Das Kokskabinett

foto.fr@nk | Zwischen zwei Spuren

Nie zuvor war es so deutlich wie heute, dass mit den Machern unserer Republik etwas nicht stimmt. Eine irrwitzige Entscheidung jagt die nächste und mittlerweile wird immer deutlicher, dass den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft offenbar jedwedes soziales Verantwortungsbewusstsein abhanden gekommen sein muss. Ist es ein Kokskabinett, das uns da regiert? Gerade mal fünf Jahre ist es her, da entdeckten Journalisten auf den Bundestagstoiletten genügend Kokainrückstände, um damit eine Betriebsfeier für den gesamten Bundesgrenzschutzes zu schmeißen.

Damals wurde die Berichterstattung fast schon im Keime brachial abgewürgt, die Bundestagstoiletten sind seitdem nur noch mit Parlamentsausweis zugänglich. Daher weiß jeder nichts, mich eingeschlossen, wenngleich dies meiner Lebenserwartung entgegen kommt. Jedoch schützt Unwissenheit vor Denken nicht. Daher analysieren wir doch einmal die Fakten, unterteilt in pro und contra. Und damit das Ganze mehr Spaß bringt, reanimieren wir fiktiv das bekannte TV-Duo Hauser/Kienzle und lassen die beiden in bekannter Manier virtuell aufeinander los. Eins kann ich schon jetzt verraten, es wird ein ungleicher Kampf werden.

Was wir wissen

Kienzle:
Fest steht in jedem Fall, dass damals 2005 im Bundestag gekokst worden sein muss, während der Arbeitszeit. Die chemischen Analysen lassen keinen anderen Schluss zu. Und da bekannt ist, dass Kokain schwerstabhängig macht, können wir keinesfalls ausschließen, dass es auch heute noch Parlametarier gibt, die weiterhin ihrem teuren Hobby frönen. Wer einmal leckt, der weiß wie’s schmeckt. Außerdem wurden besagte Klos seit dem Skandal zur Schutzzone erklärt, die für Journalisten unzugänglich ist.Das spricht eher dafür.

Hauser:
Andererseits führt der Dauergebrauch von Kokain zu schwerwiegenden körperlichen und psychischen Schäden. Bei unseren Entscheidungsgrößen hingegen sind weder häufige Schlaganfälle, Aneurismen oder chronische Nebenhöhlenvereiterungen wahrnehmbar. Ein Appetitverlusst ist ebenfalls nicht nachweisbar, wenn man sich all die Mandatsmoppelchen im Bundestag einmal im Profil ansieht. Auch mentale Zerrüttung, Wahnpsychosen oder krankhafte Paranoia scheinen nicht verbreitet. Das spricht eher dagegen.

Kienzle:
In Deutschland wird gekokst wie seit den Zwanziger Jahren nicht mehr. Wie hochgefährlich die politischen Folgen dieses Konsums waren, hat bald darauf ein unprominenter Österreicher unter Beweis gestellt. Und heute?

Fritz Sörgel ist leitender Pharmakologe am Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) in Nürnberg. Er wollte herausfinden, wie verbreitet die Droge in Deutschland ist. Da Kokain, genauer gesagt dessen Abbauprodukt Benzoylecgonin über die Nieren ausgeschieden wird, fahndete der Wissenschaftler in größeren Flüssen nach Rückständen, die aus Haushaltsabwässern stammen. Dabei bediente er sich feinster Messmethoden, mit deren Hilfe selbst ein Billionstel Gramm pro Liter nachweisbar ist. Die Ergebnisse verblüfften den Forscher. Mit Drogenrückständen am höchsten belastet ist der Rhein bei Mannheim. Hochgerechnet auf den Jahresverbrauch der Bevölkerung kommt Sörgel dort zu einem Konsumvolumen von 14,1 Tonnen pro Jahr, gefolgt von Köln mit 8,5 – und Düsseldorf mit 7,2 Tonnen pro Jahr. Da der Rhein durch die Schweiz fließt, enthält er zudem die ganzen Rückstände, die zuvor die Eidgenossen ausgelullert haben. Dies gilt insbesonders für die Skisaisson. Wenn die Schickeria sich winters in St. Moritz die Kante gibt, steigen die Messwerte so sprunghaft um etwa 33 Gramm pro Tag an, dass Sörgel daran sogar den Beginn der Skisaisson verfolgen kann. Und auch die Züricher Banker sind keine Kostverächter. Die Messergebnisse im Kernbereich dieser Stadt wurden auf etwa 4000 Konsumenten hochgerechnet und die vernichten an jedem Tag 1,2 Kilo von dem Fickpuder. Derartige Ergebnisse sind im übrigen global in allen Industriestaaten nachweisbar. Kurz gesagt, Kokain ist mehr denn je en vogue und der Konsum ist längst in den Chefetagen angekommen. Das spricht eher dafür.

Hauser:
Eben dort eher weniger. Schließlich handelt es sich hier nicht um irgendwelche Kleinstadtluden, sondern um Menschen mit hohem Vernunftsanspruch an sich selbst. Die Rede ist von Realisten, die all die wichtigen Entscheidungen nicht treffen könnten, würden sie nicht über einen hohen Bildungsstandard verfügen. Daraus folgt zwingend, dass in den Chefetagen das Suchtrisiko bekannter und bewusster ist als auf der Straße. Das spricht eher dagegen.

