Strahlende Schönheiten

Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts werden Edelsteine zu deren Wertsteigerung radioaktiv bestrahlt. Je nach Art der Bestrahlung können dabei in den behandelten Mineralien Radionuklide entstehen, die dann ihrerseits radioaktive Strahlung abgeben. Es gibt daher radioaktive Edelsteine, die ungehindert in den deutschen Handel gelangen und ihre Träger einer unnötiger Strahlenbelastung aussetzen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) kommt diesbezüglich zu dem Ergebnis,: „dass die Erzeugung radioaktiver Schmucksteine als ungerechtfertigt anzusehen ist. Beim Kauf der Steine solle man sich deshalb davon überzeugen, dass diese nicht radioaktiv sind.“

Sie sind schön und sie machen schön. Edelsteine, seit Urzeiten schon ziehen sie uns Menschen in ihren Bann. Tagtäglich schmücken wir uns mit ihnen und manche Menschen schwören auf ihre Heilwirkung, wenngleich eine solche auch bis heute unbewiesen ist. Bewiesen ist hingegen etwas anderes, und das ist weniger schön. Edelsteine können radioaktive Strahlung abgeben und dadurch sogar zu einer Gefahr für ihre Träger werden. Manche Edelsteine geben natürliche Strahlung ab, so zum Beispiel Monazit, Ekanit und Zirkon, die geringfügige Mengen der radioaktiven Elemente Thorium und Uran enthalten können. Andere widerum werden mit Radioaktivität künstlich behandelt, bevor sie in den Verkauf gelangen. Die Gründe dafür sind, wie so oft, wirtschaftlicher Natur. Um wertvoll zu sein muss ein Edelstein drei Kriterien erfüllen, genannt die drei C’s.

  1. Clearity – Klarheit/ Transparenz
  2. Colour – Farbintensität
  3. Carat – Größe/Gewicht

Steine zu finden, die ein oder zwei dieser Kriterien erfüllen, ist nicht schwer. So ist es ein leichtes, einen großen, lupenreinen Kristall zu bekommen. Der ist dann allerdings blass und wenig farbintensiv. Oder aber er ist farbenfroh und lupenrein, jedoch viel zu klein, um einen respektablen Wert darzustellen. Eines der C’s fehlt eigentlich immer und daher verdoppelt sich der Wert eines farbstarken und hochtransparenten Edelsteines ab einer bestimmten Größe mit jedem weiteren Karat. Was also läge näher, als große und reine, aber dafür blasse Exemplare farblich aufzuhübschen, um so deren Wert zu steigern. Dies geschieht entweder durch Hitze, oder durch Bestrahlung, mitunter auch durch beides.

Grüne Diamanten

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts behandelte Sir William Crookes erstmalig mit dem damals gerade neu entdeckten Element Radium einen Diamanten und erschuf damit den ersten künstlich bestrahlten Diamanten. Dieser war von grünlicher Farbe und zudem gefährlich stark radioaktiv, was er mit Sicherheit auch noch für sehr lange Zeit sein wird.

Ziel der Bestrahlung ist es damals wie heute, die kristalline Gitterstruktur der Edelsteine so zu verändern, dass sie das einscheinende Licht anders als zuvor absorbiert und dadurch bricht. Die Folge ist ein verändert abgegebenes Lichtspektrum, das wir als farbig wahrnehmen. Der Wert eines Juwels lässt sich auf diesem Wege erheblich steigern. Daher wurden seit dem zahlreiche weitere Versuche unternommen, Edelsteine farblich zu verändern. Der Durchbruch gelang jedoch erst Anfang der siebziger Jahre als man entdeckte, dass ein, an sich farbloser Topas, in tiefem, leuchtendem Blau erstrahlt, wenn man ihn erst bestrahlt und anschließend erhitzt. Mittlerweile werden alljährlich mehrere Tonnen Topas auf diesem Wege behandelt. Aber auch andere Steine wie Rauchquarz und Amethyst, violetter Fluorit, gelbe Saphire sowie Diamanten in den Farben grün, pink, rot, gelb, blau und orange, sie alle erhalten ihre Farbe durch die Einwirkung von Radioaktivität oder Höhenstrahlung. Die Neuankömmlinge unter den strahlenden Schönheiten sind radioaktive Rubine und Chrysoberyll- Katzenaugen.

Vom Edelstein zur Strahlungsquelle

Bestrahlt werden die Steine dazu entweder mit energiereicher elektromagnetischer Strahlung wie Beta-, Gamma- und Röntgen-Strahlung, die aus Elektronen besteht, oder aber sie werden schwerer Kernstrahlung ausgesetzt, also mit Protonen und Neutronen bombardiert. Und Letztere ist es auch, die radioaktive Steine erzeugt. Denn durch den Beschuss bilden sich in den bestrahlten Mineralien punktuelle Strahlungsquellen, sogenannte Radionuklide, die dann ihrerseits wieder Radioaktivität abgeben. Aus diesem Grund müssen derart bestrahlte Edelsteine zunächst einmal in Quarantäne und dürfen erst auf den Markt, wenn ihre Strahlung auf ein unbedenkliches Niveau von weniger als 100 Bequerell abgesunken ist. Dies gilt zumindest für Bundesgebiet. Andernorts jedoch nimmt man es mit den Einlagerungsfristen weniger genau. So tauchten 1997 strahlende Katzenaugen auf dem asiatischen Markt auf. Nur ein Jahr später folgten radioaktive Rubine.

