelt. Soll heißen, ab dann zahlt jeder Haushalt GEZ- Abgaben in Höhe von 17,98 Euro, auch wenn er weder über ein Radio, noch über einen Fernseher verfügt. Oder anders gesagt, ab dann werden wir uns den ganzen Müll nicht auch noch extra ansehen müssen, um in bezahlen zu dürfen. Denn jeder wird abkassiert. Dennoch bleibt das Programm dasselbe. Also eine 24stündige Werbesendung, die gelegentlich von Filmeinspielungen unterbrochen wird, die billigend in Kauf genommen werden, damit die Quote stabil bleibt. Kritischer und investigativer Hintergrundjournalismus ist in einem solchen Programmrahmen nicht länger realisierbar und auch nicht erwünscht. Somit hat die „Aktuelle Kamera“ nun auch den Westen erobert. Interessant sind in diesem Zusamenhang die Gehälter der Meinungsmacher. Sie liegen, je nach Berufserfahrung, zwischen 26 400 Euro und  51 800 Euro jährlich. Die Gehälter bekannter Moderatoren wie Günter Jauch oder Anne Will hingegen liegen bereits im  unteren Drittel des siebenstelligen Bereichs.

Journalistisches Logentum

Die Namen der Hintergrundkreise sind bewußt diffus gehalten. Da gibt es die „Gelbe Karte“, ein eher linksliberaler Kreis, im Gegensatz zum eher konservativen „Brückenkreis“.
Ein ausgemachter Frauenclub ist der Hintergrundkreis „Rotes Tuch“, während der Kreis „Die Millionäre“, welcher die auflagenstarken Regionalzeitungen vertritt, wohl eher den Neoliberalen zugerechnet werden kann.

Weitere Zirkel sind der Presseclub, Vino Rosso, Enklave, das Kartell, das Korrespondentenkollektiv Koko, Dresslerkreis, der Provinzkreis, Berliner Zimmer, U30, Tacheles, Vier Sterne Kreis, Salon Wissen oder Antenne. Vertrauliche Runden finden sich daneben auch bei den Politikern. Da gibt es die Parteivorsitzenden, die Fraktionsvorsitzenden und deren parlamentarische Geschäftsführer. Aber auch die Ministerien und darüber hinaus einzelne Minister laden immer wieder ein zu Hintergrundkreisen. Mauscheleien unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehören für Journalisten wie auch Politiker schon längst zum ganz normalen Tagesgeschäft. Und jeder, der bei diesen Zirkeln auf der Gästeliste steht, wertet dadurch sein Image kollosal auf. Im Wettlauf um die besten Redaktionsplätze verschaffen derartige Beziehungen daher einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den Kollegen. Bascha Mika, ehemalige Chaefredakteurin der taz bringt es auf den Punkt. „Politiker laden gerne zu Hintergrundgesprächen ein und suchen sich ihre Journalisten dazu auch handverlesen aus und da versuchen sie natürlich auch,… ihre Themen zu lancieren….Auf der anderen Seite schafft dies eine Art von Nähe zur Politik, die eigentlich für kritischen Journalismus tödlich ist.“

Strippenzieher und Hinterzimmer – Der ganze Film

Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV
Teil V

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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