Kienzle:
Dann sehen wir uns doch einmal das Psychogramm eines klassischen Koksers genauer an. Koks versaut den Charakter. Es macht mitleidlos und egomanisch. Solidarität können Kokser nur mit sich selbst empfinden. Der typische Dauerkokser denkt: »Nach mir die Sintflut.« Zudem treten Kokser ausnehmend dominant auf. Sie ergreifen fast schon reflexartig das Steuer und diktieren dann anderen ihre Bedingungen. Wenn man sich anschaut, wie grausam und frei von jeglichem Mitgefühl unsere Bundesregierung jagt macht auf die Sozialschwachen in unserem Staat, Mindestlöhne verhindert und die Deutschen zu billigen Lohnsklaven erniedrigt, dann lässt das schon so einige Vermutungen zu. Zugleich wird die Öffentlichkeit konfrontiert mit einem, bislang beispiellosen, Zynismus. Da ist die Rede von einem allgemeinen Intelligenzverlusst der Deutschen infolge der demografischen Überlegenheit von bildungsfernen Imigranten, die sich schneller fortpflanzen, als die Deutschen. Da wird dem Volk spätrömische Dekadenz vorgehalten und Zuwanderung verhindert, indem man mit Sprüchen wie »Kinder statt Inder« auf schäbigste Art Meinungsmache betreibt. Während weite Teile der Bevölkerung nicht wissen, wie sie in Zukunft ihre Miete bezahlen sollen, feiert Josef Ackermann gemeinsam mit seiner Bankerclique seinen Geburtstag auf Staatskosten im Kanzleramt. Immer höhere Gewinne werden privatisiert und immer immensere Kosten sozialisiert. Dies passt doch ganz genau zum Charakterbild eines Kokainisten, der sich einen Dreck schert um die Folgen seines Tuns für andere Menschen und künftige Generationen. Die Lampe brennt zwar etwas heller, aber die Menschlichkeit geht verloren. Das spricht eher dafür.

Hauser:
Politiker sind nicht dumm. Deshalb wissen sie genau, welches Risiko sie eingingen, würden sie Kokain konsumieren. Der Ansehensverlusst in der Öffentlichkeit wäre bei einer Aufdeckung so enorm, dass die gesamte politische Karriere mit einem Schlag ruiniert wäre. So blöd ist kein Abgeordneter.

Kienzle:
Wie die Wischtests 2005 ergeben haben, eben doch. Zudem befinden sich Manager, Broker und Politiker in einem erbarmungslosen Wettkampf um die besten Plätze. Wer nicht mithalten kann, ist verloren und wird von seinen Mitbewerbern zur Beute erklärt. Dadurch entsteht ein massiver Zwang zum Hirndoping mit Koks, um nur ja nicht ins Hintertreffen zu geraten. Ob Sport oder Politik, wer nicht dopt hat keine Chance. Außerdem werden durch den gemeinsamen Kokainkonsum Seilschaften gefestigt. Jeder hat jeden ein wenig in der Hand und schuldet seinen Mitkonsumenten einen gewissen Vertrauensbonus. Würde einer von fünf Beteiligten vehement jeden Kokainkonsum ablehnen, so würden die anderen vier ebenfalls in seiner Gegenwart darauf verzichten. Allerdings würde der Querschläger dann auch niemals in den inneren Zirkel vordringen. Das spricht eher dafür.

Hauser schweigt

Kienzle:
Ein weiterer Punkt ist die leistungssteigernde Wirkung dieser Droge. Mir ist kein Politiker und auch kein Manager bekannt, der sich nicht damit rühmt, suverän einen 16- Stunden-Tag zu meistern. Und dabei bleiben die Herrschaften stets hellwach und präsent. Dies passt perfekt zum Wirkungsprofil dieser Droge. Zudem kostet das Zeug irsinnig viel Geld. Das Harz IV- Opfer auf der Straße kann sich diese Droge keinsfalls leisten, der Mandatsträger oder Banker hingegen schon und das in jeder Qualität.

Hauser schweigt

Kienzle:
noch Fragen Hauser?

Hauser:
Nein Kienzle


Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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6 Antworten zu Das Kokskabinett

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  5. „Koks versaut den Charakter. Es macht mitleidlos und egomanisch. Solidarität können Kokser nur mit sich selbst empfinden. Der typische Dauerkokser denkt: »Nach mir die Sintflut.« Zudem treten Kokser ausnehmend dominant auf. Sie ergreifen fast schon reflexartig das Steuer und diktieren dann anderen ihre Bedingungen.“
    Wer ja direkt erleichternd, wenn dies bei unseren Entscheidern in Politik und Wirtschaft nur auf Koks zurükzuführen wäre😉

    • denkbonus schreibt:

      Naja, Macht ist auch eine Droge. Sobald undemokratische Politiker gegen ihren Willen entmachtet werden, sterben sie wie die Fliegen. Bsp. Honnecker, der ist an seinen Entzugserscheinungen keine fünf Jahre später eingegangen😉

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