Unter Beschuss

Die Folgen können unschön sein. Denn wenn Teilchenstrahlung auf Zellen und Moleküle trifft, kann sie deren chemische Bindungen verändern indem sie die Bindungselektronen verschiebt oder ganz entfernt. Die so veränderten Bindungen reagieren anders als deren Ursprungsmoleküle. Besonders empfindlich auf Strahlung reagieren unsere Zellkerne, in denen sich unser genetischer Bauplan, die DNA befindet. Auch wenn unser Immunsystem in der Lage ist, derart geschädigte Zellen zu eliminieren, so kommt es doch bei einem Überhandnehmen derartiger Veränderungen zu Strahlenschäden. Entscheidend für die Auswirkung auf den menschlichen Körper ist dabei der sogenannte Gewebe- Wichtungsfaktor, denn die unterschiedlichen Gewebearten des Körpers reagieren unterschiedlich sensibel auf Strahlung. Am empfindlichsten sind die Keimdrüsen. Radioaktive Steine gehören daher keinesfalls in die Hosentasche. Ebenfalls sehr empfindlich reagieren Knochenmark, Dickdarm und Magen auf die Strahlung. Wird der Stein hingegen am Hals getragen, wie das bei Zirkonen oftmals der Fall ist, so sind vor allem Speiseröhre und Schilddrüse betroffen.

An diesem Punkt stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das Tragen von Edelsteinen überhaupt vertretbar ist angesichts solcher Bedrohungen. Die Antwort ist ein klares VIELLEICHT.  Die eingangs erwähnten Zirkone sollten gemieden werden, ebenso wie farbige Diamanten unklarer Herkunft. Ansonsten kann wohl Entwarnung gegeben werden, denn die Wahrscheinlichkeit, auf einen derart strahlenden Schmuckstein zu treffen ist insgesamt eher  gering, wenn auch nicht ausgeschlossen. Und das hat mehrere Gründe.

So müssen nach geltender Rechtsprechung alle bestrahlten Steine ausnahmslos als „bestrahlt“ oder „behandelt“ deklariert werden. Und zwar gleichermaßen auf Geschäftsdokumenten wie auch auf Rechnungen, Werbeprospekten, Beschriftungen auf Börsen und so weiter, wenngleich sich Händler nicht immer daran halten.

Ein weiterer Faktor ist der enorme Aufwand, der betrieben werden muss, um Protonen- oder Neutronenstrahlung zu erzeugen. Während für Röntgen- oder elektromagnetische Strahlung lediglich ein wenig Strom notwendig ist, bedarf es für die schwere Kernstrahlung eines ganzen Kernkraftwerkes oder einer ausreichenden Menge des Elements Radium. Da die Bestrahlungskosten unter dem Verkaufserlös liegen müssen, werden auf diesem Wege nur Steine behandelt, die einen entsprechenden Marktwert erzielen. Und das widerum setzt voraus, dass die Verfügbarkeit der Steine möglichst gering ist da nur sehr seltene Steine wirklich wertvoll sind. Diese Bedingungenen erfüllen im wesentlichen nur blauer Topas, farbiger Diamant und roter Turmalin, eventuell auch noch der Feueropal. Auch Rauchquarz kann behandelt sein, ist jedoch für den Schmuckgebrauch in der Regel zu trivial.

Ab einer gewissen Größe werden Diamanten zudem nur mit einem Zertifikat über Gewicht, Größe und Reinheit angeboten, was eine Strahlungsmessung ebenfalls mit einschließt.

Am höchsten ist die Wahrscheinlichkeit, auf gefährlich radioaktive Schmucksteine zu treffen, bei Importen aus Russland und den asiatischen Tigerstaaten. Daher sollte die Herkunft des Steines ersichtlich sein. Andernfalls kann so ein Urlaubssouvenir gelegentlich doch etwas mehr Ausstrahlung besitzen, als der Besitzer es sich wünschen würde. Aus diesem Grund macht es auch Sinn, sich vor dem Kauf eines jeden Schmucksteines schriftlich vom Händler bestätigen zu lassen, dass dieser Stein nicht radioaktiv strahlt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann Edelsteine zudem auf Radioaktivität untersuchen lassen, und zwar vom Umweltinstitut München oder dem EPIC- Institut für Edelsteinprüfungen in Ohlsbach/Offenburg. Der Zoll untersucht Importe nur stichprobenartig. Während noch in den Neunziger Jahren gelegentlich verdächtige Steine auftauchten, gelten heutige Importe jedoch als sicher.

Dennoch gilt, dass die, ohnehin oft unvermeidliche, radioaktive Belastung für Menschen prinzipiell so niedrig wie möglich gehalten werden sollte. Entsprechend eindeutig sind daher auch die Empfehlungen des Bundesamtes für Strahlenschutz zu diesem Thema. Dort heißt es unter anderem:

…Aus grundsätzlichen Erwägungen wird vom Tragen der mit Neutronen bestrahlten Edelsteine abgeraten, denn ein Strahlenschutzgrundsatz besagt, dass jede unnötige, ungerechtfertigte Strahlenexposition zu vermeiden ist. Die Erzeugung radioaktiver Edelsteine wird als ungerechtfertigt angesehen. Beim Kauf der Steine sollte man sich deshalb davon überzeugen, dass diese nicht radioaktiv sind. “

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Politischer und religiöser Freidenker | Grobstofflich | Wer sein Bewußtsein erweitern will, muss zuerst welches besitzen
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