Die Angst der Mittelschicht vorm freiem Fall

Die unteren Einkommen sind bereits abgeschöpft, da gibt es nichts mehr zu holen. Statt dessen gerät der Mittelstand zunehmend ins Fadenkreuz der Hochfinanz. Doch anstatt sich mit dem Gros der Gesellschaft zu solidarisieren, zählt sich der wegbrechende Mittelstand nach wie vor zu eben jener Oberschicht, die ihn selbst systematisch ausdünnt.Der Geldadel bläst zum Halali auf unsere Konten. Und unsere Gesllschaft verhält sich ähnlich einer Gnuherde während eines Löwenangriffs. Schnell ein paar Meter zur Seite springen und erleichtert wahrnehmen, wie der Nachbar von den Raubkatzen filetiert wird. Na, dann ist ja gut. Nichts passiert. Die Normalität kehrt zurück, man verfolgt sein Tagewerk bis zum nächsten Angriff.

Bisher wurde unsere Gesellschaft lediglich an den Flanken attackiert, dort, wo sich ihr Rand befindet. Dort herrschte bisher auch stets die größte Angst vor einem sozialen Kahlschlag, es fehlt an jeglichen Reserven. Mittlerweile jedoch kriecht die Angst vom Rand her auf die Mitte zu und, wie der Mainzer Sozialforscher Stefan Hradil treffend betont, die Bürotürme hinauf. Der Mittelstand bricht weg und das paradoxe daran, er identifiziert sich auch noch mit jenen, die unsere Gesellschaft bis auf den letzten Tropfen ausbluten.

Den Gründen für dieses Phänomen geht Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrrespondentin der taz in ihrem neuen Buch „Hurra, wir dürfen zahlen: Der Selbstbetrug der Mittelschicht“ nach und deckt dabei eine Reihe von Hintergründen auf, die anfangs nur Kopfschütteln, dann jedoch stumme Wut enfachen. Sie enthüllt ein perfides System aus Vorteilsnahmen und Mauscheleien, dass lediglich einem einzigen Ziel dient. Die Vermögen der Reichen gilt es zu schonen, während die Mittelschicht bluten muss. Während ein durchschnittlicher Malocher 53 Prozent Steuern bezahlt, kommt ein Millionär mit durchschnittlich 32 Prozent davon. Am stärksten belastet sind Singelhaushalte mit einem Bruttoeinkommen von 1000 bis 2000 EURO bzw. Familienhaushalte bis zu 4600 EURO. Also gerade mal vermögend genug, um geschröpft zu werden, aber zu einkommenschwach, um sich dagegen wehren zu können. In einer gelungenen Buchrezension beschreibt der Tagesspiegel die Hintergründe für dieses Verhalten. Die Mittelschicht hat panische Angst vor der Unterschicht und identifiziert sich daher lieber mit ihrem eigenen Metzger als mit jenen, die bereits geschlachtet worden sind. Ganz so als würde sich ein Gnu mit den angreifenden Löwen identifizieren um nicht selbst gerissen zu werden. Kurz gesagt: Schafft Platz Leute, wir bekommen Zulauf.

Über denkbonus

Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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